Beckeraachen

Kunstwechsel

Polizist als Fotograf

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P o l i z i s t   a l s   F o t o g r a f – Arnold Odermatt

Als ich auf der Suche nach allen Fotografen, die 1981 sich in der Fotoausstellung der Neuen Galerie vorstellten, an der Mosel wiederfand, war er Arzt geworden und bot mir an, zu seinen alten Fotos einige neue aus der Sphäre seiner medizinischen Arbeit zu zeigen. Er gehörte einem Fotoforum an, und ich verstand, dass er dort ausstellte.

Eigentlich habe ich nur einen entdeckt, den sein Beruf genötigt hat, als Fotograf zu arbeiten: den Schweizer Polizisten Arnold Odermatt. Als er 1990 pensioniert wurde, suchte ich Bilder von Volkswagen, um ein Geschenk für Peter Ludwig zu seinem 70. Geburtstag vorzubereiten. Warum hatte er seine Pop Art Sammlung mit Tom Wesselmanns Bild eines Volkswagens begonnen? Das Buch sollte heißen „Ein deutscher Sammler – ein deutsches Auto“ – und würde Abbildungen Odermatts von „Karambolagen“ in den Alpen enthalten.  Ich hatte sie in seinem Buch „Meine Welt“ 1993 entdeckt. Odermatt war als Bäcker und Konditor ausgebildet und hatte sich, als er 1948 in die Polizei eintrat, das Fotografieren mit einer Rolleiflex beigebracht und seine Dunkelkammer in der Toilette der Polizeistation in Stans eingerichtet. Als Oberleutnant der Kantonpolizei trat er 1990 in den Ruhestand und schickte mir großzügig ein Dutzend Abzüge. Harald Szeemann stellte diese Fotos 2001 in der Biennale von Venedig aus, Präsentationen in Chicago und Winterthur und viele andere folgten.

Das Unfallprotokoll fordert ein Foto, das die Schäden sichtbar macht, also Nahsicht und Schärfe, aber Odermatt fotografierte viel mehr, als gebraucht wurde, und sein Humor ließ zu, die Komik von Zusammenstößen sichtbar zu machen und die Tragik eines ins Wasser gestürzten Wagens romantisch zu staffieren. Offenbar waren in seinem Kanton häufig Volkswagen in Unfälle verwickelt. Er muss sie geliebt haben.

Die Fotos hat sein Sohn Urs, Filmregisseur, entdeckt, ausgewertet und bekannt gemacht. So beginnt seine Ausstellungsgeschichte nicht vor 1993. Sie hält bis heute an.

Kunsthistoriker haben Henri Rousseau, der bis zu seiner Verrentung ein Zöllner in Paris war, den Vater der Naiven Malerei genannt und eine Stilbezeichnung geschaffen, die bis heute gebraucht wird. Ist Odermatt ein naiver Fotograf? Anders als Rousseau hat er als Polizist fotografiert und ist nach seiner Pensionierung mit den Fotos seiner Berufsarbeit bekannt geworden. Haben die Forderungen seines Berufs, die Definitionen eines fotografischen Unfallprotokolls seinen Fotos einen Stil bestimmt, der mit dem anderer Polizeifotografen vergleichbar ist? Gibt es andere Polizeifotografen?  Im Gegensatz zu Rousseau, der sich weniger von historischen Kunstwerken als von Farbpostkarten exotischer Orte anregen ließ, nennt Wikipedia den bekannten Magnum-Fotografen Werner Bischof, dem er zufällig, „ohne ihn zu kennen“ bei einer Patrouille begegnet sei. Hat er also Bilder anderer Fotografen gekannt? Eine kleine Bibliothek besessen?  Die nüchterne Perfektion seiner Fotos und ihre klare Komposition tragen zu ihrer Faszination sicher ebenso bei wie die Konzentration auf ein Thema:  die beschädigten Ikonen der Autoindustrie in der Kulisse der alpinen Berglandschaft.

 

Odermatt

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