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Kunstwechsel

Dali´s Santa Lucia

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34. Kalendergeschichte

Salvador Dali´s Santa Lucia

Ein alter Mann in Aachen erzählte diese Geschichte über den berühmten Salvador Dali:

Er war70 Jahre alt und hatte mich in sein Winterquartier, das St. Regis Hotel in New York eingeladen. Er würde nicht dulden, dass die Fotorealisten der Sammlung Ludwig, die ich betreute, ohne ihn durch Europa wanderten. Er zeigte mir nicht seine Suite 1610, nicht seinen Ozelot, sondern empfing mich mit meinen Begleitern, dem ungarischen Maler Laszlo Lakner, der sich um einen Kontakt zu Ivan Karp, dem Händler der Hyperrealisten, bemühte, und dem italienischen Sammler Enrico Pedrini im Vestibül, begleitet von seiner Freundin und Muse Amanda Lear. Wir waren sehr aufgeregt, hatten viel getrunken und saßen dem berühmtesten Schausteller unter den Künstlern der Gegenwart gegenüber, der sogar Andy Warhol an ein Spinnrad gebunden und mit Farbe übergossen hatte.  Er schlug mir vor, die Hyperrealisten von Chuck Close und Richard Estes bis zu Jean Olivier Hucleux und Gerhard Richter unter seinem Schirm im jüngst eröffneten TEATRO MUSEO in Figueras auszustellen. Der Filmregisseur Hector Babenco kam vorbei und fragte nach Gala. Unvergesslich antwortete Dali: „She´s upstairs with her Lover“. Wir wurden miteinander bekannt.

Ein Jahr später, 1975, lud er mich in sein 2. Quartier, das Le Meurice in der Rue de Rivoli in Paris ein. Der rumänische Kunstkritiker Radu Varia, der an der Einrichtung des Dali-Museums in Figueras mitgearbeitet hatte, führte mich in die Suite 108 im 1. Stock des Luxushotels. Dali wusste nun mehr über mich, Aquisgran, Carlo Magno, die Kapelle des Imperators – und den Ballsaal der Neuen Galerie. Den Salon besetzten 12 Schaufensterpuppen in weißen Brautkleidern auf einem großen hölzernen Schlitten. Diener zündeten die Kerzen auf den Kränzen an, die die Köpfe der jungen Frauen schmückten: Dalis Beitrag zum Lichterfest der Heiligen Lucia, einer Syrakuser Märtyrerin in den Christenverfolgungen Diokletians, deren Reliquien heute in Venedig verehrt werden. Die Heilige des Lichtes (Lux,Luce) wird in vielen christlichen Gemeinden der Welt verehrt, und ihr Jahrestag am 13. Dezember ergänzt die Wintersonnenwende und das Weihnachtsfest. Schwedische unberührte Jungfrauen wünschte Dali sich für den Schlitten und schlug mir die Inszenierung für den Ballsaal vor, wenn ich ihm die Erlaubnis beschaffte, sich auf dem Thron Karls des Großen im Aachener Dom fotografieren zu lassen. Wenn auch Radu Varia mich drängte, wenngleich ich den brillanten Stillleben-Maler und großartigen Schausteller verehrte, das Privileg, öffentlich auf dem Kaiserthron zu sitzen, sollte einem Künstler verwehrt sein.

Die Heilige Lucia hat Dali begleitet, seit er 17-jährig ein Bild des Lichterfestes von Santa Lucia in Villa Malla in Katalonien gemalt hat. Das Drama ihrer Verstümmelung. der Verlust der Augen, mag ihn, den Augenmenschen besonders berührt haben. 1971 inszenierte er seine Freundin Amanda als die Heilige, und David Bailey fotografierte sie für VOGUE – in einem  weiten weißen, drapierten Umhang mit der Krone der Märtyrerin und einem schwarzen Überwurf; mit weiß geschlossenen Augen; sie bietet auf einem großen weißen Teller zwei weiße Gegenstände an – Eier oder Mozzarella-Kugeln. Wir verstehen, dass es ihre Augen sind, die die Mörder der Märtyrerin ausgerissen haben. Aber die Legende berichtet auch, dass sie den Verfolgten Nahrung angeboten hat und deshalb in den Verstecken Kerzen auf dem Kopf trug. Dali wusste mit uns, dass sein Wunsch nach Jungfrauen für seine Präsentation im Ballsaal nicht erfüllt würde; aber 15 Schwedinnen feierten am 13. Dezember  das Lichterfest auf seinem Schlitten in Le Meurice.

1951 gegründet, wird die „Nacht der Heiligen Lucia“ „Festa de las lletres Catalanes“ von katalanischen Schriftstellern, Dichtern, Philosophen zu Ehren ihrer Sprache am 13. Dezember gefeiert – nach dem Tod Francos 1975 öffentlich.

    Abb. Amanda Lear als Santa Lucia, Foto David Bailey  VOGUE 1971

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