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Kunstwechsel

roll over Beethoven

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R O L L   O V E R   B E E T H O V E N   erstens

 

2020 werden etliche Weltbürger den 250. Geburtstag von Ludwig van Beethoven feiern. Eine erste website www. ludwigfunbeethoven.de ist erschienen??? Im Dezember 1970 feierten sie seinen 200. Geburtstag. Orthodoxe schimpften: Seine Musik würde missbraucht. Wir brauchen sie, sagten alle anderen.  T-Shirts mit seiner Büste lagen in New York Downtown aus, und Chuck Berry rockte: „You know, my temperature’s risin‘,/ the jukebox blowin‘ a fuse./ My heart’s beatin‘ rhythm/ and my soul keep a-singin‘ the blues./ Roll over Beethoven, tell Tchaikovsky the news.” Dem New Yorker Museum of Modern Art lieh der Bildhauer George Rhodes eine Art von Spieluhr aus Stahl, in der eine herabrollende Kugel die ersten acht Noten aus Beethovens 8. Symphonie in wechselnden Tonarten spielt. Miguel Rios (“A Song of Joy. Himno a la alegria”), Charles Blackwell (Classics with a beat), Ekseption, James Last, Horst Jankowski, The Hoffnung Astronautical Music Festival – sie alle gingen in diesem Jahr über die Radiosender, sogar Stockhausen “Beethausen – Stockhoven” verneigte sich – und Mauricio Kagel drehte im Auftrag des WDF den Film „LUDWIG VAN“.

 

Im Februar 1970 war in Aachen die Neue Galerie mit den letzten Neuerwerbungen des Sammlers Peter Ludwig eröffnet worden und hatte sich mit irritierenden Ausstellungen von Robert Filliou und Wolf Vostell vorgestellt. Jetzt sollte Kagels Film der Auslöser für „BEEETHOOVEN 1770-1970“, die 7. Ausstellung im Alten Kurhaus sein. Beethoven passte ins Dreiländereck, meinte ein Holländer, der Name verriete die Herkunft von einem Rübenhof (Beete – Rote Beete – Betteraves).

Vom Porträt des Karl Stieler, der Beethoven  ein Jahr vor seinem Tod malte, bis zu dem prunkenden Denkmal von Max Klinger 1902 in Leipzig entfernt sich in vielen Darstellungen das Bild Beethovens von ihm selbst; der besessene Arbeiter, der gefeierte Virtuose in der Wiener Gesellschaft, der nimmermüde Erfinder, der mit der Taubheit und Einsamkeit Kämpfende wird entmenschlicht, vergöttlicht und gewinnt eine Aura. Sein Geburtszimmer im Bonner Beethovenhaus hat Robert Bory noch 1960 als „Heiligtum“ beschrieben.

Schroeder, der Pianist in den Peanuts-Comics von Charles M. Schulz, sucht nicht die Zuneigung Lucys, sondern die des verehrten Komponisten. Vor seiner Büste strahlt er: „Er hat mich angelächelt.“ Die Aufgabe des BEEETHOOVEN-Projektes in der Neuen Galerie sollte sein, dieses Lächeln, diese Zuneigung zu erzeugen, Bilder zu zeigen, die der Vergöttlichung entgegenlaufen, die sie ad absurdum führen.

Das aufblasbare Denkmal, das Heinz Dunkelgold in einer vorläufigen Auflage von 50 Stücken hergestellt hat, kam gerade recht. Die ars pneumatica erlaubt das erleichternde Geräusch, das entsteht, wenn aus einem prallen Körper die Luft entweicht (anders die späteren Polyestergüsse von Otmar Hörl, die zu Unrecht Dauer beanspruchen).

Otto Dressler dachte an jene, die die Konzertsäle bevölkern, um andächtig der 67. Vorführung der Mondscheinsonate zu lauschen. Sie sollten auf hellblauen Tiefzieh-PVC-Sitzbildobjekten Platz nehmen, die mit Kopf und Hörrohr Beethovens reliefiert waren: dem Genie nahekommen, auf ihm sitzen, es besitzen. Im Ballsaal des Alten Kurhauses wurden sie vorgeführt und Beethoven in ein andauerndes Gespräch mit dem Publikum gezogen. 4.000 Fragebögen sollten Auskunft geben, wie Menschen 1970 auf die Erbschaft schauen, die er zurückgelassen hat. Seine Figur durchdringt heute alle Schichten der zeitgenössischen Weltkultur. Er ahnte nicht, dass er sie demokratisieren würde.

Höhepunkt der Ausstellung waren der Film „Ludwig Van“ von Mauricio Kagel und seine Requisiten. (Fortsetzung folgt)

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