Beckeraachen

Kunstwechsel

Schwarze Frauen – Mildred Thompson

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SCHWARZE FRAUEN – MILDRED THOMPSON

Viele, die sich heute zu Schwarzen äußern, sind den Umgang mit ihnen nicht gewöhnt, wissen nichts über sie, sind berührungsängstlich (meine Eltern!) und zwingen mich, an Schwarze zu denken, die ich kennen gelernt habe. Im New Yorker Atelier von Nancy Graves brachte mich 1969 eine junge, attraktive schwarze Kunstkritikerin kokett in Verlegenheit: ob ich denn in meiner neu gegründeten Neuen Galerie auch schwarze Künstler ausstellen würde. Ich kannte keine.  Nancy Graves und ihre Freunde kannten keine. Die Harlem Renaissance war längst vorbei.

Als ich meine Arbeit in Aachen 1969 begann, besuchte ich den Zeichner und Lithografen Walter Dohmen in Langewehe, und er riet mir, Mildred Thompson kennenzulernen, die am Hang des Hürtgenwaldes in einem Landhaus wohnte. Sie gehörte zu den afro-amerikanischen Künstlern, „Exilamerikanern“, die, aussichtslos in der weißen Gesellschaft der USA um 1960, ihre Anerkennung in Europa suchten, und fand 1965 bei den Ursulinen in Düren eine Stellung als Kunstlehrerin.  Sie hatte schon 1958 bis 1961 bei Wunderlich, Schumacher und Janssen an der Hamburger Kunsthochschule studiert und zeigte mir Arbeiten aus alten Hölzern, die sie in ihrem Haus gefunden hatte. Für die Dorfkirche von Kleinhau hatte sie zwei Glasfenster mit Blumenmotiven in Arbeit. Diese „woodworks“, rechtwinklige, abstrakte, geometrische Assemblagen, die sie auf Platten nagelte, gibt es noch heute in ihrem Nachlass. Sie hatte vorher Grafiken geschaffen, die an ihre Hamburger Lehrer erinnerten, und jetzt, vor einer frei stehenden Holzskulptur, die an ein historisches Monument denken lässt, sprachen wir über die Stahlkonstruktionen ihres Nachbarn hier in Langerwehe, Jupp Ernst, pensionierter Direktor der Werkkunstschule in Kassel,  Mitbegründer der documenta, berühmt durch seine Arbeit für die Kaffeefirma Melitta. Ihn und seine Frau Renate Biermann habe ich ab und zu in ihrem Atelier besucht Mildred zeigte ihre Arbeiten in diesen 10 Jahren in Aachen (ich richtete ihr eine kleine Ausstellung im Atrium am Elisenbrunnen), Köln und Bensberg. Sie sei in diesen Jahren in Europa weder Frau noch Schwarze gewesen, sondern Vertreterin einer unpolitischen art pour l´art, warfen ihr nach ihrer Rückkehr 1975 amerikanische Kritiker vor. Sie verteidigte sich in einem Essay 1987: „Perhaps we, black Americans, might be able to identify with parts of African cultures. To copy symbols that one does not understand, was for me the height of prostitution.  It was perhaps because I had lived and studied with „whitey“ that I had learned to appreciate my Blackness. There are recordings in our genes that remember Africa. If they are strong enough and we are free of false denials, they will surface and appear without deliberation no matter what we do.“ Das Pathos der starken Worte verrät ein politisches Klima, in dem Frauen und Schwarze die Freiheit ihrer Kunst hinterfragen müssen. Der Rückblick auf ihr Oeuvre wird das Selbstverständnis dieser Künstlerin ebenso differenzieren wie die Einflüsse und Anregungen, die sie in ihren Arbeiten aufgenommen hat. 1975 kehrte Mildred Thompson in die USA zurück. Sie starb 2003 in Atlanta/Georgia. 2017 widmete ihr die 10. Berlin Biennale eine Ausstellung.

Wood Picture, c. 1972, Found wood and acrylic paint, New Orleans Museum of Art,

 

 

 

Thompson 1973 Woodwork

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