Beckeraachen

Kunstwechsel


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Bermuda-Dreieck

 

 

Kunst – ABC

Der Psychotherapeut als Sammler –

Reiner-Ruthenbeck-Aschehaufen-VI-1968-71-Installation-view-Hamburger-Kunsthalle-HamburgerHans Backes 2

1979 „Das Bermuda-Dreieck der Kunst“

Gruppengespräch mit den Künstlern Jochen Gerz, Barbara und Michael Leisgen, Reiner Ruthenbeck, Wolfgang Nestler, den Galeristen Agnes Wintersberger, Philomene Magers, Winfried Reckermann, dem Sammler Rainer Speck u.a.m.

Hans Backes hat in diesem Dokument einen persönlichen Bericht über das Gespräch verfasst, der in einer der Weißblauen Mappen der Neuen Galerie erhalten ist.

Der Handlungsraum zwischen Künstler, Galerist und Sammler ist ein kleiner Bezirk in der großen Heimat der Kunst. Gerz schrieb nach dem Gespräch, im Bermuda-Drei3eck sei die Unbefangenheit und der Mut versunken, die Kinder besitzen; der Psychotherapeut resumiert, er habe mühevoll das Einvernehmen zwischen den drei wichtigsten Akteuren der Kunst gesucht (und alle anderen, die Kuratoren und Kritiker, die Kunstvereine, Kunsthallen und Museen ausgelassen) und Zerrissenheit im Ghetto einer kleinen Gemeinschaft gefunden, die der Kunst die gesellschaftliche, politische Offenheit, die sie braucht, nicht gewährt. Dort ist die Kunst Bildungsgut wie der „Ulysses“ von James Joyce. Ja, der Sammler Speck bekannte sich zu seinem Jaguar, würde aber Spiegeleier essen, um sich den Ankauf eines Werkes von Beuys zu erlauben. Einmal folgt Backes der Vorstellung des Psychologen Heubach, Menschen suchten in der Kunst das, was sie in sich vermissen, und diskutiert einen Kultus (Museum als Kathedrale), in dem die Verehrung der Fresken von Giotto ebenso ihren Platz habe wie die einer Skulptur von Ruthenbeck. Er hat die Veranstaltung eine ANTI-VERNISSAGE genannt, in der sich die drei Beteiligten begegnen und ihre Interessen miteinander aushandeln. Es erscheint heute schwer, die Konzentration auf jene drei Agenten der Kunst zu verstehen, wenn man nicht den Kunstliebhaber Backes als Psychotherapeuten begreift, der sich, als er engagiert Kunstwerke zu erwerben begonnen hat, als Sammler in Frage zu stellen beginnt. Ist Sammeln eine Krankheit? Bin ich als Sammler in dieser Gruppe krank? Oder ist die Gruppe krank?

Abb. Reiner Ruthenbeck ASCHENHAUFEN  Installation Hamburg Kunsthalle 1968

 

 


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HAUSVERWALDUNG

Hausverwaldung – eine Kalendergeschichte

Er erwartet nicht, dass sein „Gartenhaus“, eine Skulptur, die er aus der Ruine eines Gartenhauses modelliert hat, in einem Gesträuch von Efeu, Clematis und Schlingknöterich verschwunden ist. Aber er hört einen, der in diesem Gebüsch mit zwei Frauen telefoniert. Er findet sie; sie iassen Lianen aus den Fenstern der Gästewohnungen herab wie Rapunzel ihren Zopf. Sie sind Gäste eines Stadtteil -Förderprograms, wie sie in Corona-Zeiten entwickelt werden dort, wo Wohnungen leer stehen und Arbeitslose das Stadtbild beherrschen. Künstler und Handwerker aller Gattungen erhalten Geld, werden in eine der Wohnungen eingeladen und aufgefordert, sie, ihre Fenster, die Fassaden der Häuser und die Freiflächen der Straßen und Plätze zu bepflanzen – und das größte Haus unter ihnen, das Ludwig Forum. Gartenzentren häufen Berge von Mimosen, Kletterhortensien, Euonymus, Geissblatt, Trompetenblumen, wilden Wein im Hof an der Jülicher Straße. Hier konzentriert sich die Arbeit. Hier erreicht die Aufgabe ihren höheren Sinn. Ein Museum moderner Kunst in Aachen Nord, im Industrie- und Arme-Leute-Viertel, das seine Herkunft aus einer Regenschirmfabrik nicht leugnet, diesen mächtigen Klotz aus rotem und gelben Backstein in ein vielfältiges grünes KJeid zu hüllen, ist den ästhetischen Ansprüchen des Hauses angemessen und wird von vielen Menschen schnell verstanden.

Es wird eine Sensation und ein Forschungsobjekt zugleich.  Boden- und wandabhängige Pflanzen, ihre Ernährung und Bewässerung werden ebenso untersucht werden wie ihre klimatische Wirkung auf die Innenräume. Ohne Zweifel werden in den heißen Sommern der nahen Zukunft die grünen Wände kühlend wirken, Feinstaub, Gase und Lärm abwehren.

Es war nicht immer die öffentliche Meinung einer Mehrheit, dass lebende Pflanzen und Bäume zur Existenz des Planeten beitragen. Die Künstlerin Tita Giese ging in der Ausstellung des Ludwig Forums „Natural Reality“ 2000 so weit, eine Baumbepflanzung der Jülicher Straße vor dem Haus vorzuschlagen. Joseph Beuys ermutigte die Kasseler Stadtverwaltung 1982 zu einer Stadtverwaldung mit 7.000 Eichen. Jetzt übernimmt in Aachen eine Bürgerstiftung die Verantwortung für 1,000 Bäume in der Städteregion. Könnte jemand gegen die Begrünung des Ludwig Forums protestieren, wo sogar in der Mitte der Stadt ein Parkhaus durch eine Wiese ersetzt wird? Nichts ist sinnvoller, nichts ist schöner.

Nichts ist einfacher: Das große U des Gebäudes setzt sich aus glatten Flächen zusammen. Die Straßenfassaden werden große bepflanzte Vorhänge bedecken, aus denen die Fenster ausgeschnitten sind, die Horizontalen des Dachs werden wie Wiesen bepflanzt und beschränkt begehbar gehalten (die Kunsthalle Bonn bietet ein gutes Beispiel). Die Horizontalen könnten zu der Kreuzung Jülicher Straße – Lombardenstraße ansteigen, um dort einen Aussichtspunkt zu erreichen.

Die beiden Frauen aus den Gästewohnungen bemühen sich jetzt, den Mann aus dem Gestrüpp der Gartnlaube von Thomas Virnich zu befreien. Sie wollen ihm im Garten zeigen, was von den Installationen Nils-Udos und Alan Sonfists übriggeblieben ist. Ein Freund von ihnen hat die leere Wohnung von Peter und Trude Lacroix bezogen und sie nach dem Test zum Abendessen eingeladen. Auf dem SMS steht VERDE QUE TE QUIERO VERDE: Er hat grünen Spargel geerntet Der Frühling hat begonnen.


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48 illustre Männer

48 Illustre Männer um Gerhard Richter

Eine Kalendergeschichte

Dass Ralf Wierzbowski vorgestern im Facebook 48 Porträts von Gerhard Richter publiziert, hat mich überrascht. Vielleicht sind sie sogar so groß wie die illustrer Männet, die Richter selbst 1971/72 gemalt hat, aber anders, ganz anders. Wierzbowski malt nicht Richter wie Richter, sondern versucht, als Wierzbowski (ich erkenne ihn wieder), einem anderen, Alten (seinem Vater, an dem er sich reibt?), seinem Ruhm, seinem Preis nahezukommen.

Richter saß 1972 im Caffé Florian am Markusplatz in Venedig und wunderte sich über den schlechten Zustand der galleria degli uomini illustri seines Kollegen Giulio Carlini an den Wänden.  Marco Polo, Palladio, Goldoni und Tizian waren kaum noch zu erkennen. Wie wird seine Galerie der Prominenten, die drüben im deutschen Pavillon hängen, in 150 Jahren aussehen?

Warum 48? 48 Ölbilder, 55 cm breit, im Abstand von 55 cm gehängt, würden eine Wand von 53 m Länge füllen; 48 illustrer Männer im Saal, nichts weiter. Kafka, der frontal den Betrachter aus der Apsis anschaut, bezeichnet die Achse. Kein anderer: die Angst des ratlosen Jahrhunderts Die Reihe hängt hoch, man hebt den Kopf, um sie wahrzunehmen. Der sakrale Raum ist pathetisch kalt und leer, und nur einige der schwarz-weiß gemalten Personen sind den Besuchern bekannt.

Kunsthistoriker denken hier an die Galleria degli Uffici, der Cosimo di Medici ein neues Foro Romano hinzufügen wollte, das im 19. Jh. als Würdigung des italischen Genius in einer Loggia von Porträtskulpturen vollendet wurde. Und damals, im Zeitalter der Walhallas und Liebestode malte der Münchener Hofmaler Josef Karl Stieler- in Konkurrenz zu Franz Xaver Winterhalter, dem gerade „Sissi“ in Wien Modell saß, die Galleria delle Bellezze, die Schönheitsgalerie im Schloss Nymphenburg, 36 Porträts (in den Maßen der 48 von Richter!) bedeutender Frauen Münchens – Prinzessinnen, Hofdamen, Tänzerinnen, Sängerinnen……..

2015 zeigte die Nationalgalerie von Urbino das rekonstruierte Studiolo des Herzogs Federico di Montefeltre, ein Meisterwerk der Frührenaissance, in dem 28 Philosophen, Theologen, Dichter, Wissenschaftler, Plato, Aristoteles, Augustinus, Moses, Petrarca, Cicero, Euklid, Albertus Magnus, „Uomini Illustri“, dem Fürsten als Vorbilder weiser Herrschaft dienten. Keinem Zeitalter war so bewusst, das Rinascimento, die Wiedergeburt der antiken Kultur Europas zu erleben.

War es wirklich die Größe des deutschen Pavillons, die Richter veranlasste, 48 Porträts von Männern zu malen, die das 20. Jahrhundert bewegt haben?  Hat er den deutschen Pavillon, der im Dritten Reich gebaut wurde, um die deutsche Kunst zu feiern, in eine Gedenkstätte des deutschen Geistes, in eine „galleria degli uomini illustri“ verwandeln wollen, wie sie in der italienischen Geistesgeschichte bekannt ist? Oder wird hier ein trockener Sarkasmus sichtbar, der die feierliche Geste entwertet und sich in dem Moment offenbart, in dem die 48 Porträts an irgendeiner Museumswand in einer Reihe oder mehreren aufgehängt werden? Welche Mühe! Welche Arbeit!

Die 48 Porträts Gerhard Richters haben weitergewirkt. Um sie zu schonen, hat Richter eine Serie von 48 Fotos herstellen lassen, die – hinter Glas – den Originalen gleichen. Sie sind häufig ausgestellt worden. Gottfried Helnwein hat den Männern 1991, angeregt von Alice Schwarzer, 48 Gemälde prominenter Frauen   hinzugefügt.  Er greift in das 19. Jahrhundert zurück und wählt Tänzerinnen (Pina Bausch, Josephine Baker), Schriftstellerinnen (Simone de Beauvoir, Hannah Arendt), Politikerinnen (Rosa Luxemburg) aus Europa und USA.

Richters 48 Porträts wanderten aus Venedig nach Aachen. Viele haben sie dort gesehen, bevor sie das Kölner Museum Ludwig aufnahm – wie auch die Bilder Helnweins. Ihre Betrachtung ist unscharf geblieben. Sie hängen noch immer zu hoch. So unscharf bleibt auch das Bild Gerhard Richters, das Ralf Wierzbowski 48x malt. Ruhm ist unscharf und vergänglich. Aber seit Gerhard Richter eine seiner ersten Einzelausstellungen 1969 im Gegenverkehr Aachen ausrichtete, seit 1970 in der Neuen Galerie die „Eifellandschaften“ heimatliche Neugier erregten und neben dem Sammler Peter Ludwig sich andere um den Erwerb von Richter-Bildern bemühten, gab es in Aachen auch etliche, die sich gern Schüler des Düsseldorfer Akademieprofessors nannten – wie jene anderen, die Joseph Beuys folgten.  

Es ist mir nicht gelungen, für die Zahl 48 eine andere Bedeutung als die Gerhard Richters zu finden. Wer,  sich wie ich an die Zahl fesseln lässt, möge für sich 48 Personen versammeln, die seinem Leben einmal einen Sinn gegeben haben – etwa die Judith der Bibel, die dem Holofernes den Kopf abschlug,  Don Quixotte und sein Kampf gegen die Windmühlenflügel, Papst Johannes, Herkules, der Antäus in der Luft erwürgte, Janis Joplin, 50 Cent oder die überaus langweilige Mona Lisa. jeder hat ein Recht auf seine Galleria degli personnaggi illustri e famosi.

Abb. Richters Porträts in Venedig 1972 und Katalogtitel dea Studiolos in Urbino 2015


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Seidenstraße Chaina

Seidenstraße CHAINA

Eine Kalendergeschichte

In Taipeh schenkte mir ein Künstler diese Teller. Sie sind aus niedrig gebranntem grauem Ton, und Trudel Klefisch, Asiatica-Händlerin in Köln. meinte geringschätzig,  so etwas exportierten die Chinesen nicht; die Ware kam in kleinen Auflagen aus kleinen Öfen, ihr Dekor folgte bestimmten Vorlagen, und jeder Maler variierte es schnell nach Lust und Laune; ein Vergnügen, das, so meinte der Künstler, sie wertvoll machte.  Wer Erden fand, die bei höheren Temperaturen nicht zerfielen, wer größere Öfen bauen konnte, stellte menschen- und pferdegroße Skulpturen her und entwickelte Farblasuren, die heute in großen Museen leuchten. Die höchste Temperatur – 1450 ° C – verträgt ein Gemisch aus Tonmineralien, Felsspat, frei von Eisen: Kaolin, das in großen Mengen seit dem 18. Jahrhundert im Nordwesten Chinas, in Gaoling abgebaut wird. Dorthin ist Edmund de Waal, Keramik-Künstler in London, gefahren und hat in „Die Weiße Reise“ eine aufregende Geschichte geschrieben. Seine schneeweißen Skulpturen habe ich in einer Ausstellung des Bonnefantenmuseums in Maastricht gesehen. Aber auch Gagosian in New York bietet sie an.

Niedlich, albern fand ich als Student 1961 die weiß0en Figürchen der Berliner Manufaktur, die mir der Direktor des Kölner Kunstgewerbemuseums bewundernd zeigte. Er schickte mich in das Märkische Museum in Berlin, um ihre fotografischen Vorlagen zu inventarisieren.

Das Kaiserreich China förderte von Gaoling aus zwei Produktlinien, die chinesische und die europäische (Porzellan = China). Diese Linie, die zahlreiche Schifffahrtslinien beschäftigte, schrumpfte, je mehr heimische Manufakturen den Markt übernahmen: Meissen, Wien, Sèvres, Chelsea. Berlin….. Die Sammelleidenschaft der Fürsten, Adligen, Großbürger und Bankiers wuchs so sehr, dass ihre Häuser sich von den Salons bis in die Küchen und Gärten mit Porzellanen füllten. Über der Regnitz in Bamberg zieren heute die Straßburger Fayencen und Meißener Porzellane der Sammlung Ludwig das prächtige Alte Rathaus.  So hat erst wieder die amerikanische pop art eine Epochenkultur in Europa beeinflusst. Das Empire der Französischen Revolution hat die Chinoiserie abgehlöst.

Kaum eines dieser europäischen Werke befindet sich in einem chinesischen Museum, sie werden dort, so neinte der Direktor des Keramions in Taipeh, für minderwertig neben den chinesischen Meisterwerken gehalten, Tischdekorationen, Gebrauchsgüter, durchaus nicht vergleichbar mit den kostbar geformten, glasierten, kolorierten Figurinen, die er mir zeigte.

Es war den europäischen Mächten nicht möglich, das chinesische Kaiserreich so zu kolonisieren wie afrikanische Königreiche. Da ihre kostbaren Bildgegenstände komplexer Rituale als Raubkunst nach Europa importiert wurden, wird es lange dauern, bis sie zurückgeführt in neue Museen ihrer Heimatländer als Zeugnisse einer eigenen Kulturgeschichte verinnerlicht werden.

Der taiwanesische Künstler trennte sich nicht gern von dem Schälchen, dessen Außénwand der Töpfer unordentlich mit Kreisen überzogen hat. Er hätte, so meinte er, ohne Ruhmsucht und Geldgier der Kunst ihre Freiheit erhalten.


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Seidenstraßenkunst

Seidenstraßenkunst – Eine Kalendergeschichte

1996 saß ein junger Mann in Peking vor der Nationalgalerie und bot an, eine Ansicht des HUANG  SHAN mit einem feinen Pinsel und schwarzer Tusche auf einen DIN-A 4 Karton in 15 Minuten zu malen –  für 5 US $. Alle kennen die Heiligen Berge und die Kunst der Tuschmalerei, und die ihm zuschauten, freuten sich, wie die Felsen und Bäume vor ihren Augen auf dem weißen Papier entstanden­.

In den Hallen des Museums standen sie dagegen unwissend vor den Werken der Sammlung Ludwig aus Europa und Amerika. 10 sehr große (180 x 230 cm) Linolschnitte von Jörg Immendorff kommentierte ein Mann, der sie überragte: Li Hong-tao, ein feiner, gebildeter Maler, dem der Ruf vorauseilte, nicht nur das Wesen von Kunstwerken zu erkennen, sondern in das Innere anderer Menschen zu sehen und ihre Krankheiten zu heilen. Das Kulturzentrum der Stadt hatte ihn eingeladen, die exotischen Arbeiten zu erklären. Was ist Linoleum? Womit schneidet man Linoleum? Wie groß muss eine Maschine sein, um solche Linolschnitte in 4 Farben zu drucken? Viele Werke dieser Ausstellung ließen erst am Ende die Antwort auf die Frage zu, was sie darstellten. Viel wichtiger erschien dem Publikum: wie waren sie hergestellt? Man kannte seit Jahrhunderten Papier, Tuschsteine und Pinsel, Holzschnitte und gerollte Bilder. Erst als sich China in den kriegerischen Wirren um 1900 dem Westen öffnete, wurden Ölfarben inTuben bekannt. Li Hong-tao war ein Ölfarben-Maler und wünschte sich, seine Bilder neben Ölbildern europäischer Maler zeigen zu können.

Ein Gast des Pekinger Goethe-Institut besuchte das Atelier von Li Hong-tao und vermisste dort alles, was er für chinesisch hielt: die feine kalligrafische Tuschmalerei, die Gegenständlichkeit; stattdessen zeigte ihm der Maler sein neuestes Bild: seinen groben Auftrag von Ölfarben von der Palette, ihre Mischung zu klumpigen Formen, eine kartografische Komposition; in der er Europa am Beginn des Holozäns zu entdecken meinte, als die Landmassen der Kontinente und Inseln aus dem tiefen Atlantik wie Felsen hervorragten. Besser konnte der chinesische Maler sich nicht verstecken: jeder Betrachter des Bildes konnte das chinesische Meer in dieser Landkarte suchen oder annehmen, der Maler lebe in Europa – wie Zao Wou–ki in Paris.

Es gibt  wahrscheinlich weniger europäische Fälscher chinesischer Meisterwerke als chinesische, die Bilder von Van Gogh, Monet oder Matisse in großer Zahl kopieren. Der Kunstmarkt der kleinen Preise nutzt die Seidenstraße gern. Li Hong-tao ist kein Fälscher, aber er nimmt gern in Kauf, für einen Exoten der Ecole de Paris gehalten zu werden – so wie Zao Wou-ki oder die Araberin Far El Nissa Zeid.

Der junge Maler der Heiligen Berge vor der Nationalgalerie begleitete den Gast des Goetheinstituts in die Kunstakademie. Die Studenten fragten ihn über den deutsche Künstler Mas-Dew -iiz aus. Sie meinten Baselitz.


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Ostereier

Ostereier – eine Kalendergeschichte

Der Schornsteinfeger, der unsere Therme kontrolliert, sah die bemalten Ostereier auf unserem Küchentisch und erzählte, er sei in einem Fischerdorf an der Nordsee eingeschult worden. Ihm hatten damals sechs weiße Gänse gehört, die ihn zur Schule begleiteten, auf der Wiese davor warteten und nach dem Unterricht nach Hause brachten. Sie zischten, wenn andere ihn angriffen. Am Montag nach Palmsonntag bot er in der Schule Gänseeier zum Bemalen an. Unter seinen Freunden war ein Rumäne aus der Bukowina, der Bilder von den Klöstern seiner Heimat zeigte, die überbordend mit Geschichten aus der Bibel bemalt waren. Mit den Mustern, die er dort kennengelernt hatte, bemalte er sein Ei und zeigte es den Gänsen. Sie klapperten mit den Schnäbeln, und er wusste, sie lachten. Aber einer gelang doch, Eier zu legen, die an Farbreichtum und Mustern das des Rumänen übertrafen. Er musste ihr glauben: der Flaum am Bürzel zeigte Reste der Farben. Und sie übertraf ihn: ie wiederholte nicht sein Dekor, sondern erfand andere, wie er sie aus Rumänien kannte. Sie war eine rumänische Gans.

Das reiche Repertoire dieser Muster ist in Moldawien nicht nur auf Klosterwänden und Ostereiern, sondern auf Tischdecken und Servietten, Hemden und Pullovern bekannt. Der Schornsteinfeger schenkte mir dieses Farbfoto. Eines der Eier habe der Rumäne bemalt, fünf seien Arbeiten der Künstlerin-Gans. Frohe Ostern! sagte er und meinte, die Eier, die die Russen zu Ostern auf die Gräber legen, seien lange nicht so schön wie die rumänischen. Ihren Gänsen mangele es eben an Kreativität. Der Gedanke, dass sie gut gextopft geschlachtet werden, gefiel uns beiden nicht.

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Mao und die nackte Frau

Mao und die nackte Frau – eine Kalendergeschichte

Sie wussten nicht, dass Mao Zedong im September sterben würde. Der Kultursekretär der rotchinesischen Botschaft und der Ausstellungskurator stritten sich im Frühjahr 1976. Warum musste ein Isländer so ein Bild malen? Warum erscheint Mao hinter einer blonden nackten Frau? Der Kultursekretär blättert im Ausstellungskatalog, der der “Roten Bibel“ des Mao Zedong nachgebildet ist. Haben Sie Maos Buch gelesen? Oh ja, meine Freunde und ich besitzen die deutsche Ausgabe, seit sie 1972 erschienen ist, Warum wollen Sie das Bild nicht anschauen?  Es ist eine Majestätsbeleidigung und imperialistisch. Wer ist diese Frau? Die Edda? Europa? Diese zarte, schamhafte Nackte? Alle Frauen in Europa wünschen sich, so schön zu sein wie sie: Aphrodite, Venus, die im Mittelmeer aus dem Schaum von Samen und Blut des Gottes Uranus emporsteigt. Widerlich! Keine Chinesin würde dieser Frau nacheifern. Aber jede möchte im Ballett der Roten Garden tanzen. Der Italiener Sandro Botticelli hat die Venus vor 550 Jahren gemalt, und viele kennen sie von Postkarten. Und ich kenne das Foto, das dwe Isländer benutzt hat: Es zeigt Mao auf dem langen Marsch 1934. Er war 41 Jahre alt und schaffte es, die Volksrepublik China zu gründen. Und? Wer hat das Foto gemacht? War es nicht der deutsche Kommunist Otto Braun, der ihn als Vertreter der Moskauer Komintern begleitete? Das will ich nicht wissen. Niemand fragt nach dem Autor eines Fotos, Der Isländer hat es gefunden. Wofür steht es? Für die „Gelbe Gefahr“. Was ist das? Die Angst vor der gelben Gefahr ist entstanden, als die Europäer Kolonien in Afrika und Asien einrichteten. Der deutsche Kaiser Wilhelm hat sie massiv gefördert. Sie lebt dort weiter, wo die Wirtschaft Chinas sich auf allen Marktplätzen der Welt ausbreitet. Der Isländer Erro Gudmunson setzt vor das Ideogramm der vordrängenden militärischen Kultur der neuen Volksrepublik wie ein übermächtiges Schutzschild das uralte der europäischen Göttin der Liebe, der Fortpflanzung und des Friedens. Der Kulturattaché lächelt: der Isländer hat nicht zur Kenntnis genommen, dass jetzt Deng Xiao Ping Mao abgelöst hat. Um die Chinesen zu verstehen, sollten die Europäer nicht mehr die Rote Bibel, sondern die Schriften des Konfuzius lesen. Kommen Sie nach Peking, um gute Kunst kennen zu lernen.


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Banksy`s Superwoman

BANKSY`S  SUPERWOMAN – eine Kalendergeschichte

Alle Kunstwerke, die in internationalen Auktionen Rekordsummen erreichen, betrachten verächtlich ein 1 m² großes Bild, das, wie die Massenmedien und Fachzeitschriften berichten, 20 Millionen € eingebracht hat. Jener Tulpenzwiebel Semper Augustus, die in Amsterdam 1637 für 30.000 Gulden den Besitzer wechselte, traute man zu, dass sie eine wunderschöne Blume hervorbringen würde, doch dieses Abbild zeigt nicht mehr als einen hockenden Jungen, der in seiner linken erhobenen Hand die kleine Puppe einer Krankenschwester betrachtet, und einen Papierkorb, in dem ihm verworfene Figurinen von Batman und Spiderman zuschauen. Ein leichter Schatten liegt auf seinem Gesicht; er hockt irgendwo. In Fotos von mir in seinem Alter sehe ich ihm ähnlich: ein mitteleuropäischer Junge. Er scheint sich über die kleine Krankenschwester mit Mundschutz nicht zu freuen, und seit der  Künstler das Bild in Instagram bekannt gemacht hat, sollten alle wissen, dass er sie bewundert und mit ihr leidet: eine von jenen, die mühevoll gegen ihre Ermüdung um das Leben unzähliger Ovid-19-Opfer kämpfen. Nicht ihnen allein, sondern der Universitätsklinik in Southampton und dem nationalen Gesundheitsdienst NHS soll die erzielte Summe zugutekommen.

Banksy hat das Bild nicht dem Krankenhaus geschenkt, damit es dort im Vestibül seine Botschaft mitteilt, sondern im weltberühmten Kunstauktionshaus Christies für eine Rekordsumme versteigert wird. So kann er mit Picasso und Raffael wetteifern. Niemand wird fragen, ob das Bild sich neben dem Porträt einer Frau mit Artischocke des spanischen Meisters behaupten kann; und kein Kunstkritiker, der Wert darauflegt, in den Medien eine Rolle zu spielen, wird wagen, diese liebenswürdige, bescheidene Illustration einem Akademieschüler zuzuschreiben. Mit einem Versteckspiel sondergleichen und einem anarchischen britischen (?) Humor ist es dem street artist wie keinem Künstler seiner Generation gelungen, enorme Einnahmen zu erzielen und kritisch wohltätig auszugeben: ein Hotel in Palästina, ein Rettungsschiff im Mittelmeer, ein Krankenhaus in England…..

Verborgen ist er, und wir stellen uns vor, dass er eine schöpferische Gruppe ist, geschützt vor staatlichen Eingriffen – wie Shakespeare in seinem Theater, dessen Angriffe auf das Königshaus unerwidert blieben. An seiner Biografie wird bis heute gearbeitet. Der Kunstmarkt hat Banksy integriert, und Museen sind bereit, seine Werke aufzunehmen. So trägt er dazu bei, den Bezirk, dem das Grundgesetz Freiheit garantiert, zu erweitern. Die Eitelkeit, die Künstler verleitet, ihre Werke zu signieren, vor sie zu treten, um sie zu kommentieren, sogar sie selbst zu sein, hat er spöttisch hinter dem Vorhang eines Straßentheaters verborgen. Das Bild, die liebenswerte Zeichnung, die eine herzliche Szene entwirft, ist nur der Anstoß zu einem Welttheater, dem Shakespeare applaudiert hätte.


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En tropicus

ENTROPICUS ARS POINT

Eschbachstraß21, 5108 Monschau, und Messeweg 21, 5108 Kalterherberg, Telefonnummern, Bankkonten in Monschau und St. Moritz. Entropicus verschickte 1982 ein feines großes Dossier mit Anschreiben, Texten und Grafiken auf vielfarbigen Cibachrome –  und Büttenpapieren, Folio, DIN A 2, hergestellt in der Druckerei Offermann in Roetgen, und bot das komplette Projekt einer Kunstaktion auf den Straßen mehrerer Städte an. Die schöne Mappe blieb unbeachtet und tauchte jetzt zufällig auf; der Name erregte Neugier, weil etliche Schriftsteller (Chris Deggs) und Künstler den rätselvollen Bezug zum thermodynamischen Gesetz der Entropie benutzt haben, um Websites zu gestalten und Bücher zu schreiben, die von der sagenhaften Insel Atlantis und vom Versinkn der Welt im Chaos handeln. Man findet unter ihnen einen Manfred Kustermann, der eine jugendstilige grafische Sprache gebraucht und ein leidenschaftlicher Surfer ist. Aber auch er ist zu jung, um bis 1981 zurückzureichen. Den Telefonnummern, die in den Anschreiben genannt sind, antwortet keiner mehr. Ich werde in die Eschbachstraße in Monschau fahren, um das Haus zu finden, in dem Entropicus gewohnt hat.

Das Projektpapier sagt, dass Sammler, Sponsoren und Galerien gebraucht werden. Rauten und Kreise in Form von Verkehrszeichen enthalten Inhaltsangaben und Botschaften zur „Straße der Fantasie“,“phanta rows cities“ und „pr-highlights“. Die Ausstellung „Arte Viva“ soll zehn Tage lang stattfinden, im Mai in Monschau, im Juni in Aachen, im Juli in Zürich., von Juni bis September 100 Tage zur documenta in Kassel, im Oktober 20 Tage in Frankfurt rund um die Buchmesse. D.S.D. Frostu wird die Aktion in Aachen leiten. Sie hat 4 Kapitel: 1. auf den Straßen 2. Signale der Historie 3. Tradizio & Futura 4, Markt der Kunst. Und soll – die Aufwendungen sind einzeln aufgeführt – 46.000 DM kosten. Sponsor: die Music Production .Entropia in London. Dort scheint der homo entropicus entstanden zu sein.

Im Gegensatz zu den unheilvollen Visionen, die solche Autoren wie Chris Beggs entropisch entwickeln, ist die Bildsprache des Monschauer Entropicus kosmisch heiter, von mikro- und makrobiologischen Elementen durchzogen, jn hellen, bonbonfarbigen Akkorden; die Kugeln auf dem abgebildeten Cibachrome-Blatt könnten fantastisch kartografierte Erdbälle oder Luftballons sein, die Menschen in ein freundliches Weltall entlassen.

Ich wüsste gern mehr über den Monschauer Entropicus und bitte hier die Lesergemeinschaft um Auskünfte.


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Models

M O D E L S

Eine Kalendergeschichte

In dem 3Sat-Film „My Body – My Art. Frauen. Körper. Kunst.“ sagt Annique Delphine, sie habe früher zuweilen „gemodelt“ – eine einträgliche Tätigkeit für Menschen, die gut gewachsen sind und es gern zeigen. Models sind Mannequins und „Probierdamen“ gefolgt. Coco Chanel und Elsa Schiaparelli brauchten sie auf den Laufstegen, um ihre Kreationen von Kleidern für die neue Frau der zwanziger Jahre zu präsentieren. In dem Überfluss der europäischen und amerikanischen Konsumgesellschaften zwischen den Weltkriegen entstand eine Berufsgruppe zwischen Laufsteg und Fotostudio, Modezeitschrift und Playboy, Casting Shows, Spielfilmen und Performance Art – eine der wenigen Gruppen, in der Frauen mehr verdienen als Männer. Vogue, Harper’s Bazaar und Elle verbreiteten weltweit FASHION, BEAUTY, CELEBRITY und beschäftigten renommierte Fotografen wie Edward Steichen, Horst P. Horst, Cecil Beaton und Helmut Newton.  Überall lagen die glanzvollen Hefte auf den Coffee Tables von Frauen, die die Zeitenwende als Befreiung feierten.

2020 erschien in einer Kölner Versteigerung ein Ölgemälde von Herbert Rolf Schlegel „Models am Ammersee“ von 1930, 120 x 150 cm groß. Sieben Frauen in mittlerem Alter füllen es aus. Sie stehen auf einer Landzunge vor dem hellen, wolkenlosen Himmel über dem See aund führen zeitgenössische Kleidung vor: kurze Pluderhosn, ein geschürztes Tanzkleid, gestreifte Shorts, Kniestrümpfe, Schnürstiefel, Pumps.  Sie sind offensichtlich nicht professionelle Mannequins, sondern kräftige, sportliche Frauen, die sich und dem Maler den Spaß erlauben, Stücke ihrer Garderobe vorzuführen. Der Maler variiert ihre Stellungen in Stereotypen: die Kokette, die sich abwendet und zugleich den Kopf dem Betrachter zuneigt; die Schüchterne, die ihre Arme über der Brust verschränkt und zur Seite schaut; die Zarte, Betörende mit Sonnenschirm; die maskuline Hauptfrau, den Daumen im Gürtel der kurzen Hose. Könnten sie und die links Hinzutretende nicht verkleidete Männer sein? Der Maler selbst? Schlegel spielte gern androgyn mit den Merkmalen der Geschlechter. Das Bild zeigt, dass er in der Sphäre der „Neuen Sachlichkeit“, des „Magischen Realismus“ groß geworden ist Aber er liebte auch Vorbilder für seine Komposition in der Kunstgeschichte – wie Botticellis Bild „Primavera“ – „Der Frühling“, in dem sich acht Personen in den Vordergrund drängen. Schlegel lebte und arbeitete seit 1924 als Kunsterzieher im Landschulheim Schondorf am Ammersee, einem Hotspot nahe München, nachdem er in der Kasseler Akademie eine gründliche Ausbildung erhalten hatte. Kolleginnen, Lehrerinnen des Internats, mögen seine Modelle gewesen sein.

Er starb dort 1972 und hinterließ ein Oeuvre, das der Aachener Sammler Axel Hinrich Murken zusammengetragen hat und vom März bis August 2021 im Museum Haus Opherdicke in Holzwickede ausstellt. Das Bild der Models vom Ammersee ist leider nicht darunter. Der heitere, spöttische Ton, den es ausstrahlt, kehrt in den Bildern, die ihm folgen, nicht wieder. Die Frauen sind nicht mehr als Models aufgetreten.


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Peinture Vache

PEINTURE VACHE – MIT KUHSCHWÄNZEN MALEN

Es gibt nicht viele Künstler, die vor  50 Jahren wagten,  sich mit der „Kommunikationsguerilla“ in den Straßen, den anonymen Wandmalern, den Grafittisten, Sprühdosen-Anarchisten, Billboard-Artists, Cartoonisten, Stadteilkultur-Animatoren und Pflastermalern auseinander zu setzen – allen, die nicht auf Galerien und Museen, Kunst- und Museumsvereine zielen,  die ihr Publikum duzen und  nichts malen, was die Passanten nicht verstehen, und dort malen, wo ihre Arbeiten gesehen werden müssen.

Die „Akademiker“ verachteten sie und wehrten sich. „peinture vache“ heißt das, was René Magritte Im kulturellen Chaos der 40er Jahre des 20. Jahrhunderts in Brüssel malte: eine Serie von Bildern, schnell und roh gemalt, angereichert mit Zitaten aus zeitgenössischen comic-strips. Das Pariser Publikum war empört.Und gleichzeitig erfand Jean Dubuffet die „art brut“, in der Werke von Außenseitern, Visionären und Geisteskranken Platz fanden. Die New Yorker Kunstszene nannte solche Fluchten aus dem akademischen Canon später „bad painting“.  In der Düsseldorfer Akademie sympathisierten Milan Kunc und Jörg Immendorff mit der „Straße“. Immendorff hatte als Wappentier nicht eine Kuh, sondern einen Affen gewählt. Zur Befreiung Dänemarks von den Deutschen malte er ihn 1995 auf einen der Bunker an der Küste Jütlands.(siehe mein Foto) Man erinnert sich, dass Picasso und seine Freunde im „Lapin Agile“ ein Bild mit dem Schwanz eines lebendigen Esels malten. „peinture vache“ macht Spaß.

In den 70er Jahren überschwemmten die Roten Garden Chinas die Welt mit ihren Vervielfältigten Revolutionsbildern, und der Isländer Erro folgte ihnen und seinem Schwiegervater, einem asiatischen Plakatmaler, in seinen „Tableaux Chinois“ – kurzum: der akademische europäische Kunstcanon löste sich nicht nur an seinen Rändern auf, wo nach der Fotografie zahlreiche andere neue Medien eindrangen, sondern in seinem Mitte, wo die Vorstellungen klassischer Ölmalerei nicht nur durch Acryl und neue Bildträger, sondern auch ihre Orte (Bahnhöfe und Fabrikhallen) aufgelöst wurden.

Der berühmteste Maler heute ist zweifellos der Held der Kommunikationsguerilla, der Engländer Banksy, dem Wikipedia eine ausführliche Biografie widmet Er korrigiert das Künstlerselbstverständnis erheblich, indem er darauf verzichtet, sich in den Medien über sein Werk zu erheben, indem er in flagranti arbeitet, durch die Orte, die er besetzt, poliische Akzente geltend macht und seine Einkünfte für das internationales Gemeinwohl einsetzt. Kein Künstler hat wie er beweisen können, dass die Wertvorstellungen von Kunstwerken Ergebnisse simplistischer Manipulationen sind.

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m letzten Drittel des vorigen Jahrhunderts hat Joseph Beuys die europäische Kunstszene messianisch beherrscht. Lassen sich die beiden Epochen nach ihren kulturellen Leitfiguren   deuten? Hat die allgegenwärtge Botschaft, jeder Mensch sei ein Künstler, in Bristol Fuß  gefasst?

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