Beckeraachen

Kunstwechsel

Hacki zum 70.

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Hacki zum 70.

38. Kalendergeschichte

Hartmut Ritzerfeld (Büsbach, Voreifel) ist es 1972 gelungen, bei Joseph Beuys in der Düsseldorfer Akademie zu studieren. In Aachen laufen seine Freunde aus Kornelimünster, Breinig, Friesenrath und Walheim (die „Eifelmaler“) in die Neue Galerie, um die Kunstwerke aus der großen weiten Welt anzuschauen. Dort will der Beuys-Schüler ausstellen und präsentiert sich dem jungen, unerfahrenen Leiter des Hauses. Dem Kölner wirbeln Bilder des just geborenen internationalen Kunstmarktes und die Erwerbungen des Aachner Sammlers Peter Ludwig durch den Kopf, die Hasenkamp täglich liefert. Er hat gerade seine zehnte Wechselausstellung eröffnet.  Ritzerfeld zeigt ihm viele kleine Bilder, die nichts, gar nichts mit dem verbindet, was an den Wänden des Hauses hängt, Er hat sie mit Pinseln, Stiften und Holzscheiten auf Kartons, Brettern, Fenstern und Türen entworfen. Sie sind ihm nicht viel wert und er tauscht das eine oder andere gern gegen eine Flasche Bier. Den Kurator, dessen Milieu von der Lust bestimmt ist, Werte zu schaffen, zu sichern und zu steigern, entsetzt die Gleichgültigkeit des Künstlers vor seiner Arbeit, bevor er ihrem Zauber erliegt. Als er ihm eine Ausstellung in der Neuen Galerie verweigert und jener nachfragt: Aber davor? In der Kolonnade? stimmt er zu. Tatsächlich lehnt Ritzerfeld etwa 10 Tage lang große und kleine Zeichnungen und Gemälde morgens an die Wände der Kolonnade und baut sie abends ab. Und damit jeder ihn als den Autor der Werke anerkennt, bleibt er bei ihnen, ergänzt sie und malt auf seinem Gesicht weiter. (In seiner Vita wird stehen: Einzelausstellung in der Neuen Galerie – Sammlung Ludwig, Aachen)

Er spricht gern von Beuys und der Vorstellung, Kunst müsse von allen gemacht werden oder jeder sei ein Künstler; er wird diese Sprachhülsen durch andere Figuren ergänzen, die er liebt, wichtiger ist, dass er slch ernst nimmt und durchhält. Anderen ist es gelungen, seine kreativen Impulse zu zähmen, ihn zu marktkonformen Werken zu verleiten, ihn zu imitieren; aber der Kurator, der ihn einmal so auftreten ließ, wie er es sich wünschte, wird ihn fortan nicht mehr los.  Hacki schlendert in sein Büro, wirft ihm einen Stapel von Papierbögen aus einer Rechenmaschine auf den Schreibtisch, die er mit Kugelschreibern oder Filzstiften bearbeitet hat, und fragt, „Haste mal ne Mark?“  In einer Musikveranstaltung ergreift er das Mikrofon und singt von seiner Hochzeit mit Madonna, von seinen vier Augen auf der Drehscheibe des Kosmos. Ein Copyshop verwandelt die Zeichnungen in Flugblätter, die er auf seinem Rundgang durch Aachens Kneipen verteilt. Sie sind unverwechselbar. Wer sie sammelt, hat Hackis Welt. Ein Archiv der ART BRUT sollte sich glücklich schätzen, seine Blätter zu verwalten.

Den „Eifelmalern“ im Münsterländchen ist er ein Heiliger. Sie arbeiten sich an ihm ab, und er begegnet ihnen lächelnd: sie sind keine Beuys-Schüler. Aber sie teilen mi ihm die Ikonografie – die Dörfer, in denen sie leben, die Freunde und Freundinnen – und die Bildersprache, die ihre Faszination verliert, wenn sie sich ihrer rustikalen Schlichtheit schämt und versucht, modern zu erscheinen.

Sammler wie Ludwig erwerben solche Werke nicht. Liebhaber, die Ritzerfelds Existenz sichern, sind seine Nachbarn in der Aachener Region – unter ihnen etliche Künstler. Sie kennen ihn. In ihre Bewunderung mischt sich Zuneigung zu einem Außenseiter, der sein Leben lang im Büsbacher Haus seiner Mutter wohnt und sich nicht der mühseligen Arbeit an  werthaltigen Objekten unterwirft, die geschätzt und gehütet werden sollen, sondern der spontanen Lust, einen Ausdruck seines Lebensgefühls zu entwerfen – skizzierend, zeichnend, malend, singend. Der Kurator hat sich angewöhnt, seine Werke nicht zu sammeln, sondern aufzusammeln dort, wo der Künstler sie liegen lässt.

2 Kommentare zu “Hacki zum 70.

  1. … ich kenne ihn schon seit Ende der 60er Jahre, nicht persönlich zwar, aber ich sah ihn damals an der Bushaltestelle in unserer Provinzstadt zum ersten Mal, als er mit einer ‚einzigartigen‘ Aura – mit Gitarre ohne Hülle, die Haare hochtoupiert, auf den Bus wartend – selbst aus diesem Gestus heraus, eine Art Performance entwickelte; da wusste ich noch nicht was Aktions-Kunst bedeutete. In den 80er besuchte ich ihn im Auftrag der Zeitung in seinem Wohnumfeld am Oberstein. Der Vater blieb auf dem Sofa liegen (das war eine Art von Nicht-Wertschätzung, die ich später im gleichen Ortsteil noch einmal erleben durfte), die Mutter wuselte herum. Oben in seinem Atelier stand tropfnass eine dunkles Bild aus der Staffelei – ich erstand das Bild; ‚musste’ es aber später wieder abgeben, weil seine ‚Düsterheit‘ uns etwas belastete … Seine ‚Attitüde‘: „Haste mal ne Mark“, konnte lästig sein, im Laufe der Jahre. Erst als er mich regelrecht bestürmte, so um 2011, einmal musizieren zu dürfen in meinem (Musik-)Studio im Steinweg, gab ich irgendwann nach und drückte ihm eine verzerrte E-Gitarre in die Hand, um das ganze mitzuschneiden. Von da an entwickelte sich in den nachfolgenden Jahren ein gewisse Intensität von Zusammenarbeit, die wir mit E-Bass, akustischem Bass und Piano ausbauten. Selbst als er im Pressetermin im vorigen Jahr, bei einer gestellten Szenerie, noch eine immense Intensität vorbrachte, dämmerte mir so langsam, was ihn ‚vorantreibt‘; dieses Feeling gibt es nur im Blues oder bei Schamanen, deren Existenz nur diese eine einzige Aufgabe hat. Seinen sozialen Charakter für die Community habe ich kürzlich verstanden, als ich auf dem Weihnachtsmarkt mithörte, als sich zwei Polizisten (!) darüber austauschten, wie sie an ein „schönes Bild“ von Hacky gelangen könnten (die Bilder der letzten Jahre sind weitaus ‚lebensbejahender‘ als die früheren): „frag den Bezirkschef, der wird das möglich machen“; so lernt man täglich dazu, welche ‚soziale’ Aufgabe ‚unser‘ Hacky im Grunde genommen hat.

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  2. Ein grün lackierter hölzener Fuchs,
    Anatol Herzfeld schuf ihn zum Andenken an einen Fuchs,
    der in gelegentlich morgens vor seinem Atelier
    auf der Insel Hombroich besuchte,
    begleitet mich seit 2012.

    Anatol tauschte mit Win Erinnerungen aus.

    Deswegen widmete Anatol den Fuchs spontan dem Hacki.

    #
    Ich heiße „Harry“
    Ich kenne Haky
    Ich bin vom Anatol 2009
    #

    Dem Hacki Ritzerfeld ein herzlicher Glückwunsch zum Geburtstag.

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