Beckeraachen

Kunstwechsel

Der Poet als Fotograf

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D E R   P O E T   A L S   F O T O G R A F – ALGIRDAS MILLERIS

Als die Neue Galerie in die Brauersche Schirmfabrik umzog, hatte der Architekturfotograf Algirdas Milleris den alten Zustand dokumentiert und begann mit Aufnahmen des Ludwig Forums. 1992 erschien das Buch und enthielt nichts von den Aufregungen und Anstrengungen, von denen sich jetzt alle Beteiligten ausruhten, sondern zeigte die klare Schönheit des renovierten Gebäudes aus den 20er Jahren. Der Mann aus Litauen war schon Berufsfotograf und Filmer, ausgebildet in der Bundesfachschule Hamburg, als das Architekturbüro Weber & Brandt ihn 1970 beauftragte, den Bau des neuen Klinikums zu dokumentieren. Bis heute ist er für Architekturfachzeitschriften und Bildbände beschäftigt. Mit seiner Hasselblad-Kamera hat er den Bau des großen Krankenhauses, die Umwandlung des Ludwig Forums und den Niedergang der Steinkohle in und um Alsdorf dokumentiert und 1999 mit Anni Perissel das große Buch „Bunker. Gegenbilder eines Mythos“ publiziert. Das barg ein Risiko, denn 1992 war die deutsche Ausgabe „Bunker-Archäologie“ mit einem aufregenden Text und themenbezogenen Schwarz-Weiß-Fotos („Anthropomorphie und Zoomorphie“) von Paul Virilio erschienen, ein Buch, das alle besaßen, die 50 Jahre nach dem Kriegsende den Atlantikwall zwischen Spanien und Norwegen besuchten. (Ich arbeitete mit 25 Künstlern an den Bunkern Jütlands in dem Projekt “Friedenslinie“).

Anni Perissel erlaubte Milleris, Gruppen von Fotos Zitaten von Dichtern wie Mallarmé, Tucholsky und Novalis folgen zu lassen, die Bunker als zeitlose Monumente in nebelbedeckte Hügellandschaften zu setzen, Monolithe, die sich langsam den Fluten des Ozeans ergeben. Virilio dagegen blieb so nahe an der Geschichte, dass er die Anweisungen Hitlers zu den Bunkerbauten publizierte.

In der Ausstellung GESCHENKT – GESAMMELT von Wolfgang Becker. FOTOS AACHENER KÜNSTLER 1975-2018 im STATDTBAD AACHEN am Blücherplatz hängt „Isle of Man“, eine Serie von 5 kleinen Fotos von 1981. Ich lese sie wie die Geschichte einer Person, die durch ein Fenster auf eine Erinnerung schaut: eine karge Insel, ein Dampfer, ein Zaun, ein Kreuz, ein Friedhof. Allen Fotos von Milleris ist eine melancholische Stille gemeinsam, die sich mühevoll gegen den Lärm des Lebens durchzusetzen versucht.

 

 

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