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Kunstwechsel

Frieden im Ural

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Eine

Frieden im Ural 

Dmitri Prigov und Elle-Mie Ejdrup-Hansen

 Er ist DER Künstler der PERESTROIKA, Zu seinem 80. Geburtstag widmet ihm jetzt die Jelzin-Halle in Jekaterinburg eine Hommage russischer und internationaler Künstler. Sie soll an den Zusammenbruch der Sowjet-Union vor 50 Jahren und den Beginn eines neuen Russlands unter dem Präsidenten Jelzin erinnern, als Swerdlowsk  wieder Jekaterinburg wurde. Jelzin und Prigov starben 2007. Prigovs Sohn Andrey kuratierte die Ausstellung.

Natalia Pschenitschnikova. russische Komponistin in Berlin, hat das „67. Alphabet“ Prigovs so komponiert und inszeniert, dass es von 20 russischen Akteure gesprochen und gesungen werden kann.

Diese „Alphabete“ Prigovs bieten sich als Textentwürfe für Aufführungen an: sie lösen das Ordnungsgefüge der Buchstabenfolgen auf und erweitern es in phonetische Appellationen wie „Schreie! Schreie!  Bammm! Tanzen! Tanzen! Bammm!“ Das 67. Alphabet kreist um Ereignisse – Events, punktiert die Weltgeschichte: „Ereignis unter Herodes: Hmmm! Hmmm!“ – und führt in die Gegenwart und Zukunft.

Die Komposition der Natalia Pschenitschnikova, vorgetragen von dem Chor, begleitet als Tonspur eine monumentale Laserprojektion, die die dänische Künstlerin Elle-Mie Ejdrup-Hansen 1995, 50 Jahre nach der Befreiung ihres Landes von der deutschen Besetzung, entworfen hat. als „Himmelslinie des Friedens“,

1995 strahlte der armdicke Lichtstrahl eine Nacht lang wirklich 534 km weit über die Ruinen der deutschen Bunker an der jütländischen Küste. Und ich hatte Dmitri Prigov aus Aachen nach Aland mitgebracht. Er, der sich als Konzeptualist der Perestroika in Europa bekannt gemacht hatte, entwarf zu einem der deutschen Bunker ein trügerisches Gegenbild: den Bunker als Tempel eines rituellen Abendmahls.

Sein Sohn heiratete eine Dänin und trug die Erinnerung an die „Peace Line“ nach Russland. EinTeam machte im Ural Laser-Aufnahmen nach dem jütländischen Beispiel, und Elle-Mie Ejdrup-Hanse fügte zu dem Original von 1995 vier blaue „Hymnen für Prigov“ als Videokompositionen. Im Sound Track hat sie einen russischen Lyra-8-Synthesizer benutzt, um in den „Hymnen“ dem Meer, dem Himmel und den 20 Russen, die das Alphabet sprechen und singen, Klangbilder zu entwerfen. Die 5 großen Projektionen sind aufeinander abgestimmt und laufen in Loops Tag und Nacht.

Die Kunstwelt des Westens nimmt russische Künstler nur dann wahr, wenn sie als Dissidenten des Regimes in Gefängnissen oder im Exil auftreten. So lernten wir Dmitri Prigov in den 80er Jahren kennen, als unter uns die Erde bebte, Staaten auflöste und neu schuf, kulturelle Revolutionen erregte und unendlich viele morsche Institutionen durch neue ersetzte.  Der Impuls, der 1995 jenen Laserstrahl über den Ruinen deutscher Betonruinen an ein Ereignis großer Freude erinnerte, hat sich in einer Epoche der Krisen verändert. Er trägt noch die Befreiung Dänemarks und die Perestroika und erreicht eine Stadt am Ural, in der die Perestroika, die Prigov bekannt gemacht hat, mit Boris Jelzin, dem 1. Präsidenten des neuen Russlands, verbunden ist. Der Impuls ist stark genug, um auf seiner Botschaft des Friedens zu beharren.ee

 Mich hat berührt, dass Dänen mich einluden, an der Befreiung Dänemarks von den Deutschen teilzunehmen, und dass eine Dänin eingeladen worden ist, ein Kunstwerk in Jekaterinburg, einer Stadt von zahlreichen Russlanddeutschen, Partnerstand von Wuppertal,   zu realisieren. Diese Gesten vereinte der Wunsch, über alle Grenzen hinweg zusammen zu sein.

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