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Kunstwechsel

Kokerjoufrouwen -Köcherfliegenlarven

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KOKERJUFFROUWEN – KÖCHERFLIEGENLARVEN
Dieses Foto ist eines aus einer Serie KLEINE BOUWMEESTERS des Maastrichter Künstlers Felix van de Beek, die er 1982 im Stadhuis Heerlen zeigte. Der Kokon dieser Larven hat den Fliegen, die sie entstehen lassen, den Namen gegeben: Köcherfliegen. Sie leben nicht länger als 4 Wochen auf fließenden Gewässern, und ihre Weibchen lassen ihre befruchteten Eier im Wasser versinken, Aus diesen Eiern schlüpfen am Boden der Flüsse Larven, die, bevor sie sich verpuppen, 5x ihre Häute wechseln. Und diese Häute bauen sie mit Spinnsekreten zu Röhren aus.
Felix van de Beek hat eine große Zahl von Köcherlarven in den Bächen und Flüssen Limburgs gesammelt, als er entdeckte, dass die kleinen Tiere nicht nur Steine, Hölzer und andere Naturalien zum Bau ihrer Köcher verwenden. Er lud sie sozusagen in einen ästhetischen Diskurs ein, indem er ihnen Perlen, Pailletten, farbige Glasscherben, Knöpfe und Plastikschnipsel auslegte. Ihr Sinn für Schönheit, Schmuck, ihre „Eitelkeit“ sollte der Titel der Serie schmunzelnd andeuten: „Kokerjuffrouwen“. Mit einer Makrokamera hat er ihre Arbeit aufgenommen. Der Abzug misst 48 x 57 cm.
Als ich ihn kenn lernte, arbeitete er mit orientalischen Kampffischen, die sich durch die transparenten Wände von Aquarien gegenseitig beobachteten. Frösche und Mückenlarven wird man ebenso in seinem Oeuvre finden. Aber das erste Werk, mit dem er in der Euregio Rhein-Maas Aufmerksamkeit erregte, war die leuchtend farbige Bemalung der Siegfriedlinie 1969. Auch hier sollte die Schönheit der Erscheinung über einer Substanz sichtbar werden, die nicht frei von dunklen Erinnerungen ist – oder, so bei den Köchern, einen Überlebenskampf schildert.
4 Wochen leben die Larven unter Wasser, schneiden dann ihre Köcher auf, schwimmen und kriechen als Puppen zum Ufer, entlassen vorsichtig die Fliegen, die ihre Flügel ausprobieren und sich mit vielen anderen zu Schwärmen vereinen, die wie dunkle Wolken über den Flüssen schweben. Paarungs- und Schlupfschwärme entstehen, wenn Millionen der Fliegen sich synchron aus ihren Puppen befreien und in einem gewaltigen Tanz vereinen. Der belgische Cineast Thierry Knauf hat 2015 einen solchen Lebens- und Todestanz über der Theiss in Serbien in einem meisterhaften Schwarz-Weiß-Film dokumentiert: 50 Minuten lang schaut ein Mädchen am Ufer dem Wind, dem Rauschen der Büsche, dem Erwachen einzelner Fliegen in den Puppen, dem Strecken der Flügel, den ersten Häufungen, den wachsenden tanzenden Schwärmen, ihrer Auflösung, ihrem Sterben zu. Mich hat der Film so bewegt, dass ich erst beim Sterben verstand, dass diese nicht Köcher-, sondern Eintagsfliegen waren: so heißt auch der Film VITA BREVIS – das kurze Leben.

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