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Kunstwechsel

Tiere im Museum

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Prtfotmance Gerofrey Hendricks Stephen Varble im BallsaalKalendergeschichten – news – fake news

Lebende Tiger unter Fotoporträts von André Breton, André Breton, Filippo Tommaso Marinetti und Wladimir Majakowski

Die social media teilen Zustandsbekenntnisse, Kommentare zu Tagesereignissen, Berichte von Erlebnissen, politische Pöbeleien und Berichte über Kunsterfahrungen mit. spontan, improvisiert, und verlieren schnell ihre Aktualität – wie die Tageszeitungen. Deer „Trierische Volksfreund“ erschien1875 zuerst 3x wöchentlich, später täglich. Der „Rheinländische Hausfreund“, der Johann Peter Hebels Kalendergeschichten 1803-14 verbreitete, war dagegen ein Jahreskalender, der die Stunden-Aktualität der social media auf die Dauer von Jahren verlängerte. Nachrichten wurden Literatur.

 

  1. Kalendergeschichte Lebende Tiere im Museum

 

Ein Aufseher im Aachener Zoo erzählt: Heute rangelte ein 4-jähriger lebhaft mit den Ziegen, als sei er mit ihnen vertraut. Sein alter Vater kannte den Zoo, er hatte 1977 die Affen gebeten, ihren Käfig für den amerikanischen Künstler Alan Sonfist zu räumen, der sich dort einen Tag lang ebenso nackt wie sie damit aufhielt, einen freundlichen Blick auf die Nachbarn zu werfen, die ihm neugierig zuschauten. sich zu rasieren, die Zeitung zu lesen und mit Zuschauern zu plaudern, Der alte Mann erzählte mir von den Tieren, die er in seinen Museen gepflegt hat – in Museen moderner Kunst. Künstler brachten sie mit, oder er musste sie suchen: für den Norweger Geoffrey Hendricks 1972 20 weiße Mäuse. Der saß 3 Stunden lang im Ballsaal des Alten Kurhauses in der Neuen Galerie auf einem 150 cm hohen schwarzen Erdhügel und lass in einem Buch des fluxus-Vaters Dick Higgins (nehmen wir an in: foew & ombwhnw: a grammar of the mind and a phenomenology of love and a science of the arts as seen by a stalker of the wild mushrooms, Something Else Press, New York, 1969), während sein Freund Stephen Varble, mit einem Talar aus aneinandergeknüpften Holzshreds bekleidet, um den Erdhaufen tanzte. Hendricks trug einen schwarzen Frack. Vorsichtig und langsam krochen die Mäuse aus Jacken- und Hosentaschen, Ärmeln und Hosenbeinen. Und langsam nahmen die Anwesenden sie wahr, entzückt, gerührt, erschreckt, ratlos. Auf dem Marmorboden des Saals entstand eine bewegliche Zeichnung aus weißen Schleifen zu seinen Rändern und Ausgängen hin.  Im Keller vermehrten sie sich. Das Personal stellte Fallen auf.

 

Weißen Mäusen folgten weiße Tauben in großen weißen Käfigen, die an großen weißen, farbig akzentuierten Bildtafeln hingen. Roger Raveel hatte sie im Saal installiert (sie sind noch heute in seinem Museum in Machelen zu sehen), die weißen Stuccaturen des Festsaales ergänzten „himmlische“ Dekorationen, die die Luft zart bewegten und gelegentlich gurrten.

 

Ihnen folgten gemusterte Schlangen, die eine Künstlerin für eine Performance nutzte …und Tiger. Der alte Mann hat sich allerlei Ärger aufgeladen, als er lebende Tiger in sein Museum einlud. Für die Ausstellung „Fluchtpunkt Moskau“ hatte der junge russische Künstler Anatoli Osmolowski, berüchtigt für seine Aggressivität, 1994 vorgeschlagen, 3 lebende Tiger in einem Raum mit 3 „Tigern“ der europäischen Kunstgeschichte zu konfrontieren:  André Breton, Filippo Tommaso Marinetti und Wladimir Majakowski, revolutionäre Väter des Surrealismus und Futurismus in Paris, Mailand und Moskau. Es schien aussichtslos, sein Projekt zu realisieren, bis der Alt Breiniger Künstler Win Braun den Freund Althoff ansprach, der seinen Zirkus in Vennwegen im Winterquartier hütete. Die „Kapelle“ im Forum ist ein geeigneter großer Raum mit einem engen Eingang, der leicht zu vergittern wäre. Herrn Althoff machte es Spaß, das Wagnis des Transportes und dreitägigen Aufenthalts einer Tigerfamilie in einem Museum einzugehen. Die Tiger fühlten sich wohl. Die warme Bodenheizung des Parketts gefiel ihnen, und ab und zu sprangen sie zu den 3 Großfotos der Revolutionäre hoch und versuchten sie abzukratzen. Das Publikum drängelte sich am Gitter. Der Sammler Ludwig stimmte gern zu, dass ein lebender Tiger denn doch interessanter ist als ein gemalter.

Der alte Herr endete seine Karriere im Ludwig Forum nicht mit lebenden, sondern ausgestopften Tieren: Löwe, Nilpferd, Wasserbüffel, Wildschwein, Hirsch, Bär, Zebra. Sie tragen die Arche Noahs der Künstlerin Christiane Möbus. Sie nennt sie „Auf dem Rücken der Tiere“.

 

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