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Kunstwechsel

Fahrräder

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Mein Mann schlägt mich tot, schimpft die Dame. Wir betrachten den Kratzer im Lack des SUV, den die Handbremse meines Rades verursacht hat, als ich beim Rot der Ampel neben ihr hielt. Später stürzte ich mit meinem Auto den Kinderwagen einer Schwangeren um. Jetzt versuche ich zu Fuß zu gehen. Aber die Straßen sind für Autos, Fahrräder, E-Roller, Segways, Skuddies, Buggies, Skateboards und Einkaufswagen so eng geworden, dass selbst Fußgängerzonen nicht ungefährlicher sind als Bergpfade, die Mountainbikes bevölkern.

In Peking sind die Straßen so breit, dass die Fahrradzonen 5-spurig sein konnten. Aber dort herrschen nun Autos. Fahrräder hat die chinesische Regierung für Länder bestimmt, in denen Autos nicht mehr repariert werden können wie in Kuba oder wo so viel Zeit vorhanden ist, dass alles zu Fuß erledigt werden kann: in Dörfern Afrikas.

Fahrräder müssen billig und robust sein und in so großen Mengen importiert werden, dass man sie sozialistisch für Gemeingut halten kann. Afrikaner bringen diese Vorstellung in unsere Städte mit. Sie lernen hier langsam, dass Fahrräder dem einen oder anderen gehören wie Hunde oder Katzen.

Chinesische Instruktoren, die den Import von Fahrrädern in Afrika begleiten, sind  angewiesen, den Dorfbewohnern die Vorteile des Fahrradfahrens, die „Ökonomie“  des „Ökomobils“ zu demonstrieren: sie trainieren mit dem Bürgermeister, der die Ladung auf dem Kopf trägt, wie alle es als Fußgänger kennen, wegen der gewonnenen Schnelligkeit hat er nun Ferngläser vor den Augen. Die Einwohner der Dörfer zweifeln am Erfolg der Maßnahme. Sie kennen noch nicht die Fahrräder unserer Postbriefträger, die den Transport größerer Lasten erlauben) Gangschaltungen und Lampen, kleine Benzinmotoren werden folgen, und eines Tages wird der Dorfrat mit dem Bürgermeister über die Breite von Fahrradwegen streiten, wie es bei uns üblich ist. Dann werden der Bürgermeister und der Rat auch Autos besitzen – und Fahrräder. Mein afrikanischer Freund schimpft: wieder ist ihm sein Fahrrad geklaut worden. Er lernt jetzt, E-Roller zu benutzen, die noch eingeschaltet sind.

Abb. Cheri Samba, Kongo, Les économistes à byciclette. 2003, 80 x 100 cm

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