Beckeraachen

Kunstwechsel

Geschenkt – Gesammelt

Ein Kommentar

G E S C H E N K T – G E S A M M E L T

Die Ausstellung im Stadtbad Aachen mit den Fotoarbeiten Aachener Künstler werden wir am 13. Oktober beenden. Die Beteiligten freuen sich, dass die Werke noch einmal auf sie aufmerksam machen. K ü n s t l e r   s o l l t e n   s i c h   d a r a n   g e w ö h n e n, i h r e   W e r k e   z u   v e r s c h e n k e n .

Auktionshäuser, Kunstmärkte und Galerien haben den Selbstzweck von Kunstwerken, Geld wert zu sein, in inflationäre Höhen getrieben, in denen  mit Millionen gerechnet wird – ein Spekulationsspiel, das in Zoll-Lagern stattfindet und an die erstaunlichen Eigenarten des Reliquienhandels im Mittelalter erinnert. Das, was ihre Protagonisten Kunst nennen, entfernt sich zunehmend von dem wachsenden Feld einer anderen Kunst, deren Geldwert

peripherisch gegenüber ihrem Wert als Geschenk, als Tauschobjekt, als Ereignis, als Erinnerung, als Einladung zur Teilnahme ist. Diese Kunst ist nicht notwendigerweise ein Handelsobjekt wie das eines Schuhmachers, sondern Teil einer Industriegesellschaft, in der die Unterscheidung zwischen Originalen, Repliken, Abzügen, Kopien, Auflagen, Drucken und 3D-Drucken unscharf geworden ist. (Unter den Fotos, die mir geschenkt worden sind, sind Abzüge von Negativen, die unauffindbar geworden sind, ebenso wie Pressefotos und Drucke).

Es ist mir nicht gelungen, eine Ausstellung in Aachen zu organisieren, die Christian Boltanski 1995 in London und 2015 in Paris realisiert hat: T A K E   M E ( I´M   Y O U R S ): ein Ausstellungsmodell, das nicht umsonst in der Pariser Münze stattfand, weil es den Tausch und das Teilen in seinen Mittelpunkt stellte. Es war mit einer Google app verbunden und erlaubte Besuchern, die Ausstellung zu verändern, Gegenstände auszutauschen, mitzunehmen, durch andere zu ersetzen. Etliche der 30 beteiligten Künstler blieben während der Ausstellung anwesend, ergänzten ihre Angebote. Ein Schriftsteller meldete jeden Tag die Veränderungen in Instagram. Das Modell sollte fortgeführt werden.

Wie viele Künstler häufen Werke in der Hoffnung an, sie eines Tages veräußern zu können, fürchten um ihre Existenz nach ihrem Ableben, sind aber zu geizig, ihr Lebenswerk in einem gut ausgestatteten Oeuvre-Katalog zusammenzufassen und Objekte ihren Freunden und Museen als Geschenke anzubieten? Das System der Verteilung von Kunstwerken zwischen Autor, Galerie, Sammler, Museum ist erstarrt und angesichts der zunehmenden Zahl von Künstlern und ihren Angeboten hilflos überfordert. KÜNSTLER MÜSSEN SICH DARAN GEWÖHNEN, IHRE WERKE ZU VERSCHENKEN:

 

 

Paris

Ein Kommentar zu “Geschenkt – Gesammelt

  1. Erinnert ein wenig an die berühmte Schere von arm und reich. Bin ich mit meinen Werken im Rennen darum Inverstitionsobjekt zu werden oder nicht? Ich stimme zu dass wir da neue Formen entwickeln müssen. Ein Banksy mit seinen symbolischen Aktionen reicht da nicht.

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