Beckeraachen

Kunstwechsel

Fotos von Bildhauern

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F O T O S   V O N   B I L D H A U E R N   –   W O L F G A N G   N E S T L E R

 

Der Bildhauer sieht Räume, der Fotograf Flächen. Der fotografierende Bildhauer wird Objekte suchen, die sich ihren Raum auf der Fläche der Projektionen erhalten.   Constantin Brancusi war so besorgt um seine Skulpturen in Fotografien, dass er nur seine eigenen Fotos von ihnen für angemessen hielt. Seine Kleinbildkamera sei mittelmäßig, und für die Vergrößerungen seiner Schwarz-Weiß-Aufnahmen verwende er billiges Fotopapier, sagt der Bildhauer Wolfgang Nestler. Unter den Fotos, die er mir zurückgelassen hat, zeigt nur eins eine seiner Skulpturen inmitten einer Hochebene der Eifel. Dort, in Kalterherberg, hat er sich ein altes Fachwerkhaus neu gebaut und seinen Lehrer Erwin Heerich in Düsseldorf gebeten, ihm ein Atelier zu entwerfen. Und dort ist er mit seiner Kamera gewandert.

Nestler ist immer Kräften, Energien nachgegangen, die sanft sichtbar werden – in einem Eisendraht im geöffneten Kreis an der Wand, der sich langsam senkt, an einer senkrechten Stange, die sich drehend einer Windfahne folgt – Gravitation, Ponderation, still beobachtet, kaum gelenkt; es versteht sich, dass der Spaziergänger in der Eifel die monumentalen historischen Hecken in den Dörfern entdeckte, die wie blockhafte Skulpturen zugeschnitten sind, und diese neuen Abflussbecken, -wannen und -teppiche aus unzähligen 6-eckigen Betonziegeln, die sich den Wellen der kargen Hügel anschmiegen. Sie alle bieten Blicke in große Räume und erzählen von Wind, Regen und plätscherndem Wasser.

Diese Fotos sind vor 50 Jahren entstanden, wir haben sie 1981 in der Neuen Galerie ausgestellt – mit einem eigenen Katalog in einer Reihe, die mit   Barbara und Michael Leisgen begann und 1983 mit dem „Song of Joy“ von Wilhelm Schürmann und Martin Kippenberger endete. 1977 hatte die Kasseler documenta zum ersten Mal Fotografien in ihr Programm aufgenommen, in Aachen war mi dem „Lichttropfen“ die 1. Fotogalerie entstanden. Die Kunstwelt hatte sich entschlossen, die Fotografie ernst zu nehmen. In der Neuen Galerie hingen die gemalten „Eifellandschaften“ von Gerhard Richter, die wie Fotos aussahen, in den Fotos der Leisgens öffnete die Rückenfigur Barbaras den Blick auf die Höhen der Eifel, und in der Ausstellung Wolfgang Nestlers  erkannten Besucher die Becken in Titz und die Hecken in Kalterherberg. Inmitten einer internationalen Welt von Künstlern begegnete ich dem schwierigen Wort Heimat.

 

Er fotografierte Alltagsgegenstände, die ihn in der Eifel umgaben, so, als wären sie Skulpturen, er sah sie als Bildhauer und hatte kein anderes Interesse, als ihnen in seiner Bildhauerfantasie einen Wohnort zu schaffen.

 

Verspannungen und Tore, Fontaine-Lavaganne (Frankreich) und Dedenborn (Eifel), 1976

Auffangbecken Titz, 1977

Hecken am Messeweg Kalterherberg, 1979

 

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