Beckeraachen

Kunstwechsel

Collage

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K U N S T   A B C

1973 -77 habe ich unter diesem Titel 173 Texte in der Aachener Volkszeitung publiziert. Den einen oder anderen redigiere ich jetzt, um auf mich und eine andere Epoche der Kunst- und Weltgeschichte zurückzuschauen.

Kunst   ABC   1975

C O L L A G E

Gemalte, gezeichnete Bilder des 20. Jahrhunderts auf Leinwänden, Kartons und Papieren sind zuweilen beklebt mit Fahr- und Eintrittskarten, Ausschnitten aus Zeitungen und Illustrierten, Warenhauskatalogen und Fotoalben,  Federn, Bindfäden, Drahtgittern und Postkarten, als ob sie Pinnwände wären, auf die einer Erinnerungsstücke heftet. Die Niederländischen Stillebenmaler des 17. Jahrhunderts waren vielleicht die ersten, die auf Bildern solche Pinnwände vortäuschten, und im 19. Jahrhundert sind einige Amerikaner ihnen gefolgt. Ihr Ziel war die Illusion; sie folgten der berühmten antiken Legende von Zeuxis und Parrhasius, die einander in der Täuschung übertrumpften. Die Collage des 20. Jahrhunderts (coller = kleben) verbindet Bildfragmente aus verschiedenen Fundorten, zeigt sie übereinander geklebt so, dass ihre Zusammenstellung sinnlos erscheint, bietet einen unruhigen , schwer bestimmbaren Tiefenraum, in den die Elemente eingebaut sind. Collage ist eine der Techniken, mit denen das traditionelle Tafelbild aufgelöst wurde – neben Montage, Assemblage, Frottage und Décollage, ihr Gegenteil: abgerissen, aufgelöst. Als Künstler wie Robert Rauschenberg daran gingen, den Bildern dreidimensionale Objekte hinzuzufügen, erfanden sie das Wort Combine Painting. Die Kubisten – Picasso und Braque – waren die ersten 1913/14, die die Collage systematisch einsetzten, indem sie aufgebrochene, geklappte Flächen in den Bildern mit Ausschnitten aus Tagezeitungen beklebten; nicht abgehoben, sondern vertraut alltäglich sollten die ungewohnten Bildfiguren erscheinen. Die Auswahl dieser Ausschnitte ist nicht unbedingt sinnstiftend, aber keiner der Künstler, der diese Methode nutzte, konnte sich der Suggestion der Buchstaben, Worte und Bilder in diesen Ausschnitten entziehen. Sie wurden bei den Futuristen und Dadaisten immer wichtiger. Den Surrealisten ging es am Ende darum, ein Spannungsverhältnis von geklebten Worten und Bildern zu erreichen.

Die Collage ist heute nicht nur in Künstlerateliers, sondern ebenso in Kindergärten und Hochschule zu Hause. Ihr Material, die Alltagswelt, ist vertrauenerweckend und erregt nicht die Ehrfurcht, die ein gemaltes Tafelbild – und wäre es das einer Collage – erzeugt. Die Collage steht als Skizze in vielen Ateliers am Beginn eines Prozesses, der über sie hinausführt. Niemand wird leugnen, dass die moderne Welt selbst sich zu einer unendlich scheinenden Collage entwickelt hat.

Abb. Picasso Collage 1913 Weinbrandflasche, Glas, Gitarre und Zeitung, London, Tate Gallery

 

 

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