Beckeraachen

Kunstwechsel

Liebe zu Afrika

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  1. Kalendergeschichte

Liebe zu Afrika

Viele haben Afrika besucht, Künstler wie Heinz Mack, Michael Buthe, Rudolf Schoofs und Nancy Graves haben dort gearbeitet und Freunde gefunden. Es wäre der Tochter des Aachener Künstlers Günther Knipp nicht gelungen, mich nach Kamerun zu locken (sie arbeitet in Douala als Modefotografin), viel lieber hätte ich den Dichter und Maler Frédéric Bruly Bouabré in Abidjan besucht. Aber in der neugotischen ehemals deutschen Kirche von Kribi an der Weihnachtsmesse teilzunehmen, „Stille Nacht, heilige Nacht“ als Oratorium einer inspirierten Gemeinde zu hören, die mit Rasseln und Küchengerät den Takt schlug, das war die Reise wert.

Im Flugzeug hatte mich eine ältere Dame, die zwei Plätze beanspruchte, gebeten, sie zu einem Wunderheiler zu begleiten, einem Pygmäen im Campo Ma´am, in dessen Regenwald-Hospital sie Heilung von ihrer Adipositas erwartete.    Die Stämme der Ba´Kam Pygmäen haben lange ungestört in den Regenwäldern naturnah gelebt und sind heute so sehr touristisch erschlossen, dass ihr Ruhm bis nach Aachen gedrungen ist. Tatsächlich besichtigten wir nach einer langen Wanderung eine Anlage von mehreren Hütten unter hohen dichten Bäumen, die von Kranken besetzt waren, einem offenen Herd, auf dem aus Rindenhexel und Kräutern Tinkturen gegen Husten, Fieber, Durchfall, aber auch Gifte für Pfeile und Blasrohre gekocht wurden. Wir begegneten dem kleinen (145 cm) Doktor mit Ehrfurcht: vor uns trat ein Vertreter der ältesten Menschen der Erde, ein „Zwerg des Gottestanzes“; so nennen ihn ägyptische Pyramidentexte. Zurückhaltend ließ er sich das Anliegen der Dame erklären, umkreiste sie, die ihn weit überragte und wie ein weißer Kreidefels vor ihm stand, mehrere Male, griff in einen Lederbeutel an seinem Gürtel und reichte ihr einen im Dämmerlicht weiss leuchtenden Zettel – die Visitenkarte eines Facharztes in Douala. Er hätte Angst, sie aufzunehmen und mit seinen Medizinen zu behandeln. Nein, fotografieren durften wir ihn nicht. In diesen Minuten trat die Distanz zwischen den beiden als räumliche, als Ferne zwischen zwei Kulturen, zwei Kontinenten hinter einer Distanz in der Zeit, als Ferne zwischen Jahrhunderten zurück. Nie wieder bin ich der Vergangenheit so leibhaftig begegnet – und wusste, dass nicht der Pygmäe und sein Krankenhaus, sondern die dicke Frau und ich der Zukunft ins Auge sehen würden. Bruly Bouabré habe ich später kennengelernt.

Abb. Kribi, Kamerun, die Kirche, erbaut um 1900 – Albinos auf dem Weg zum Urwalddoktor, geachtete Sonderlinge hier – meine FotosMy beautiful pictureMy beautiful picture

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