Beckeraachen

Kunstwechsel

EXPEDITIONSFOTOS

Hinterlasse einen Kommentar

E X P E D I T I O N S F O T O S

Astrid Brock, Anne Gold und ich flogen 1981 an den Strand von Cancun, langweilten uns und benutzten öffentliche Verkehrsmittel, um über Chichen Itza bis nach Teotihuacan vorzudringen. Anne fotografierte leidenschaftlich. Anne ist Fotografin, LICHTBILDNERIN – Lehre in einem fotochemischen Labor, in einem Studio für Porträtfotografie – Gesellenprüfung. Ich lernte sie durch Ann Münchow kennen, der sie half, die Kunstwerke der Aachener Museen zu dokumentieren. Wir wurden Freunde.

In Mexiko erstaunte mich die Fotografin Sie kann wohl keine Reise machen, ohne zu fotografieren. Die linke Hand vor dem Auge, die rechte am Auslöser, der Click, die Last der Utensilien bei Wanderungen weisen sie aus.  Sie war zufrieden, uns, die wir schwerfüßig die Stufenpyramiden von Palenque emporkletterten, zu fotografieren, aber die Ergebnisse ihrer Arbeit schienen sie nicht zu interessieren.  Jahrelang habe ich sie gefragt, wann das Buch über Mexiko erscheint. Sie hat die Filme nicht einmal entwickelt. Vor einigen Wochen erst hat sie uns zwei Abzüge geschenkt. Ab und zu macht sie sich die Mühe, aus ihrem großen Archiv Negative herauszusuchen, abzuziehen, in Serien zu verbinden und in kleinen Mappen oder Schatullen herauszugeben und Freunden zu schenken.

1994 war ich mit Sonja Benzner und Anne Gold in Havanna, um die Übernahme der Biennale nach Aachen vorzubereiten. Anne fotografierte, das Centro Wifredo Lam und das Dürener Leopold-Hoesch-Museum stellten 1996 und 2001 die Fotos aus. Sie widerspiegeln die Faszination, die wir Mitteleuropäer in dieser heißen, ruinösen, musikerfüllten karibischen Stadt empfanden.

Smartphone-Fotografen ebenso wie Besitzer hochauflösender Digitalkameras blicken nostalgisch auf die zurück, die in der Dunkelkammer dem Wunder zusehen, das sich in der Entwicklerwanne ereignet, wenn das Objekt, das der Apparat aufgenommen hat, endlich erscheint und ein Abbild wird, das schöner ist als das Bild, das es wiedergibt. Die digitale Revolution hat auch Anne Gold überrollt. Aber ihre Lebensarbeit gewinnt einen historischen Wert, der bei zunehmender Distanz nicht abnimmt, sondern wächst.

1976 habe ich Fotos von Anne Gold zusammen mit denen von Klaus Herzog und Wilhelm Schürrmann in der Neuen Galerie ausgestellt. Im Katalog schrieb ich: „Anne Gold ist besorgt, dass ihr Beitrag (…) sie festlegen könnte. Sie hat Angst vor Ausstellungen. Sie weiß nicht, ob sie einen eigenen Stil hat. Die Qualität ihrer Fotos liegt ihrer Meinung nach in ihrer Aussage. Diese Aussage darf nicht witzig sein, ihr Gegenstand nicht originell, sie sucht nach ernsteren Zusammenhängen, nach Bedeutungen. Sie spricht nicht gern darüber.“

Abb. Havanna 1994

 

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s