Beckeraachen

Kunstwechsel

Malcolm Morley

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K U N S T A B C
1973 -77 habe ich unter diesem Titel 173 Texte in der Aachener Volkszeitung publiziert. Den einen oder anderen redigiere ich jetzt, um auf mich und eine andere Epoche der Kunst- und Weltgeschichte zurückzuschauen.
Kunst ABC AVZ 1977
M A L C O L M M O R L E Y
Er ist nicht nur ein Bindeglied zwischen der Londoner und der New Yorker pop art der 60er und 70er Jahre, sondern der 1. „Fotorealist“, „Superrealist“, „Hyperrealist“. Nach Studium und Lehre in England zog er 1961 nach New York und zeigte seit 1962 Gemälde, die Landschaften auf Plakaten und anderen Werbeträgern zeigen. Jasper Johns hatte als 1. 1955 banale Gegenstände der Alltagswelt abgebildet so, dass der abgebildete Gegenstand mit seinem Bildträger identisch zu werden drohte – so die US-Fahne, die das ganze Bild einnimmt. Aber Morley übernimmt keine Gegenstände, sondern Bilder von Gegenständen, und sie sind nicht 2-dimensional, sondern tiefenräumliche Ansichten – der Hafen von Rotterdam in Vogelperspektive mit dem Passagierschiff „Amsterdam“ in seiner Mitte, die Pferderennbahn von Durban, ein mittelalterliches Wasserschloss. Störfaktoren verhindern, die Landschaftsgemälde in einem traditionellen Sinn zu bewundern – eine elektrische Türglocke in der rechten oberen Ecke, ein rotes X, das die Rennbahn von Durban sozusagen ungültig macht. Nein, kein Protest gegen die apartheid in Südafrika, das Plakat ist ihm gleichgültig. Um sie zu malen, quadriert er die Vorlagen, überträgt die Teile einzeln unzusammenhängend auf die Leinwand, dreht sie um 180°, um das Bild unbeachtet zu lassen. Er verwandelt mit Genugtuung die oberflächliche banale Glaubwürdigkeit eines Werbeplakates in die mit Händen durchgestaltete Oberfläche eines Bildes, das die Glaubwürdigkeit eines Kunstwerkes beansprucht. Seit 1972 löst er seine Bilder von der Wand, indem er Postkarten-Leporellos aus Vorlagen so vergrößert, dass sie wie Paravants einen Raum besetzen. Er steigert den Ausdruck seiner Pinselschrift, verbindet den Malakt mit theatralischen Handlungen, zitiert Pollock und Rauschenberg, fügt seinen Bildern Gegenstände hinzu. Er entfernt sich von den „gezähmten“ Fotorealisten Estes, Goings und Eddy. Morley blieb in seiner Liebe zu pastoser Malerei Jasper Johns näher, zum konventionellen kulturellen Objekt des Tafelbildes, das die Pathosformel der Vergangenheit durch die Alltagswelt seiner Gegenwart ersetzt.
Abb. Age of catasrophe 1976 152x244cm

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