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Kunstwechsel

Schamanen in Canberra

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SCHAMANEN IN CANBERRA
1987 reiste ich durch Australien und sammelte alles, was ich zur Kunst der Aborigines finden konnte. In Canberra hatte die Nationalgalerie 1981 ein Werk von Joseph Beuys aus der Ausstellung der Anthony d´Offay Galerie erworben ‘Stripes from the house of the shaman 1964–72’, und Beuys hatte es 1982 installiert. Der Kurator Ben Taylor folgte aufmerksam den Anweisungen des berühmten Gastes. Der Torbogen sollte aus altem unregelmäßig gebogenem Holz (in Erinnerung an den Baum) ohne Nägel, mit Keilen gezimmert sein, die 7 ungleich langen Filzstreifen, die durch das Tor laufen, sollten weich, gerade und mühelos ausgelegt erscheinen, als wären sie von dem Holzstück im Hintergrund abgerollt. Eine Filzrolle vor dem Mantel des Schamanen umgibt eine schwere Kupferstange. Im Mantel fand der Kurator ein Stück von Beuys beschriftetes Papier. Man übersetzte es. Es handelte von freier Erziehung.
5 Jahre später war die Installation in die Sammlung versetzt, und ich wr fasziniert, sie in Nachbarschaft eines anderen Environments zu sehen „Flying Foxes“, die Arbeit eines unbekannten Künstlers aus Queensland von 1962, die eine große Gruppe von hängenden, Fuchsschwänzen nachempfundenen, festreiften Holzfiguren verschiedener Größen zeigt, die an einem Balkengerüst, einem anderen „Torbogen“ hängen. Dazu gehört die Geschichte eines Tanzes von 2 Ahnen, die von der Jagd mit Füchsen zurückkehrten, die an ihren Stöcken hingen. Es gelang ihnen nicht, diese. Füchse zu kochen; ihre Ehre war von einem todbringenden Tabu beschützt. Das Bild der „hängenden Fuchsschwänze“ ist durch die Geschichte, die es begleitet, ungleich näher an einem schamanistischen Ritual als das karge, kürzelhafte Bild des „Priester“-Mantels und des Gerüstes einer „Hütte“, aus der die Filzstreifen wie Wege herausführen.
Als ich vor diesen beiden Stücken stand, habe ich den australischen Kurator, der diese Begegnung inszeniert hat, bewundert. Er hatte versucht, der Fantasie eines ihm nahen, aber unbekannten Künstlers so zu folgen, dass ihm möglich wurde, ihre Verwandtschaft zu der des Düsseldorfer Schamanen, der ihm fern war, zu empfinden. Mir ist die Arbeit des Unbekannten ebenso stark im Gedächtnis geblieben wie die von dem, den der Berichterstatter in Canberra einen „Gott“ nannte.

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