Beckeraachen

Kunstwechsel

Surrealismus

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K U N S T   A B C

1973 -77 habe ich unter diesem Titel 173 Texte in der Aachener Volkszeitung publiziert. Den einen oder anderen redigiere ich jetzt, um auf mich und eine andere Epoche der Kunst- und Weltgeschichte zurückzuschauen.

Kunst ABC   AVZ   25.5.1974

S U R R E A L I S M U S

Le Surréalisme – eine Bewegung, eine Zeitung „La Révolution Surréaliste“, ein „Manifeste du Surréalisme“, ein Büro surrealistischer Forschungen – hat sich 1924 konsolidiert als Kapitel der Geistesgeschichte in Kunst, Literatur, Musik, ein Erdbeben, das bis heute nachklingt. In den 8 Jahren davor haben die Gründer, die Schriftsteller und Dichter Guillaume Apollinaire, Louis Aragon und André Breton, der als Verfasser des 1. und des 2. Manifestes zum „Papst“ wurde, Texte publiziert und sich auf bedeutende Vorläufer berufen: Charles Baudelaire, Arthure Rimbaud, Lautréamont („Les Chants de Maldoror“), Stephane Mallarmé, Alfred Jarry („UBU ROI“) und Erik Satie. Langsam erst umfasste der Begriff die Bildenden Künstler und ihre Gruppenstil wurde als neue Variante der Phantastischen Kunst verstanden, die sich seit Hieronymus Bosch und dem Manierismus des 16. Jahrhunderts über Europa ausgebreitet hatte – mit Pieter Brueghel, Parmigianino, Francisco Goya und Caspar David Friedrich. Im Forschungsfeld der Surrealisten bewegen sich das Unbewusste, das Wunderbare, der Zufall, der Traum, der Irrsinn, der Rausch, die Halluzination – das Irrationale, dem der Gruppenstil des Konstruktivismus das Rationale entgegensetzte, das Alogische im Widerspruch zur Logik. Als ein alogisches, irrationales Schauspiel hatte diese Generation den 1. Weltkrieg erlebt. Seine Verarbeitung wurde eine große Aufgabe.

Dort, wo der Gruppenstil in eine große Dekoration zerfließt, entsteht der Verdacht, die „schöne“ Märchenwelt habe sich von der Wirklichkeit gelöst in eine poetische Gegenwelt. Aber Breton meinte keine Überwirklichkeit, sondern die absolute, ganze Wirklichkeit, die uns nur bruchstückhaft sichtbar wird, wenn wir uns nicht der surrealistischen Methode in ständigem Training bedienen. Nicht nur der Künstler, sondern jeder kann sich seinem eigenen Unterbewusstsein öffnen, sich selbst nicht als Sender, sondern als Empfänger empfinden, die Nachrichten, die er empfängt, ungeordnet artikulieren („Seelischer Automatismus“). „Wir wissen heute, dass die Kunst zu etwas führen muss.“ sagt Breton. Sie muss eine zwischenmenschliche Kommunikation auslösen, die jenseits ästhetischer Debatten entsteht, in der Wünsche, Träume, Ekstasen ebenso Teil der Existenz sind wie Hunger und Durst.

Abb. Max Ernst Collage Chinesische Nachtigall 1920

 

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