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Kunstwechsel

HASS HETZE

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HASS   HETZE   HASSREDE    HETZREDE        HASSPOST

In meinem FB-Kreis begegne ich Hass- und Brandreden und lese von geheimen Fb-Gruppen, die sie verbreiten, von Volksverhetzung, Verleumdungen und Beleidigungen – unglaublich kräftige Sprüche wie die des Bremer Pastors Olaf Latzel, der zu einem neuen Ikonoklasmus aufruft, man solle die Götzenbilder anderer Konfessionen „umhauen, verbrennen, hacken“. „Die Reinigung von den Götzen, von den fremden Göttern wird von Gott befohlen.“

Das Palaver auf Marktplätzen, das im Mittelalter zu Hexenverbrennungen führte, und die Strafpredigten von Kanzeln, die große Bußgeldeinnahmen erzielten, erreichen heute Millionen Menschen. Sie führen eine brutale Variante der Rhetorik vor, die im 5. Jahrhundert v. Chr. von den Athenern entwickelt wurde und schon damals die Sophisten äußern ließ, es gäbe keine Wahrheit, die man sagen könnte.  Die „Philippika“ des Demosthenes war eine Brandrede gegen den anmaßenden Herrscher Philipp II., und die Philippicae des Cicero standen für den Kampf der römischen res publica gegen die Alleinherrschaftsansprüche des Marcus Antonius und des Antonius Pius. Solche Reden gegen Diktatoren auf öffentlichen Bühnen sind selten geworden.

Facebook und Twitter bieten nur begrenzte Zeilenmengen, die Schreiber und Leser achten auf die Uhrzeit der Eingabe, wohl wissend, dass sie kurz danach wertlos ist, und selten lässt die Qualität der Einträge wünschen, sie möchten in einem Buch erscheinen.

Die Kunst der Rede ist seit dem 19. Jahrhundert verdächtigt zu lehren, dass sie sich der Sorgen, Vorurteile, Ängste, der Erfahrungen und vermeintlichen Erfahrungen der Zuhörer bedienen soll, um erfolgreich zu sein und daraus rhetorische Strategien und Techniken zu entwickeln. Das „Deutsche Wochenblatt zum Kampfe um die Wahrheit“ „Der Stürmer“ des Verlegers Julius Streichen, 1923 von dem Nürnberger Gauleiter der NSDAP Julius Streicher gegründet und bis 1945 tätig, erreichte zwischen 1935 und 1939 700.000 Leser und mehr als 2 Millionen bei den Reichsparteitagen. Der Wahrheit fühlte er sich nicht verpflichtet und konzentrierte sich mehr und mehr auf antisemitische Hetzreden, grauenhaften Fantasien Raum gebend. Er hat es offenbar erreicht, dass ein ganzes Volk im Nachhinein meinte, am Holocaust nicht beteiligt gewesen zu sein.

In meinem Facebook-Kreis erschrecken mich noch nicht antisemitische Äußerungen. Aber es häufen sich islamfeindliche Suaden. Es sind Suaden, die weder die Theologie des Islam noch Kriege der Moslems zum Anlass nehmen, sondern, kulturell rassistisch, behaupten, ihre

Lebensgewohnheiten, Sitten und Gebräuche seien die einzig normale Form zu leben; sie wünschen sich abzugrenzen, und suchen nach Legitimationen, andere Lebensgewohnheiten wie die der Moslems, die sie in ihrem Land kennen lernen, zu bekämpfen. Sie verabsolutieren einfach diese anderen Lebensgewohnheiten, wenngleich sie sie weder genetisch noch biologisch begründen können, müssen also zugeben, dass sie historisch kulturell bedingt und änderbar, reformierbar sind, sie beharren heute, in einer weithin globalisierten Welt, auf einer „historisch verwurzelten, homogenen Nationalkultur“ und ziehen jeder Inklusion die absolute „Exklusion“ vor.

Wie Julius Streicher seinerzeit arbeiten sie rhetorisch mit den übelsten Stereotypen und greifen tief in das Privatleben ihrer moslemischen Nachbarn ein. Diese Rhetorik ist die brutalste, die ich im Facebook gefunden habe.

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