Beckeraachen

Kunstwechsel


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Bermuda-Dreieck

 

 

Kunst – ABC

Der Psychotherapeut als Sammler –

Reiner-Ruthenbeck-Aschehaufen-VI-1968-71-Installation-view-Hamburger-Kunsthalle-HamburgerHans Backes 2

1979 „Das Bermuda-Dreieck der Kunst“

Gruppengespräch mit den Künstlern Jochen Gerz, Barbara und Michael Leisgen, Reiner Ruthenbeck, Wolfgang Nestler, den Galeristen Agnes Wintersberger, Philomene Magers, Winfried Reckermann, dem Sammler Rainer Speck u.a.m.

Hans Backes hat in diesem Dokument einen persönlichen Bericht über das Gespräch verfasst, der in einer der Weißblauen Mappen der Neuen Galerie erhalten ist.

Der Handlungsraum zwischen Künstler, Galerist und Sammler ist ein kleiner Bezirk in der großen Heimat der Kunst. Gerz schrieb nach dem Gespräch, im Bermuda-Drei3eck sei die Unbefangenheit und der Mut versunken, die Kinder besitzen; der Psychotherapeut resumiert, er habe mühevoll das Einvernehmen zwischen den drei wichtigsten Akteuren der Kunst gesucht (und alle anderen, die Kuratoren und Kritiker, die Kunstvereine, Kunsthallen und Museen ausgelassen) und Zerrissenheit im Ghetto einer kleinen Gemeinschaft gefunden, die der Kunst die gesellschaftliche, politische Offenheit, die sie braucht, nicht gewährt. Dort ist die Kunst Bildungsgut wie der „Ulysses“ von James Joyce. Ja, der Sammler Speck bekannte sich zu seinem Jaguar, würde aber Spiegeleier essen, um sich den Ankauf eines Werkes von Beuys zu erlauben. Einmal folgt Backes der Vorstellung des Psychologen Heubach, Menschen suchten in der Kunst das, was sie in sich vermissen, und diskutiert einen Kultus (Museum als Kathedrale), in dem die Verehrung der Fresken von Giotto ebenso ihren Platz habe wie die einer Skulptur von Ruthenbeck. Er hat die Veranstaltung eine ANTI-VERNISSAGE genannt, in der sich die drei Beteiligten begegnen und ihre Interessen miteinander aushandeln. Es erscheint heute schwer, die Konzentration auf jene drei Agenten der Kunst zu verstehen, wenn man nicht den Kunstliebhaber Backes als Psychotherapeuten begreift, der sich, als er engagiert Kunstwerke zu erwerben begonnen hat, als Sammler in Frage zu stellen beginnt. Ist Sammeln eine Krankheit? Bin ich als Sammler in dieser Gruppe krank? Oder ist die Gruppe krank?

Abb. Reiner Ruthenbeck ASCHENHAUFEN  Installation Hamburg Kunsthalle 1968

 

 


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Kunst ABC

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nachdem die Stadt Aachen auf Initiative von Peter und Irene Ludwig 1970 die Neue
Galerie gegründet hat und 1971 der Verein der FREUNDE entstand, war auch die
Aachener Volkszeitung mit ihrem Kulturredakteur Wolfgang Richter bereit etwas zu
tun: „Es war nötig, das Aachener Publikum mit der Kunst der Moderne bekannt zu
machen“. In vier Jahren publizierte die Zeitung jede Woche einen Artikel des
Leiters der Neuen Galerie, Wolfgang Becker, mit der Abbildung eines Kunstwerks –
knapp 200 Texte, die in der Zusammenschau nichts weniger als ein Kompendium zur
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würden sich freuen, wenn dieser ungewöhnliche, einmalige Beitrag jetzt als kleine
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Köln, mit dem das Ludwig Forum häufig zusammengearbeitet hat, nahm die
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Der Afrikaner 2

  1. Kalndergeschichte

Der Afrikaner 2

 

Auch die junge Elfenbeinküste hatte nach der Befreiung von der französischen Herrschaft einen philosophisch gebildeten Staatspräsidenten, Felix Houphouet-Boigny, der zu den Bewunderern von Frédéric Bruly-Bouabré gehörte – einem der wenigen Künstler Afrikas, die so bekannt wurden, dass sogar eine Swatch-Uhr nach seinem Design auf dem Markt ist. Er lebte bescheiden als Kontorist in Abidjan und führte seine immense enzyklopädische Arbeit auf eine Erleuchtung zurück, in der ihm sieben Sonnen um eine Muttersonne erschienen sind. Er war 25 Jahre alt und nannte sich nun Cheik Nadro „Der nicht vergißt“. Sein Vater war Priester einer Naturreligion, und der Sohn wählte für seine spirituellen Botschaften das moderne Medium des Büros: Karteien: er zeichnete mit Kugelschreibern und Farbstiften auf Blättern 9,5 x 15 cm  – unermüdlich und stellte sie in großen Zyklen zusammen: „Kenntnis der Welt“, „Museum afrikanischer Gesichter“, „Kosmogonie antiker afrikanischer Kunst“. Alle Blätter zeigen Piktogramme, die in ihren Rahmen französisch kommentiert sind.   Er setzte Porträts von Belmondo, Michelangelo und Hannibal, Dante und Stalin in eine Reihe von Berühmtheiten, illustrierte die Vielfalt von geschnittenen Narben in afrikanischen Gesichtern, schaffte Bildkürzel ebenso für die „Vision eines pharaonischen Schlafs aus dem antiken Ägypten“ wie für „die hohe Diplomatie der Republik Südafrika“ oder „Une curieuse bille figurant l´esprit de la terre suspendue dans l´espace!“

Er sah sich berufen, zu einem Zeitpunkt, in dem das Medium TV und seine Bildsprache in Europa – so meinte er – zum Verlust seiner Schriftsprache führte, dem afrikanischen Kontinent eine erste Schriftsprache zu schenken, und entwickelte ein Alphabet von 448 Kürzeln, die Silben seiner Muttersprache BETE entsprechen.

Die europäische Kunstwelt liebte den Außenseiter, Exzentriker, der in seiner Klause in Abidjan die Welt in Zeit und Raum mit Menschen, Göttern und Tieren aus Afrika neu bevölkerte und dessen kleine, konzeptuelle Entwürfe sich in großen Tableaux präsentieren ließen wie die Sammlungen von Aby Warburg. Seit seiner Entdeckung sind Hunderte seiner Blätter durch alle großen Ausstellungen der westlichen Welt gewandert, und afrikanische Kuratoren, die in Europa arbeiteten wie Okwui Enwezor haben zu ihrem Ruhm beigetragen.

2014 ist er hoch geehrt gestorben – ein widersprüchliches Te3mperanent: barock in seinen weltumspannenden Fantasien, kindlich karg und mönchisch bescheiden in den Ansprüchen  an die Darstellung seiner Visionen, besessen fleißig und missionarisch eitel. Sein Publikum war frankophon und applaudierte aus der ganzen Welt. Ob sein Alphabet in den Schulen der BETE gelehrt wird?

Abb. “Mon esprit de penseur et de chercheur arrive ici à sa perfection: découvre les “!végétaux” en multi-sexuel”(Mein Geist als Denker und Forscher kommt hier zu seiner Vollendung: er entdeckt die Pflanzen als vielgeschlechtlich) – “Un personnage géant concu en „cités“ peuplées touche le „ciel“ de sa tête“ (Eine riesige Person entworfen als bewohnte Stadt berührt den Himmel seines Kopfes)

 

 

 

 

 

 


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Der Afrikaner 1

  1. Kalendergeschichte

Der Afrikaner 1

Twins Seven Seven war ein Afrikaner, der sich nicht scheute, in langen bunten Tüchern gekleidet hierzulande aufzutreten, sich, die Malerschule von Oshogbo, die er gegründet hat, und sein Heimatland Nigeria zu rühmen. Er war ein „ibedjimeje meje“, der letzte Überlebende von sieben Zwillingspaaren, die seine Mutter geboren hatte. Zwillinge wurden in Nigeria so häufig geboren und an die Gestorbenen wurde so häufig erinnert, dass kleine hölzerne Skulpturenpaare zu Sammelobjekten auf dem Kunstmarkt wurden. Die Sendboten von Misereor in Afrika zeigten gern ihren Bestand in der Aachener Zentrale. Dorthin führte mich in den 80er Jahren Hanni Jantzen, die in ihrer Galerie Pumpe 2 in Eschweiler zuweilen afrikanische Künstler ausstellte, so auch Twins Seven Seven.

In jenen Jahren blickten die Europäer neugierig über das Mittelmeer und sahen zu, wie dort Kunst- und Handelszentren, Schulen, Theater und Kulturclubs entstanden. Uli Beier hatte in Bayreuth ein Informationszentrum afrikanischer Kultur, das IWALEWA-Haus am Rand der Universität gegründet, seine Frau Georgina gab Malkurse in Oshogbo, die der Tänzer Taiwo Olamiyi besuchte, der sich Twins Seven Seven nannte. Das Centre Pompidou eröffnete 1989 die aufsehenerregende Ausstellung „Les Magiciens de la Terre“.

Der Hamburger Sammler Günther Peus hatte schon lange Werke afrikanischer Kunst erworben – Skulpturen der Shona und Makonde, Gemälde der „Schildermaler“, „Quadratmaler „Akademiker“ und – Twins Seven Seven.

Wir lasen damals die afrikanischen Novellen des Nigerianers Amos Tutuola und sahen die großen „Tätowierten Ungeheuer“, Obutala-Priester, kopulierenden Tiere im „Bush of Ghosts“ von Twins Seven Seven mit seinen Augen – und lachten über die böse Darstellung der Politiker, die ihr Land ausplündern. Er liebte es, die Formate eng zu füllen, auf Räume zu verzichten und Linien zu Dekors schweifen zu lassen. Die Stücke wirken auf große Distanz wie Wandbilder um öffentlichen Raum. Noch gibt es in Afrika wenige Museen, für die sie gemacht wären. Diese Gattung der an ein großes Publikum gerichteten, leicht verständlichen Bild- und Textbotschaften ist bis in die Gegenwart fortgeführt worden und hat den Kongolesen Cheri Samba berühmt gemacht.

2011 ist Twins Seven Seven gestorben, und seine Bibliografie zeigt, dass ihm zwar die UNESCO den Ehrentitel eines artist of peace verliehen hat, aber nach jenen Höhepunkten um 1990 wenige Publikationen an ihn erinnern.

Abb. „Tatooed beast“ 1986 Tinte + Farbkreide auf 2 Lagen ausgesägten Sperrholzes 68×69 cm – „The politicians that fly away with our money” 1983 Feder, Ölkreide + Dekofarbe auf Lwd. 130 x 93 cm

 


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Liebe zu Afrika

  1. Kalendergeschichte

Liebe zu Afrika

Viele haben Afrika besucht, Künstler wie Heinz Mack, Michael Buthe, Rudolf Schoofs und Nancy Graves haben dort gearbeitet und Freunde gefunden. Es wäre der Tochter des Aachener Künstlers Günther Knipp nicht gelungen, mich nach Kamerun zu locken (sie arbeitet in Douala als Modefotografin), viel lieber hätte ich den Dichter und Maler Frédéric Bruly Bouabré in Abidjan besucht. Aber in der neugotischen ehemals deutschen Kirche von Kribi an der Weihnachtsmesse teilzunehmen, „Stille Nacht, heilige Nacht“ als Oratorium einer inspirierten Gemeinde zu hören, die mit Rasseln und Küchengerät den Takt schlug, das war die Reise wert.

Im Flugzeug hatte mich eine ältere Dame, die zwei Plätze beanspruchte, gebeten, sie zu einem Wunderheiler zu begleiten, einem Pygmäen im Campo Ma´am, in dessen Regenwald-Hospital sie Heilung von ihrer Adipositas erwartete.    Die Stämme der Ba´Kam Pygmäen haben lange ungestört in den Regenwäldern naturnah gelebt und sind heute so sehr touristisch erschlossen, dass ihr Ruhm bis nach Aachen gedrungen ist. Tatsächlich besichtigten wir nach einer langen Wanderung eine Anlage von mehreren Hütten unter hohen dichten Bäumen, die von Kranken besetzt waren, einem offenen Herd, auf dem aus Rindenhexel und Kräutern Tinkturen gegen Husten, Fieber, Durchfall, aber auch Gifte für Pfeile und Blasrohre gekocht wurden. Wir begegneten dem kleinen (145 cm) Doktor mit Ehrfurcht: vor uns trat ein Vertreter der ältesten Menschen der Erde, ein „Zwerg des Gottestanzes“; so nennen ihn ägyptische Pyramidentexte. Zurückhaltend ließ er sich das Anliegen der Dame erklären, umkreiste sie, die ihn weit überragte und wie ein weißer Kreidefels vor ihm stand, mehrere Male, griff in einen Lederbeutel an seinem Gürtel und reichte ihr einen im Dämmerlicht weiss leuchtenden Zettel – die Visitenkarte eines Facharztes in Douala. Er hätte Angst, sie aufzunehmen und mit seinen Medizinen zu behandeln. Nein, fotografieren durften wir ihn nicht. In diesen Minuten trat die Distanz zwischen den beiden als räumliche, als Ferne zwischen zwei Kulturen, zwei Kontinenten hinter einer Distanz in der Zeit, als Ferne zwischen Jahrhunderten zurück. Nie wieder bin ich der Vergangenheit so leibhaftig begegnet – und wusste, dass nicht der Pygmäe und sein Krankenhaus, sondern die dicke Frau und ich der Zukunft ins Auge sehen würden. Bruly Bouabré habe ich später kennengelernt.

Abb. Kribi, Kamerun, die Kirche, erbaut um 1900 – Albinos auf dem Weg zum Urwalddoktor, geachtete Sonderlinge hier – meine FotosMy beautiful pictureMy beautiful picture


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Schwarze Helden

  1. Kalendergeschichte

SCHWARZE HELDEN

Seit Leopold II, Carl Hagenbeck und alle Sklavenhändler der damnatio memoriae unterliegen und zunehmend US-Bürger ihre afro-amerikanische Identität verteidigen, seit meiner Jugend habe ich schwarze Helden geliebt. Wenn ich im neuen Theaterstück von Wolfgang Vincke STADT.FINDEN lese:

„ VIER, vorschieben der unterkiefer, go!, halbdistanz, offensive, defensive, kontern, treiben, haken, kalt, cut, uppercut, blocken, auspendeln, kopf gegen brust, mundschutz raus rein, break, jab, sidestep, punch, cross, hart, gerade, linke, rechte, linke, rechte, ausruhen, linke, rechte, linke, rechte, ausruhen, finten, pendeln, abducken, zuschlagen…….“,

ys

sehe ich Joe Louis und Max Schmeling (und Roosevelt und Hitler) und Muhammad Ali und den „Rumble in the Jungle“ von Kinshasa – und denke an den verhassten deutschen Schäferhund George Foremans, Ali Muhammads Verweigerung des Militärdienstes in Vietnam und Einsatz in der Bürgerrechtsbewegung. Repliken tauchen in Hollywood-Filmen, auf, leise erinnern so gegensätzliche Figuren wie Martin Luther King und Barack Obama an sie. Aber es folgt ihnen niemand nach, solche Boxkämpfe, die über sich hinausweisen, haben nicht mehr stattgefunden.

Dabei entwickelt der Boxkampf mit den Regeln, die ihn zu einem Ritual machen, das energischste, aggressivste Bild eines Duells zwischen zwei ebenbürtigen Personen, die in schnellst möglichen Aktionen und Reaktionen handeln (anders als Ringkämpfer oder Sumo-Gegner) und die geringsten Schutzhilfen nutzen (anders als Schwertkämpfer und Fechtende). Ihr Ritual führt die Zuschauer in eine Ära der Freiheit zurück, die vor den Verbindlichkeiten der Gesellschaften, ihren Gesetzen, der Nächstenliebe, der Solidarität liegt; und in den dunklen Hallen der Tausenden erstrahlt das Licht des Alphatiers im Ring, das sich, alle geistigen und körperlichen Kräfte nutzend, aus der letzten Bindung, der Gegnerschaft  zu befreien versucht.

In meiner weißen Haut, in der großen Empfindlichkeit, in der ich geboren und aufgezogen wurde, erschien ich mir hinter diesen Helden klein. Sie mussten groß, ungebärdig und – schwarz sein, stark wie schwarzer Kaffee aus Äthiopien.

In der Materialsammlung “Black Paris. Kunst und Geschichte einer schwarzen Diaspora“ habe ich unter dem Titel „Kunst der Provokation und Provokation als Kunst“ die „Götter des schwarzen Stadions“, den Bantam-Weltmeister Al Brown kennengelernt, der in den 30er Jahren von sich reden machte. Ich verstehe heute, dass sich auch Muhammad Ali einem Klischee einfügte, das für Afrika stand: Rumble in the Jungle. Heute hat das Klischee des unbesiegbaren schwarzen Kämpfers sein Gewicht verloren wie das des Crazy Horse, des Samurai Oda Nobunaga, des Wikingers Erik, des Griechen Odysseus, des Sklaven Spartakus. Der Boxkampf ist in einen Bürgerkrieg degeneriert. Die Tausende, die im Takt der Faustschläge laut atmeten, drängen nun in lautstarken Demonstrationen durch die Straßen großer Städte: Black Lives Matter. Und Tausende sterben in einer weltumspannenden Seuche. Die literarische Gattung der GROSSEN ERZÄHLUNG wird nicht mehr die der großer Helden sein wie die Odyssee oder die des Don Quichotte, sondern die von SCHWÄRMEN – wie die von tausenden Fischen im Wasser oder Staren in der Luft, die im September über Europas Städten tanzen, bevor sie den Flüchtlingen aus Afrika entgegen reisen.

Foto dpa Istvan Bajzat

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Ali vor dpa Istvan Bajzat


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Schwarze Frauen – Mildred Thompson

SCHWARZE FRAUEN – MILDRED THOMPSON

Viele, die sich heute zu Schwarzen äußern, sind den Umgang mit ihnen nicht gewöhnt, wissen nichts über sie, sind berührungsängstlich (meine Eltern!) und zwingen mich, an Schwarze zu denken, die ich kennen gelernt habe. Im New Yorker Atelier von Nancy Graves brachte mich 1969 eine junge, attraktive schwarze Kunstkritikerin kokett in Verlegenheit: ob ich denn in meiner neu gegründeten Neuen Galerie auch schwarze Künstler ausstellen würde. Ich kannte keine.  Nancy Graves und ihre Freunde kannten keine. Die Harlem Renaissance war längst vorbei.

Als ich meine Arbeit in Aachen 1969 begann, besuchte ich den Zeichner und Lithografen Walter Dohmen in Langewehe, und er riet mir, Mildred Thompson kennenzulernen, die am Hang des Hürtgenwaldes in einem Landhaus wohnte. Sie gehörte zu den afro-amerikanischen Künstlern, „Exilamerikanern“, die, aussichtslos in der weißen Gesellschaft der USA um 1960, ihre Anerkennung in Europa suchten, und fand 1965 bei den Ursulinen in Düren eine Stellung als Kunstlehrerin.  Sie hatte schon 1958 bis 1961 bei Wunderlich, Schumacher und Janssen an der Hamburger Kunsthochschule studiert und zeigte mir Arbeiten aus alten Hölzern, die sie in ihrem Haus gefunden hatte. Für die Dorfkirche von Kleinhau hatte sie zwei Glasfenster mit Blumenmotiven in Arbeit. Diese „woodworks“, rechtwinklige, abstrakte, geometrische Assemblagen, die sie auf Platten nagelte, gibt es noch heute in ihrem Nachlass. Sie hatte vorher Grafiken geschaffen, die an ihre Hamburger Lehrer erinnerten, und jetzt, vor einer frei stehenden Holzskulptur, die an ein historisches Monument denken lässt, sprachen wir über die Stahlkonstruktionen ihres Nachbarn hier in Langerwehe, Jupp Ernst, pensionierter Direktor der Werkkunstschule in Kassel,  Mitbegründer der documenta, berühmt durch seine Arbeit für die Kaffeefirma Melitta. Ihn und seine Frau Renate Biermann habe ich ab und zu in ihrem Atelier besucht Mildred zeigte ihre Arbeiten in diesen 10 Jahren in Aachen (ich richtete ihr eine kleine Ausstellung im Atrium am Elisenbrunnen), Köln und Bensberg. Sie sei in diesen Jahren in Europa weder Frau noch Schwarze gewesen, sondern Vertreterin einer unpolitischen art pour l´art, warfen ihr nach ihrer Rückkehr 1975 amerikanische Kritiker vor. Sie verteidigte sich in einem Essay 1987: „Perhaps we, black Americans, might be able to identify with parts of African cultures. To copy symbols that one does not understand, was for me the height of prostitution.  It was perhaps because I had lived and studied with „whitey“ that I had learned to appreciate my Blackness. There are recordings in our genes that remember Africa. If they are strong enough and we are free of false denials, they will surface and appear without deliberation no matter what we do.“ Das Pathos der starken Worte verrät ein politisches Klima, in dem Frauen und Schwarze die Freiheit ihrer Kunst hinterfragen müssen. Der Rückblick auf ihr Oeuvre wird das Selbstverständnis dieser Künstlerin ebenso differenzieren wie die Einflüsse und Anregungen, die sie in ihren Arbeiten aufgenommen hat. 1975 kehrte Mildred Thompson in die USA zurück. Sie starb 2003 in Atlanta/Georgia. 2017 widmete ihr die 10. Berlin Biennale eine Ausstellung.

Wood Picture, c. 1972, Found wood and acrylic paint, New Orleans Museum of Art,

 

 

 

Thompson 1973 Woodwork


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Cafe zum Mohren in Aachen

DAS CAFE ZUM MOHREN

Wer Frau Vallot in AACHEN NEWS folgt, beginnt sich vor den Mohren zu fürchten. Die alten Griechen meinten einen stumpfen, törichten Menschen (?), ihre Oma meinte Neger und sprach von Affengesichtern und Nicknegern, die großen Dichter der Vergangenheit (?) meinten den Teufel.

Die „Mohren“, „Mauren“ waren in der Zeit der spanischen Reconquista gefürchtete dunkelhäutige nordafrikanische Sarazenen. Sie erfanden den Moriskentanz, den der Münchener Bildhauer Erasmus Grasser in großartigen Skulpturen verewigt hat.

Othello ist der berühmte „Mohr von Venedig“, „Moore of Venice“. Und „El Moro“ bezeichnet nicht nur Othello, sondern einen unbekannten Helden der Gastronomie. Ich empfehle daher, das Aachener Café EL MORO zu nennen. Restaurants dieses Namens gibt es nicht nur in Münster und Neustadt, der berühmteste Western-Saloon in Durango/ Colorado hat sogar eine comic-Serie inspiriert.  Wer immer dieser MORO ist, dessen gastronomischer Ruhm viele Menschen anzieht, er taucht seit dem Mittelalter als Kreuzritter und General in Europa auf (des Dichters Alexander Puschkins Urgroßvater, ein afrikanischer Sklave, der als Patenkind des Zaren Peter des Großen Generalmajor und Gouverneur von Estland wurde). hat vielen Orten seinen Namen gegeben und ist ein Held afro-amerikanischer Küche geworden. (In Havanna aß ich in einem Restaurant „Moros y cristianos“ – schwarze Bohnen und weißen Reis).

Der Aachener Mohr verweist nicht auf El Moro, erinnert eher an den heiteren buntgekleideten schwarzen Kellner, der in Plakaten und Schautafeln, karikatural überhöht, (zugegeben: mit Glubschaugen und dicken Lippen) tanzend erschien, als afrikanischer Kaffee und Kakao und Gebäcke, die daraus entstanden, populär wurden (bis zum 2. Weltkrieg bestimmten italienische Firmen wesentlich die Werbung und den Vertrieb aus Eritrea, Somali und Äthiopien). Es gibt ihn schon lange nicht mehr.

 

Mich erinnert das Café zum Mohren patriotisch an die Stadt der Schokolade, in der der Apothekersohn Leonard Monheim, beraten von seinem italienischen Schwager Caspar Grani, 1857 die Produktion von Schokolade unter dem Namen TRUMPF begann. Das ist eine Museumsgeschichte wert: die erste handgegossene Tafel, die erste Schneidemaschine, Gewürzmühlerei und Zuckerschneiderei, Impfkristallisation, Kaltstempelei. Heute scheint vergessen, dass Schokolade aus Apotheken kommt und in Aachen neben den Heißen Quellen ein zweites begehrtes Heilmittel anbot. Ebenso scheint vergessen, dass es Peter Ludwig, der die Urenkelin Leonard Monheims, Irene, heiratete, mit ihr nicht nur gelang, eine weltberühmte Kunstsammlung öffentlichen Häusern zu stiften, sondern in seinen Lebzeiten die Firma zu einem der größten Schokolanden- und Kakaohersteller Deutschlands und der Welt aufzubauen.

Angesichts des europäischen Konsums von Schokolade- und Kakaoartikeln, angesichts der Fülle von Figurationen, die die Industrie produziert – Hasen, Gänse, Küken, Maikäfer, Clowns, Hochzeitspaare, Motorräder – , scheint es exzentrisch, den Mohren, der dem Aachener Café den Namen gegeben hat, auf eine Symbolfigur des Kolonialismus zu teleportieren, anstatt jenen Aufmerksamkeit zu schenken, die die Folgen des Kolonialismus heute noch erleiden.

Peter Ludwig war der Meinung, dass eine Filiale der Aachener Schokoladenfabrik in Afrika aus Klimagründen nicht möglich wäre. Er hatte Unrecht: Die Fairafric Campaign unterstützt 1.600 Kakao-Farmer in Ghana und bietet ihre Schokoladen in einem bunten Sortiment an. Das Cafe zum Mohren sollte ihr Kunde werden.

 

Moriske jpg


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Timm Ulrichs in Aachen 1970

1970 – 1990 20 Jahre Neue Galerie im Alten Kurhaus

Zum 80. Von Timm Ulrichs

50 ° 46´ 42´´ nördlicher Breite, 6° 5´ 24´´ östlicher Länge

Vom Null-Meridian 429,40 km entfernt

165 m über dem Meer

Vom Erdmittelpunkt 6371 km entfernt

Bewegt in Erdrotationsgeschwindigkeit von 1056,60 km/std.

Damals, als Timm Ulrichs 1969 in das Alte Kurhaus kam, begannen einige Künstler wie Konrad Klapheck und Gerhard Richter ihre Bilder auszupacken und Plätze für sie zu suchen. Ulrichs half ihnen, die Wände zu vermessen. Er zeigte die Härtetests des Betons in der Baustelle, kennzeichnete die Himmelsrichtungen, plakatierte die trigonometrischen Daten und leitete einen Steinmetz an, die Längen- und Breitengrade des Hauses in den Marmorboden des Vestibüls zu schlagen.  Die Frage, warum die Kronleuchter im Ballsaal sich bei dieser enormen Drehgeschwindigkeit nicht bewegten, beantwortete er geduldig.

Die Erdachse hat nicht aufgehört, ihn zu interessieren (vor dem Magdeburger Hauptbahnhof) ebenso wie der Mittelpunkt der Erde (eine Pyramide zu ihm in Bergkamen). Die Nutzung der Messdaten des Universums sicherte ihm seinen eigenen Standort, seine Existenz und mehr noch die Existenz des Künstlers zwischen Null und unendlich.

Wir trafen uns in dieser Baustelle als Hannoveraner und wussten wenig über die Kurstadt, den Ballsaal, die Schokoladenfabrik und die Kunstsammlung, die hier ausgebreitet werden sollte. Wir verfolgten aus den Fenstern, wie die täglich eintreffenden Bildertransporte die Komphausbadstrasse blockierten. Ein Leierkastenmann spielte aus Spaß für die Besucher der Kunstbaustelle. Etliche kannten Timm Ulrichs, und andere hatte er aus Braunschweig mitgebracht, um ihm zu helfen. Später bediente Christiane Möbus (noch eine Hannoveranerin) eine dieser neuartigen Xerox-Kopier-Maschinen, die ich für sie ausgeliehen hatte. Jeder durfte Wangen oder Hände auf die Platte legen und die Fotokopie signiert nach Hause mitnehmen. (Ihre Arbeit habe ich immer wieder ausgestellt).

Ulrichs missachtete den Kunstmarkt, produzierte keine wertvolle „Ware“, sondern Drucksachen, Flugblätter, Postkarten, „Totalkunst“, in der der Künstler als eine herausgehobene, schillernde Persönlichkeit, ein Denkmal der Kreativität (18.360 cm² Körperoberfläche, Schädelabguss in Beton für ein „Kopfsteinpflaster“, Grabstein für die Kasseler Nekropole vorgefertigt) gefeiert wird, das sich erlauben kann, seine Welt am Himmel zu signieren.

In der Komphausbadstraße trugen er und sein Ruhm dazu bei, den Standort des transformierten Kurhauses im globalen Netzwerk der Kunst zu bestimmen, einen neuen trigonometrischen Punkt jenem Obelisken Napoleons auf dem Lousberg hinzuzufügen. Er hat 20 Jahre nicht überdauert. Aber Timm Ulrichs Standortbestimmung im Marmorboden des Vestibüls gemeißelt ist erhalten.


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Der Verlust des Unikats

Kunst ABC

Der Verlust des Unikats

Wer in diesen Tagen vor der Seuche in seine Eremitage flüchtet, kann mit seinen Tast-, Zeichen- ,Schreib- und Malmaschinen dort ein Bild herstellen, das seinen 190 x 250 cm großen Schirm ausfüllt, und VPN dem Direktor der Nationalgalerie in Canberra (in Quarantäne) schicken, der das Bild in der gleichen Größe in seinem Museum an einem freien Platz (mit einer virtuellen Brille) aufhängt. Er zeigt es seinen Besuchern während einem Rundgang durch das Haus (am Bildschirm daheim).

Teure Flugtransporte, Reisen von Konservatoren und Restauratoren werden ebenso überflüssig wie körperliche Gruppenverhandlungen von Politikern und Geschäftsleuten. Ein Ingenieur erklärte mir, wie er vom home office in Deutschland mit Hilfe eines Handwerkers in Malaysia eine Maschine in einer Fabrik konstruieren kann. (Moholy-Nagy hat um 1930 per Telefon Angaben zu einem Gemälde gemacht).

In der Bildenden Kunst geht nun langsam auch eine Verkümmerung der menschlichen Sinnesorgane voran. Tasten, riechen, schmecken entfallen, die Leistungen von Fingern, Nase, Mund werden durch Beschreibungen, Nummerierungen, Standardisierungen ersetzt (Erdbeerrot ist so rot wie eine Gewächshauserdbeere unter künstlicher Beleuchtung, die so aussehen soll wie eine Naturerdbeere, an die ich mich erinnere). Berühren von Bildern und Skulpturen ist verboten. Der Museumsbesuch wird eingeschränkt werden. Eine dicke schußsichere Glasscheibe schützt die Mona Lisa. Künstler, die auf ihre Werke mit Abbildern in Dateien aufmerksam machen, vergessen immer mehr, die Größe, den Grund, die Farbmaterie, die Pinselart und -größe anzugeben (Pferdehaarpinsel von 10 cm Breite sagen viel aus über eine Zeichnung von 80 x 120 cm auf Clairefontaine Papier). Nur hier, in meiner Eremitage, hängen Bilder, die ich betasten, drehen, umhängen, ins Licht halten, in der Grafiktruhe umsortieren kann, und ich denke an die japanischen Freunde, die vor mir ihre Bilder aus der feinen Schatulle geholt und vorsichtig aufgerollt haben.

Kurzum: die demokratische Forderung, dass Kunst für alle da sein müsse, reduziert sich auf die Bilder, die vervielfältigt werden können. Die anderen, die Originale, Unikate, kehren in die Wohnungen zurück, und wären sie die ihrer Besitzer, ihrer Kinder, Verwandten und Freunde oder der Künstler, die in der Nachbarschaft von ihrer aufmerksamen Unterstützung leben.

Abb. Michel Huysman, Bildhauer und Architekt in Heerlen /NL Automat „Angebot und Zurückweisung“ (Bewegung auf Knopfdruck) 40x30x10cm 1980 in meiner Wohnung

 

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