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Kunstwechsel

Filmstills – Standfotos

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F I L M S T I L L S – S T A N D F O T O S

1974, als Richard Nixon in der Watergate Affäre zurückgetreten war und Gerald Ford ihn ersetzt hatte, bereitete sich der Republikaner Ronald Reagan, Gouverneur von Kalifornien, darauf vor, Präsident der Vereinigten Staaten zu werden. (Es gelang ihm erst 1981). Einer seiner Spitznamen war „The Great Communicator“ für seine rhetorische Leistung, große Menschengruppen zu gewinnen. Damals gelangte ein Foto auf meinem Schreibtisch in der Neuen Galerie, das in New Yorker Künstlerkreisen zirkulierte (ich denke, dass Gordon Matta-Clark es mitgebracht hatte) und das ich halbwegs lustig fand: ein Standfoto aus einem alten Hollywood-Film – wahrscheinlich Nathan Jurans „Hellcats of the Navy“ – „Höllenhunde des Pazifik“ von 1957), auf dem eine junge Frau dem Mann neben ihr den Mund zuhält: dem Filmschauspieler Ronald Reagan. Das alte Standfoto war in die Hände der Sympathisanten der Demokratischen Partei geraten, die dem „Großen Kommunikator“ misstrauten. Was ich halbwegs lustig fand, musste sie hellauf begeistern: eine Frau, seine Frau Nancy, die ihn zu reden hinderte.

Standfotos waren Werbemittel der Filmgesellschaften und Objekte leidenschaftlicher Sammler, die sie unter vielen anderen Fotos in großstädtischen Agenturen fanden. Dort waren sie ebenso wie die Kupferstiche, Radierungen und Lithografien in den Cabinets d´ Estampes nicht nach Autoren, sondern nach ihren Sujets (Schlachten, Wasserfälle), Gattungen (Marinen, Alpen) oder Personen (Ingrid Bergmann, Liselotte Pulver, Rock Hudson) geordnet. Unter Umständen war der Witz der Szene, den dieses Foto wiedergibt, schon in den 50er Jahren, als keiner der Beteiligten zu Hollywoods Stars gehörte,  stark genug, um es als Werbemittel einzusetzen; die ausdruckslose Erstarrung, in der die vier Beteiligten geordnet aus dem Zimmer schauen, ist nicht ohne Komik. Aber als die Wahl Reagans zum Präsidenten bevorstand und die Medien über die Eigenarten Nancy Reagans und den bestimmenden Einfluss auf ihren Ehemann berichteten, gewann das Standfoto ein unvorhergesehenes Gewicht. Es wurde zum Werbemittel seiner Gegner. Ronald Reagan ist bis heute der meistgeliebte Präsident der Republikaner. Das Bild Amerikas als einer leuchtenden Stadt in seiner Abschiedsrede wird gern zitiert:

“I’ve spoken of the shining city all my political life, but I don’t know if I ever quite communicated what I saw when I said it. But in my mind it was a tall proud city built on rocks stronger than oceans, wind-swept, God-blessed, and teeming with people of all kinds living in harmony and peace, a city with free ports that hummed with commerce and creativity, and if there had to be city walls, the walls had doors and the doors were open to anyone with the will and the heart to get here. That’s how I saw it and see it still …”.

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