Beckeraachen

Kunstwechsel

Carte Blanche

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HOMMAGE A KARL VON MONSCHAU

C A R T E   B L A N C H E    –   B L A N K O S C H E C K   –   B L I N D E   K U H

Den Wert eines Blankoschecks bestimmt seine Unterschrift. Man hat sie geprüft: Schielt ihr Autor? Ist die Hornhaut seiner Augen verkrümmt? (Man erklärte so die Bilder der Impressionisten. Monet soll farbenblind gewesen sein.) Schloss der Autor die Augen, als er signierte? Ist er blind? (Ja, es gibt blinde Maler und Fotografen!). Haben wir es mit dem Blankoscheck einer Blinden Kuh zu tun?   

Wenn einem Kind ein Holzscheit in ein Auge fährt, und die Ärzte viel Zeit für die Reparatur brauchen, messen sie die Sehschärfe wieder und wieder an den Landoltringen, bevor sie Buchstaben und Zahlen nutzen. Dieses Kind wird die Kreisringe mit ihrer versetzten Öffnung nie vergessen und lebenslang um seine Sehkraft fürchten. Es wird gierig die Welt betrachten, in Besitz nehmen, nicht immer signieren; unbändig wird seine Sehnsucht sein, das, was es sich angeeignet hat, anderen zu zeigen: anonyme Fundstücke, einen Kiesel, eine Birkenrinde, die Arbeit eines Bekannten oder Unbekannten, das Foto eines Papua, auf das es seinen Pinsel legt. Es sammelt, es hortet, es zeigt die Schätze, stellt sie aus, sucht die Aufmerksamkeit von vielen. Es signiert, autorisiert sie, fügt ihnen die Landoltringe hinzu. Mit ihnen spielt es öffentlich, vor seinen Freunden, vor der ganzen Welt, als wären sie die olympischen, die den festlichen Zugang zu der lateinischen Losung gewähren  SATOR TENET ROTAS – eine Carte Blanche.

Die Sorge um die Sehschärfe teilt es den Betrachtern seiner Bilder mit. Keiner sollte sich einem Sehtest entziehen. Der Klient muss das, was er sieht, in Worten benennen. Er wird entdecken, dass Bilder sich verweigern: dass ihre Elemente einander zu nahe rücken (crowding), um gelesen zu werden, oder dass sie sich im zerdehnten Kontext verinseln… Anders als vor Plakaten muss er bereit sein, die Botschaft zu suchen. Er kann dazu den Monschauer Kunst-Automaten benutzen: der fordert Münzen und Handgriffe, ein Blinder könnte ihn bedienen.

Das sublimste Versteck, das der Erfinder der Carte Blanche entwickeln kann, ist die Ausstellung selbst: von Werken, die er nicht kennt, von Künstlern, die er nicht kennt. Er könnte einen Nachbarn bitten, sie auszusuchen und bliebe den Beteiligten schuldig, Gründe zu nennen. Er selbst müsste sich inständig bitten lassen, an der Ausstellung teilzunehmen – mit einem Bild, das niemand als eines erkennen würde, das er gemalt hat.

Ich bin eingeladen, zur Eröffnung dieser Ausstellung zu sprechen. Aber eine Seuche verhindert meine Anwesenheit. Gäste sind gebeten, Abstände einzuhalten.

C A R T E   B L A N C H E 

Eurode-Bahnhof Herzogenrath Eröffnung Sonntag 30. August 2020

Jpeg

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