Beckeraachen

Kunstwechsel


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Kunstpreis Aachen obdachlos

K U N S T P R E I S   A A C H E N   O B D A C H L O S

1971 gründete sich mit Unterstützung des Kulturdezernenten Fries der VEREIN DER FREUNDE DER NEUEN GALERIE. Ihr Vorstand, angeführt von dem Rektor der RWTH Schwerte und etlichen Professoren stellte sich, einem Schutzschild gleich, vor ein großes Bild  des Künstlers Wolf Vostell im Ballsaal des Alten Kurhauses, das wagte, einen lesbischen Liebesakt neben einem Foto der russischen Panzer in Prag 1968 zu zeigen.

Der Verein hat seitdem die Arbeit der Neuen Galerie mitgetragen, hat die Kindergalerie gegründet und betreut, hat Veranstaltungen und Ankäufe von Filmen und Videobändern finanziert, hat dem Leiter ein Handgeld garantiert, das ihm gestattete, Sonderausgaben zu finanzieren, hat Besichtigungen, Führungen, Reisen organisiert – und einen Kunstpreis gestiftet, der geholfen hat, Aachen auf die Landkarte der international beachteten Kunststädte zu setzen. Die Stadt und die Aachener Wirtschaft haben diesen Preis mitgetragen, aber dem Verein gern die Federführung überlassen.

Alle Dezernenten haben seitdem den Schutz und die Hilfe des Vereins für das junge, experimentelle Institut geschätzt, und in den Jahren des Übergangs von der Neuen Galerie zum Ludwig Forum hat die jüngst verstorbene Hildegard Reitz die Geschicke des Hauses, die Verhandlungen zwischen der Stadt, dem Sammlerehepaar Ludwig, dem Verein und seinen konkurrierenden Sammlern mit geschickter Hand geleitet. Und nun?

Niemand hätte daran gedacht, die Preisträger Luciano Fabro, Christian Boltanski oder Igor Kabakov nach ihrer politischen Ausrichtung zu fragen. Der Oberbürgermeister heute wundert sich, von Walid Raad, dem libanesischen Kunstpreisträger dieses Jahres, eine verwirrende Antwort auf diese Frage zu erhalten. Und er zieht darauf, bewaffnet mit einem Verdacht, die Beteiligung der Stadt an dem Kunstpreis zurück. Der Verein wird den Kunstpreis, dennoch vergeben. Er belohnt nicht eine politische Haltung, sondern ein künstlerisches Oeuvre. Der Termin steht bevor.

Und nun? Die Stadt verweigert dem Verein die Vergabe des Kunstpreises in dem städtischen Gebäude Ludwig Forum! Er bietet es dem Verein, der seit einem halben Jahrhundert die städtische Institution unterstützt, nicht einmal gegen eine Mietzahlung an, er zwingt ihn, den Preis in einem nicht städtischen Gebäude zu vergeben. Der Norweger Johan Holten, Direktor der Mannheimer Kunsthalle, Wortführer der Jury des Kunstpreises, wird seine Preisrede dort halten. Die Kulturdezernentin hüllt sich in Schweigen. Die Kulturstadt Aachen schläft im Bewusstsein, der Politik gedient zu haben. Mir stehen die Haare zu Berge.

 

 

Walid-Raad-SITU-Studio-Those-that-are-near.-Those-that-are-far-Stommeln2016-Foto-Werner-J.-Hannappel-2


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Geschenkt – Gesammelt

G E S C H E N K T – G E S A M M E L T

Die Ausstellung im Stadtbad Aachen mit den Fotoarbeiten Aachener Künstler werden wir am 13. Oktober beenden. Die Beteiligten freuen sich, dass die Werke noch einmal auf sie aufmerksam machen. K ü n s t l e r   s o l l t e n   s i c h   d a r a n   g e w ö h n e n, i h r e   W e r k e   z u   v e r s c h e n k e n .

Auktionshäuser, Kunstmärkte und Galerien haben den Selbstzweck von Kunstwerken, Geld wert zu sein, in inflationäre Höhen getrieben, in denen  mit Millionen gerechnet wird – ein Spekulationsspiel, das in Zoll-Lagern stattfindet und an die erstaunlichen Eigenarten des Reliquienhandels im Mittelalter erinnert. Das, was ihre Protagonisten Kunst nennen, entfernt sich zunehmend von dem wachsenden Feld einer anderen Kunst, deren Geldwert

peripherisch gegenüber ihrem Wert als Geschenk, als Tauschobjekt, als Ereignis, als Erinnerung, als Einladung zur Teilnahme ist. Diese Kunst ist nicht notwendigerweise ein Handelsobjekt wie das eines Schuhmachers, sondern Teil einer Industriegesellschaft, in der die Unterscheidung zwischen Originalen, Repliken, Abzügen, Kopien, Auflagen, Drucken und 3D-Drucken unscharf geworden ist. (Unter den Fotos, die mir geschenkt worden sind, sind Abzüge von Negativen, die unauffindbar geworden sind, ebenso wie Pressefotos und Drucke).

Es ist mir nicht gelungen, eine Ausstellung in Aachen zu organisieren, die Christian Boltanski 1995 in London und 2015 in Paris realisiert hat: T A K E   M E ( I´M   Y O U R S ): ein Ausstellungsmodell, das nicht umsonst in der Pariser Münze stattfand, weil es den Tausch und das Teilen in seinen Mittelpunkt stellte. Es war mit einer Google app verbunden und erlaubte Besuchern, die Ausstellung zu verändern, Gegenstände auszutauschen, mitzunehmen, durch andere zu ersetzen. Etliche der 30 beteiligten Künstler blieben während der Ausstellung anwesend, ergänzten ihre Angebote. Ein Schriftsteller meldete jeden Tag die Veränderungen in Instagram. Das Modell sollte fortgeführt werden.

Wie viele Künstler häufen Werke in der Hoffnung an, sie eines Tages veräußern zu können, fürchten um ihre Existenz nach ihrem Ableben, sind aber zu geizig, ihr Lebenswerk in einem gut ausgestatteten Oeuvre-Katalog zusammenzufassen und Objekte ihren Freunden und Museen als Geschenke anzubieten? Das System der Verteilung von Kunstwerken zwischen Autor, Galerie, Sammler, Museum ist erstarrt und angesichts der zunehmenden Zahl von Künstlern und ihren Angeboten hilflos überfordert. KÜNSTLER MÜSSEN SICH DARAN GEWÖHNEN, IHRE WERKE ZU VERSCHENKEN:

 

 

Paris


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Kunstpreis Aachen ?

Zu der Meldung, dass die Stadt Aachen sich aus der Vergabe des Aachener Kunstpreises an Walid Raad zurückzieht:

 

Heute, am 1. Oktober, heißt der Leitartikel der israelischen Zeitung Haaretz

GERMANY SHAME ON YOU AND YOUE ANTI-BDS RESOLUTION

Germany has just criminalized justice. A blend of warranted guilt feelings, orchestrated and taken to sickening extremes by cynical and manipulative Israeli extortion, caused the federal parliament on Friday to pass one of the most outrageous and bizarre resolutions since the end of World War II. The Bundestag has defined the boycott, divestment and sanctions movement against Israel as anti-Semitic. Benjamin Netanyahu and Gilad Erdan rejoiced. Germany ought to be ashamed.

 

DIE FREIHEUT DER KUNST – DER KUNSTPREIS – WALID RAAD

Ein Kunstpreis kann sich mit Fug und Recht auf die Freiheit der Kunst berufen. Der Oberbürgermeister der Stadt Aachen hat 1970 den Künstler Wolf Vostell nicht aufgefordert, seine Mitgliedschaft in der Kommunistischen Partei zu bekennen, da doch sein großes Bild in der Neuen Galerie den Einzug der russischen Panzer in Prag 1968 zeigte. Der Oberbürgermeister der Stadt Aachen bringt es fertig, den libanesischen Künstler Walid Raad zu fragen, ob er Mitglied im BDS ist – genau vor dem Tag, an dem der Bundestag eine Resolution gegen den BDS beschließt. Bravo! Er wundert sich, eine Antwort zu erhalten, die er „mokant und süffisant“ nennt. Wie anders kann sich ein Künstler, der als Künstler und nicht als Politiker geehrt werden soll, antworten? Ein Künstler, der zuvor von der Gemeinde Stommeln eingeladen worden ist, eine allseits beachtete Installation in der dortigen Synagoge zu schaffen und der jenseits der kleinmütigen politischen Spekulationen arbeitet, die das große Publikum der aufgeklärten Welt mit einer zunehmenden Zahl von Demonstrationen bekämpft.

Walid Raad folgt als Kunstpreisträger einer Reihe namhafter Künstler. Er lebt in New York und Beirut und arbeitet unter dem Namen der mittlerweile weltbekannten „Atlas Group“, deren Online-Archiv eine Fülle von Foto- und Textmaterialien zu kriegerischen Auseinandersetzungen und Vernichtungen von Menschen im libanesischen Bürgerkrieg der 80er Jahre enthält. 2016 hat Walid Raad die Fenster und Türen der Synagoge von Stommeln verbarrikadieren lassen  (Zugang über die Empore) und innen einen Tunnel, einen Fluchtweg gegraben, wie sie in Libanon ebenso bekannt waren wie an der Berliner Mauer oder im Warschauer Ghetto – “Those that are near. Those that are far“.

2019 sind Gespräche mit Künstlern, die sich um den Zustand der Welt sorgen, bitter notwendig. So haben bedeutende Museen der Welt Walid Raads Arbeiten ausgestellt. Der Kunstpreis der Stadt Aachen ehrt ihn weit weniger als die Kulturstadt Aachen selbst, die ihn vergibt. Ich habe an der Gründung und Folge des Kunstpreises teilgenommen und erfreute mich in der Neuen Galerie und im Ludwig Forum der Unterstützung durch Oberbürgermeister, Kulturdezernenten, Ratspolitiker und der Presse. Jetzt, da das Ludwig Forum in einer Übergangsphase arbeitet und der Vorsitzende des Freundeskreises gestorben ist, ist es nicht leicht sich vorzustellen, dass genügend Kräfte entstehen, um die Institution Kunstpreis zu erhalten. Die „Kulturstadt“ Aachen verdient die Gänsefüßchen immer mehr.

 

 


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Utopie und Untergang ?

Im Düsseldorfer Kunstpalast:

K U N S T   I N   D E R  E H E M A L I G E N   D D R

 

Als wir 1979 die Neuerwerbungen des Sammlers Peter Ludwig in der Neuen Galerie ausstellten, reisten Willi Sitte, Bernhard Heisig, Wolfgang Mattheuer und Werner Tübke im blauen Volvo der Funktionäre des Verbandes Bildender Künstler und der Kunstkritiker Lothar Lang zur Eröffnung der Ausstellung und zu einer Podiumsdiskussion an. Wir hatten drei große Bilder von A. R. Penck im Treppenhaus des Eingangs abgehängt, um Platz zu schaffen und zu vermeiden, dass der „Dissident“ den Offiziellen zugezählt würde. Penck nutzte diese Geste für eine Schimpfkanonade an Sitte – der Brief wurde unter Insidern bekannt.

In der kleinen, übersichtlichen Ausstellung des Kunstpalastes hängen nun die Bilder Pencks neben denen Tübkes, und auch andere Künstler, die nicht zu den Offiziellen gehörten, sind ausführlich vertreten – Altenbourg, Claus und Glöckner. Als ich 1992 im Luxemburger Nationalmuseum die Künstler der DDR und der BRD in der Sammlung Ludwig „Von der Teilung bis zur Wiedervereinigung“ zusammenzubringen versuchte, konnte ich noch Gudrun Brüne, Lutz Dammbeck, Hartmut Ebersbach, Hubertus Giebe, Sighard Gille, , Kozik und Wasse, Walter Libuda; Werner Liebmann, Wolfgang Smy und Trak Wendisch hinzufügen. Einige von ihnen hoffte ich in Düsseldorf wiederzusehen – und entdeckte, dass diese Ausstellung viel zu klein ist, um ihrem Anspruch gerecht zu werden. Wer immer heute etwas über „die DDR“ aussagt, vernachlässigt die Menschen, die in ihr gelebt haben, und das, was für sie eine Utopie war und untergegangen ist. Er/ sie muss sich den Vorwurf gefallen lassen, nur einer zeitgemäßen Pflichtübung zu folgen, zu der einige Museen in Ost und West gern ihre Schätze ausleihen. In der Tat versammelt diese Ausstellung Bilder, von denen einige sich als Meisterwerke ohne DDR-Label in einem internationalen Kontext behaupten können.

Abb. Werner Tübke „Sizilianischer Großgrundbesitzer mit Marionetten“ 1972 ( wir nannten ihn „Il Gattopardo“ nach dem Roman von Tomasi di Lampedusa, verfilmt mit Burt Lancaster 1963) – Wolfgang Mattheuer „Die Ausgezeichnete“ 1975/ 76


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Foto per Post – Gilbert & George

F O T O   P E R   P O S T   –   G I L B E R T & G E O R G E

Art for all (Kunst für alle) heißt der Londoner Herausgeber dieser Postkarte, die mich 1972 an meiner Kölner Wohnungsadresse erreichte – von der Londoner Post gestempelt und von Gilbert & George, „The Sculptors“, persönlich, mit Federhalter geschrieben, signiert und adressiert (englisch: die Hausnummer vor dem Straßennamen). Warum mir? Und wie vielen noch? Die kleine Postkarte zeigte die beiden schwarz-weiß in einer milden Spaziergänger-Landschaft, und die Ansprache „Gentlemen“ (beschränkter Empfängerkreis) und der Text bestätigen das Wohlbefinden: „Having a lovely time“. „Wish you were here. Lots of Love“. Diese Liebeserklärung hat mich nicht sehr berührt, aber sie schmeichelte mir: ich gehörte zu einem Kreis von Menschen, denen Künstler, deren Ruhm zu ihm gedrungen ist, ihre Sympathie mitteilen.

Sie nannten sich Bildhauer (als Schüler des Bildhauers Anthony Caro), und ich hätte sie gern eingeladen, ihre Performance „The Singing Sculpture“ auch in der Neuen Galerie aufzuführen. Sie hätten sich in bürgerlicher Kleidung mit Handschuhen und Gehstock mit bunt gefärbten, metallisch glänzenden Gesichtern mechanisch auf einem Tisch zur Musik eines alten Songs von 1932 „Underneath the Arches“ bewegt und gesungen, die Kassette zurückgespult und noch einmal, stundenlang. Sie schafften es, den Begriff SKULPTUR so zu demolieren, dass wir unter Freunden scherzten: Was müsste ein Museum tun, wenn der Sammler Peter Ludwig diese Skulptur kaufte? Ihr Video „Gordon makes us drunk“ 1972 wurde ein Hit in der Kunstwelt.

Ich habe viele Postkarten von Künstlern erhalten, aber wenige haben eigene Fotos dafür verwendet. Es versteht sich, dass solche Karten einen besonderen Wert in der MAIL ART haben.

 

 


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Mystery Photos – Hendricks

M Y S T E R Y   P H O T O S – G E O F F R E Y   H E N D R I C K S

Die digitale Fotografie muss neue Anwendungen (apps) erfinden, um Doppelbelichtungen, Entwicklungen von Filmenden und ähnliche Fehler zu erreichen, die analog zu geheimnisvollen Porträts, Landschaften oder abstrakten Kompositionen führten. Aber solche Fotos meinte der norwegische Fluxus-Künstler Geoffrey Hendricks nicht. Er ahnte, dass nicht nur die Welt in einen unheilvollen Fluss geraten war, sondern die Wahrnehmung dieser Welt selbst so, als hätten alle Menschen die Brille abgenommen und sähen die Wirklichkeit unscharf, gleitend, schwimmend. Er suchte solche Fotos selbst zu machen oder zu finden, suchte sie zu verstehen und fügte ihnen Gegenstände (einen Blumenstrauß, einen Ast) hinzu, um die Bilder greifbar zu machen, um sie ertasten zu können. Er ahnte, dass Priester auf dem Floß in Büchern lasen, dass zwei Menschen sich inmitten eines Trümmerhaufens unterhielten, und er hielt diese Bilder für so sehenswert, dass er sie multiplizierte, die Applikationen geduldig jedem anheftete und sie als Postkarten verschickte. Die Postkarten des Geoffrey Hendricks wurden in der internationalen Kunstszene bekannt. Er nannte sie MYSTERY PHOTOS. Ich begann, sie zu sammeln.

Als er sich von seiner Frau getrennt hatte, um mit Stephen Varble zu leben, bot er mir an, eine Hälfte seines Haushaltes, seine Hälfte, die ihm nach der Scheidung geblieben war, auszustellen: ein halbiertes Ehebett, halbiert ein Kleiderschrank, eine Zahnpastatube, Tassen, Teller, Kochtöpfe, Haarbürsten – ein ergreifendes Sammelsurium in einer Vitrine – und er trat in einer Performance im Ballsaal des Alten Kurhauses auf, saß in schwarzem Smoking drei Stunden auf einem Haufen schwarzer Erde, las aus einem Buch seines Fluxus-Freundes Dick Higgins und beachtete nicht, dass sich immer schneller etwa 30 weiße Mäuse aus seinen Kleidern befreiten und über den Marmorboden des Ballsaales flüchteten. Varble tanzte langsam in einem Talar aus 100 aneinandergehefteten Holzstücken, die leise klickten, um ihn herum. Geoffrey Hendricks war ein Meister der MYSTERIES.

Er gehörte zu den Poeten, die die FLUXUS-Bewegung aus New York nach Deutschland gebracht hatten: George Maciunas in Wiesbaden, George Brecht in Köln und Hendricks hier. Sie gewannen Freunde, Sammler, die heute die Schätze verwalten: Schachteln, mit kleinen Objekten und Texten gefüllt, Dosen, Hefte in ungewöhnlichen Formaten – kurzum: Kunstwerke, die nicht Unikate, Originale sein wollten, nicht gut gemalte Bilder oder modellierte Skulpturen, nicht wertvolle, teure Gegenstände, sondern irritierende Botschaften – MYSTERIES.


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Pop Art Photographs – Rauschenberg

P O P   A R T   P H O T O G R A P H S H S   –   R O B E R T   R A U S C H E N B E R G

 

Ein schwarzer Blechtopf in einem weißen, die ein großes, blumenbedrucktes Tuch hindern, über eine Stufe hinabzugleiten, als wäre es ein Wasserfall – die verwitterte Statue einer klassizistischen Jungfrau vor einem Gemüsestand mit vielen Melonen – zwei Schwarz-Weiß-Bilder aus einer Ausstellung im Centre Pompidou 1981, die Fotos von Robert Rauschenberg gewidmet ist, die er herstellte, nachdem er sich 1970 nach Florida zurückzog, um seinem Ruhm zu entfliehen. Er wollte Fotograf werden, und ein Buch dokumentiert  die Fotos, die er in den 50er Jahren geschaffen hat, bevor er, umgeben von Freunden wie John Cage und Merce Cunningham und nach einem Paris-Aufenthalt mit Cy Twombly 1951, mit Happenings beschäftigt, sich entschloss, in große abstrakte gemalte Kompositionen Siebdrucke von Zeitungs- und Illustriertenfotos einzufügen, Alltagsgegenstände wie Löffel, Radios, Comics, Postkarten zu fixieren, Wasserschläuche und Leitplanken davor zu setzen: die COMBINE PAINTINGS zu schaffen. 1959 entstand MONOGRAM, eine Collage am Boden, auf der ein Angora-Ziegenbock in einem Autoreigen steht – ein erregendes Denkmal. 1964, als er seine Werke in der Biennale Venedig zeigte, sprach die ganze Kunstwelt von ihm. Ich lernte ihn 1968 kennen, als er im Wallraf-Richartz-Museum „Soundings“ aufbaute für die erste Ausstellung der Sammlung Ludwig, ein Combine Painting aus vielen Plexiglasplatten und Lampen, die Stühle zeigten. Die Stühle leuchteten nach den Geräuschen, die der Betrachter verursachte: das Kunstwerk „sprach“ mit ihm. Noch heute klatsche ich dort gern in die Hände. „Ich wünsche die Betrachter verantwortlich zu machen für die Bilder, die sie sehen. Jetzt machen sie das Bild, nicht ich. ch treffe nur die Vorsorge“ schrieb er in Wolf Vostells großem Katalog.

Rauschenbergs Werk ist reich an Fotografien, eigenen und in den Massenmedien gesammelten, aber sie dienten ihm nur als Elemente komponierter Bilder. Erst in Florida griff er noch einmal zur Kamera und fotografierte mit dem Ziel, selbstständige Werke zu schaffen. Den Pathosformeln des Aufbruchs folgte eine zarte Lyrik, die kaum noch an den temperamentvollen Revolutionär erinnert.