Beckeraachen

Kunstwechsel

Joel Fisher

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Kunst ABC  P U N K T   N U L L  – Joel Fisher

1968 erschien Robert Indianas Buch „1968 ZERO“., Heinz Mack malte sein letzte ZERO-Bild, Bruce Naumann hatte den Betonklotz „The Space under my Chair“ als die neue Form einer Skulptur geschaffen. Fotografie und Film wurden digital. Alle spürten den „Paradigmenwechsel“(Thomas S. Kuhn 1962) zu einer neuen Epoche – den Nullpunkt.

Damals wurde der amerikanische Künstler Joel Fisher ein Freund. Er war blass, ernährte sich kärglich vegan, aß tagelang nur gewässertes Papier und befreite sich von einem zunehmend sauberen Pulp, den er in kleinen Papierbögen trocknete. Er fotografierte die unansehnlichen Fetzen ebenso wie selbstgemachte Schuhe und eine Serie von mit Fäden umwickelten Steinen. Die Aufnahmen von ihnen ließen sie vorsintflutlich erscheinen:  er hatte sie mit einer aus Fundholz zusammengefügten Camera Obscura aufgenommen. („Spindeln der Neandertaler“ nannte ich sie.) Seine Nikon benutzte er, um Augen zu fotografieren: wir nahmen unsere rechten Augen auf, er meins, ich seins. Solche Paare stellte er auf seinen Reisen durch Europa her. Die Augenerkennung gibt den Sehorganen eine besondere Suggestivkraft.

 

Für eine Ausstellung tupfte Fisher mit einem spitzen Pinsel etwa 100 schwarze Tuschpunkte in Abständen von 5 cm auf große Papierbögen, fotografierte einige und vergrößerte sie auf DIN A 4 Fotoabzügen. Wer die großen Flecken, Klekse nicht als selbstständige Chiffren von Ausdrücken begreifen wollte, suchte ihre winzigen „Väter“ auf den Bögen. Vergrößerung und Verkleinerung traten als Elemente der Wahrnehmung in den Vordergrund. Fisher liebte solche Kontraste zwischen Groß und Klein, Alt und Neu. Und das Alte war nicht das von gestern, sondern das des Altertums, der Prähistorie. In aller Stille setzte er die Revolution von 1900 fort, in der die Maler in der Völkerkunde die Vorzeit und die Baumeister die Grundformen der Architektur entdeckten. Es ist ein Abenteuer, in den Partituren der Pinselklekse die Kaligramme zu entdecken, die in der Vergrößerung eine autonome Bedeutung erlangen – wie die Luft unter dem Stuhl Btuce Nauman´s, wenn sie in Beton gegossen wird.

In der documenta 1972 stellte Joel Fisher Seife „SOAP“ aus Butter und Lauge her und zeigte „Hair Squares“ aus Haaren und Nägeln. Die Kunsthistorischen Museen der Zukunft werden  anders, anthropologischer aussehen als die unserer Tage.

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