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Kunstwechsel

Welt als Puzzle

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Kunst ABC – D I E   W E L T   A L S   P U Z Z  L E

Hinge ein Puzzle an der Wand, würden seine Teile herabfallen. Ein Puzzle liegt. Wir betrachten es von oben wie eine Landkarte: John Spilsbury lehrte seine Schüler 1766, die ausgeschnittenen Königreiche Europas richtig zusammenzulegen – das erste Puzzle diente dem Erdkunde-Unterricht.

Maler betrachten ihre Bilder an Wänden. Bilder sind Fenster zur Welt. Jackson Pollock und andere Amerikaner haben in der Mitte des 20. Jahrhunderts von oben nach unten auf liegende Leinwände gespritzt und gegossen, so dass Hybriden zwischen Bildern und Landkarten entstanden sind. Sie haben daraus keine Puzzles entwickelt, aber ich weiß, dass Gerhard Richter in Münster, Jean Louis Vila in den Pyrenäen und einige andere Maler wie Sigrid von Lintig Leinwände in nummerierte Stücke zerschnitten haben (100 oder 48 oder 36), um Sammler so an einem großen Stück teilhaben zu lassen.

Die Betrachtung der Welt durch Fenster ist nicht die Arbeit der Kartografen. Sie versuchen seit der Vorzeit, Wege und Grenzen durch Meere und Länder zu ziehen, Territorien abzustecken und Herrschaftsansprüche zu definieren. Notgedrungen bleibt keine Karte lange gültig, wird durch neue ersetzt, bis Beobachter sich so weit von dem Erdball entfernen können, dass sie ihn ganz erfassen. Als Jasper Johns die Erdkugel in einem großen 2-dimensionalen Bild wiedergeben konnte, malte er kein Puzzle, sondern ein aufgefaltetes Polyeder, auf das der Architekt Buckminster Fuller die Oberfläche der Erdkugel projiziert hatte: seine patentierte Erfindung: das Dymaxion AirWater.

Natürlich ist auch dieses Bild der Erde nicht endgültig. Inseln und Länder versinken im Meer, Grönland schrumpft und wird grün, die Nationalität der Falkland- und einiger Inseln im Chinesischen Meer ist umstritten – die Erde bleibt ein Puzzle. Als ihre Oberfläche nach der Mondlandung 1969 als Ganzes sichtbar wurde, haben Künstler daran mitgewirkt, Länder zu verschieben. So gibt es als Beitrag zur zeitgenössischen Kartografie den Vorschlag des fluxus-Künstlers George Brecht, die Isle of Wight (eher kühl und regnerisch) von der englischen Küste zu den Azoren zu schieben (sonnig und warm), um das Leben der Einwohner angenehmer zu machen.

Abb. George Brecht Landkarte einer Erdverschiebung 1969 – Jean Louis Vila, 1von 36 Teilen eines Gemäldes, das Jean Louis Vila an seine Freunde verschickter 1979

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