Beckeraachen

Kunstwechsel

Kunst + Computer

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K U N S T A B C
1973 -77 habe ich unter diesem Titel 173 Texte in der Aachener Volkszeitung publiziert. Den einen oder anderen redigiere ich jetzt, um auf mich und eine andere Epoche der Kunst- und Weltgeschichte zurückzuschauen.
Kunst ABC AVZ 17. 11.1973
K U N S T + C O M P U T E R
Kann ein Computer Kunst produzieren? Kann er ein „technologischer Pinsel/ Meißel“ sein, den die Hand eines Künstlers führt? Welche Kenntnisse braucht der Künstler dazu? Er muss eine Rechenmaschine bedienen, die nicht im Dezimal-, sondern im Binärsystem rechnet. Im Dienst technologischer Rationalisierung verarbeitet er Daten, die ihm in einer ihm verständlichen Sprache, z.B. ARGOL eingegeben werden. Der Computergrafiker benutzt diese Sprachen, um mit einem elektronischen Griffel, dem Graphomaten, Zeichnungen herzustellen. Er könnte sie mit Texten verbinden und so eine „Visuelle Poesie“ erzeugen. Mit einem Oszillografen kann er auf dem Bildschirm wechselnde Bilder herstellen. Regelmäßige geometrische Figuren, in Zahlen umgesetzt, gibt der Rechner an einen Drucker oder auch an eine Fräsmaschine weiter, um eine Zeichnung, ein Relief oder eine Skulptur entstehen zu lassen. Für eine künstlerische Irritation kann er einen Zufallsgenerator in den Prozess einschalten, der für Unregelmäßigkeiten im Endprodukt sorgt. Der bekannteste Computergrafiker, Doktorand des Max Bense, Georg Nees beklagt den Mangel an echten Zufallsquellen wie z. B. dem Zerfall radioaktiver Elemente.1965 zeigte er seine Grafiken, 1969 erschin seine Dissertation „Generative Computergrafik“. Er nutzte theoretische Eigenschaften der natürlichen Zahlenreihe, um Serien von Zufallsgrößen arithmetisch zu erzeugen.
Angesichts der Fülle von Experimenten, die zeitgenössische Künstler vorführen, erscheint der Neuigkeitswert von Computerprodukten als Kunstwerke gering. Aber sie schöpft als Produktionsquelle von Bildern aus der Erbschaft der Konstruktivisten seit Lissitzki, Mondrian, Moholy-Nagy, die Werke mit Zirkel und Linear so gebaut haben, als folgten sie mathematischen Gleichungen. Konnte Moholy-Nagy nicht die Daten eines Bildes per Telefon an einen Freund weitergeben, der es malte? Die Informationsästhetik wird nicht zögern, auch Farben als Datenmengen zuzulassen, so dass es möglich wird, farbige 2- oder 3-dimensionale Kunstobjekte herzustellen.
Ihr Gegner ist ein Misstrauen, eine Klage um den Verlust der Menschlichkeit. Stellen wir uns vor, dass in einer gemischten neuen Siedlung ein öffentliches Kunstwerk als Kristallisationspunkt der Kommunikation geplant wird und alle Meinungen der Architekten und Bewohner, Wünsche, Empörungen, Beschwerden, Kritiken, Vorschläge einem Rechner zugeführt würden. Würde er den Künstlern des Wettbewerbs Hinweise liefern, um diesen Knoten eines Informationsnetzes zu bilden? Das Misstrauen ist überflüssig; nicht nur solche übergreifenden Konzepte, sondern auch viele konstruktivistische Kunstwerke der Gegenwart, der Kinetik und Op Art können mit Hilfe von Rechnern hergestellt werden. Und tatsächlich bietet der Kunstmarkt jetzt schon Computergrafiken an – die handsigniert sind; der „Zufallsgenerator“ ist zum Garanten der Originalität geworden.
Abb. Georg Nees Computergrafik Zuse Graphomat Z64 „Schotter“ 1965

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