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Politische Landschaft

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POLITISCHE  LANDSCHAFTEN

 

1999 verteidigte der in Japan bekannte Künstler Isamo Wakabayashi den Erhalt eines Waldes in Hinode gegen die Einrichtung einer großen Müllhalde. Der obere Teil des Abhangs sollte als Wald erhalten bleiben, der untere, die Müllhalde, durch einen Betonwall getrennt, langsam kompostieren und eine wilde Landschaft wachsen lassen. Wasser würde in großen Behältern gesammelt, kontrolliert fließen und die neue Landschaft wachsen lassen.

Die Gouachen zu seinen Vorschlägen nannte er „The Green Constellation of the Unicorn“.

Diese DIN A 3 großen Blätter gab er mir, weil er von den 7000 Eichen des Joseph Beuys in der documenta 1982 erfahren hatte – und von Alan Sonfist´s „Time Landscape 1965-78-present“ in Midtown New York. Diesen kleinen Park in der Steinwüste Manhattans hat Sonfist mit Samen und Setzlingen von einheimischen vorkolonialen Pflanzen besetzt Er gab dem Stadtviertel nicht nur eine grüne Lunge, sondern ein Bild seiner Geschichte. Damals versandte Sonfist Grassamen in viele Länder – mit dem ökologischen Programm, das aus Gras und Schösslingen Bäume entstehen, die den Globus erhalten.

Im August 2018 haben der Maler Helge Hommes und  seine Lebensgefährtin Saxana begonnen, im Hambacher Forst zu malen, einem alten Laubwald mit Hainbuchen und Stieleichen zwischen Düren und Aachen, Rest eines großen historischen Waldes, der seit den 70er Jahren Opfer eines aggressiven Braunkohle-Tagebaus wurde und 2018 einen gewalttätigen Streit auslöste zwischen dem Kohlekonzern, der Landesregierung  und den wachsenden Gruppen derer, die der Zerstörung des Planeten und seiner Sphäre entgegenwirken. Gegen den Widerstand der Polizei arbeiteten die beiden an großen Leinwandbildern, umgeben von den Bewohnern der Baumhäuser, Sympathisanten, Besuchern, Sicherheitskräften, Fotografen und Kamerateams. Der Wald als „Soziale Plastik“ im Sinn des Joseph Beuys konnte hier ein politisches Instrument werden, weil Hommes selbst als Agitator, Wortführer und Aktivist alle sozialen Medien einzusetzen verstand.

Wakabayashi illustriert seine Proteste mit Darstellungen von Bergen und fließendem reinem Wasser – nach taoistischen Vorstellungen (nichts ist stärker als Wasser, das Starres und Hartes bezwingt). Den Heiligen Bergen Chinas, die als mythische Orte in Buddhismus und Taoismus eingebunden sind, stehen im Christentum die Berge Sinai und Tabor gegenüber. Ihre mythische Kraft reicht nicht über die Alpen. Hier ersetzt sie der Wald, ein Ort der Ehrfurcht und Quelle unzähliger Bilder und Texte.  Helge Hommes hat immer Bäume gemalt – um jenen Archetyp der Yggdrasil, der Weltesche, die für die Sehnsucht nach dem Entwurf einer harmonischen Weltordnung steht. Eines dieser Gemälde zeigt einen Styliten auf einem geköpften Baum, eine Rückenfigur wie jene, die in Caspar David Friedrichs Bild „Der Wanderer über dem Nebelmeer“ in die Weite schaut – der Künstler als „fragender Seher“.

Hommes und Saxana haben in anderen wie dem bedrohten Reinhardswald gemalt. Sie folgen der Tradition der Plein-Air-Maler, die in der Mitte des 19. Jh. mit Klapp-Staffeleien und Farbtuben die Ateliers verlassen konnten. Thomas Cole, der Gründer der Hudson River School, ist bis heute der einzige Maler, nach dem ein Berg benannt ist.

 

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