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Kunstwechsel

„Botanische“ Kunst

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„Botanische“ Kunst – Jan Hendrix im Bonnefantenmuseum Maastricht

Noch heute entdecke ich zwischen alten Liebesbriefen getrocknete Blumen und blättere bewundernd durch Bücher, die Kupferstiche von exotischen Pflanzen und Insekten zeigen. Maria Sibylla Merian und ihre zweijährige Reise nach Surinam 1700 sind für mich eines der großen Abenteuer der Kunst- und Naturgeschichte. Der 70-jährige Holländer Jan Hendrix, der seit 1978 in Mexiko lebt und arbeitet, hat dieser Kunst- und Naturgeschichte ein gegenwärtiges Echo geschaffen, das im Obergeschoss des Museums vielfältig schallt. Die Dokumentation von Pflanzen und Tieren in exotischen Ländern, die die Europäer bereisten, kolonisierten, beraubten, haben Fotografen übernommen, im Echo klingt diese Geschichte an, es scheint nicht mehr wichtig, welche Blätter in jenen Gebüschen wachsen, die ihnen auf den Doppelseiten großer Folianten gegenübergestellt sind – in Lithografien und Siebdrucken auf Papier und Goldfolien, signiert, nummeriert, bibliophile Schätze, in denen der Reichtum von Wäldern ausgestreut ist. An eine große Wand sind Hunderte von postkartengroßen Blättern mit Nadeln gepinnt, die die andauernde Arbeit des Grafikers vorführen – und dann öffnet sich ein dunkler Raum für 3 riesige Tapisserien aus Seide, Wolle und Chenille, die den Betrachter sanft in ein wucherndes Gestrüpp einrollen.

Ich hätte ihn im Umkreis von Shinkishi Tajiri, der Smeets Presse in Weert , des Agora Studios und der Jan van Eyck Akademie kennenlernen können, aber seit 1978 lebte er vor allem in Mexiko – und hat in diesem Jahr den höchsten Orden des Landes für seine Arbeiten erhalten. Große Arbeiten hängen in öffentlichen Gebäuden und folgen ihrem Zweck, an eine intakte, wuchernde Natur zu erinnern, die die Kolonisatoren zerstört haben und deren Reste es zu erhalten gilt. Die dekorativen Werte der Arbeiten treten in der Ausstellung in den Dienst einer Erinnerung – wie es war, als man nicht um den Erhalt der Ur- und Regenwälder bangen musste.

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