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Kunstwechsel

Der Kunstsammler

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Kunst ABC   D E R   S A M M L E R

Der Brüsseler Künstler, Kunsthistoriker und Kurator Jacques Lennep hat ihn entdeckt und stellte ihn im Atrium der Neuen Galerie-Sammlung Ludwig 1978 aus: ihn persönlich als Direktor des Museums Manneken Piss, seine Sammlung von 2000 großen und kleinen Variationen der allbekannten Brunnenfigur, 30.000 Postkarten von ihr; seine Garderobe als Museumsdirektor und Bewacher der Sammlung: eine bunte Mischung von 70 Jacken, 10 Westen, 125 Krawatten, 40 Paar Schuhen aus Sommerschlussverkäufen, Visitenkarten, Stempel – und 2000 Zeitungsfotos die ihn als Museumsdirektor (erst mit 2000 meinte er sich so nennen zu dürfen) in der Öffentlichkeit zeigen. Als Laoureux 2002 in seiner Heimatstadt Verviers starb, war er als „Brocanterix“ weithin bekannt.

Es war erregend neu, einem Künstler zuzusehen, der in ein „Musée de l´Homme“ einen Sammler aufnahm – einen Sammler von Repliken e i n e s weit bekannten, gering provokanten Kunstwerkes, der diese Sammlung nutzte, um sich eine herausragende soziale Position   – die des Museumsdirektors – zu erarbeiten. Die Sammlung tritt hinter dem Sammler in den Schatten, sie ist weniger durch ihren Wert als durch ihre Menge beeindruckend, zu der – auf ihn, den Direktor bezogen – die Menge der Kostüme tritt, die vorführen, in wie vielen Verkleidungen ein Sammler und Museumsdirektor seine sozialen Verbindlichkeiten ausfüllen kann. (Er saß in der Tat während der Öffnungszeiten der Ausstellung täglich in einem anderen Kostüm auf dem Direktorenstuhl.)

 

Es gibt Gesellschaften, in denen Sammler ihre Sammlungen verstecken, um ihren Wohlstand zu verbergen, sie im Versteck genießen, weil sie in der Öffentlichkeit Ärgernis erregen würden, Sammler, die nicht die Erlaubnis erhalten, ihren Sammlungen ein Museum zu errichten. Und es gibt jene Gesellschaften, in denen Geld zwar ebenso stinkt, aber umgesetzt in Kunstwerke Bewunderung erregt. Diese Gesellschaften erwarten, dass ihre Museen Nutznießer jener Sammler werden, die, Steuern verachtend, in der Gemeinschaft mit kenntnisreichen Connaisseurs eine Auswahl von Kunstwerken erwerben. Die Gesellschaften delegieren ihnen die Auswahl.

Einige Sammler sind self made men wie der exzentrische Gründer des MONA Museums in Tasmanien, der in internationalen Spielcasinos zu Milliarden gekommen ist. Alfred Laoureux dagegen ist das Kind großbürgerlicher Patrizier, die Häuser, Wälder, Porzellane und Juwelen sammelten und in den Weltwirtschaftskrisen des 20. Jahrhunderts verarmten. Er erbte das fieberhafte soziale Geltungsbedürfnis, das nicht ein Ministerium, nicht ein Bürgermeisteramt, nicht ein Platz im Landesparlament, sondern eine Sammlung von 2000 Manneken Piss- Figuren und das Dekor eines Museumsdirektors befriedigen konnte.

 

 

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