Beckeraachen

Kunstwechsel

Multiple

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K U N S T A B C
1973 -77 habe ich unter diesem Titel 173 Texte in der Aachener Volkszeitung publiziert. Den einen oder anderen redigiere ich jetzt, um auf mich und eine andere Epoche der Kunst- und Weltgeschichte zurückzuschauen.
KUNST ABC AVZ 26. 10. 1974
M U L T I P L E
Die Reproduktion eines Kunstwerkes erhält dem Original, das reproduziert wurde, seinen Eigenwert, die Reproduktion ist nicht mehr als eine Kopie. Dagegen besteht ein vervielfältigtes Kunstwerk aus der Zahl seiner Wiederholungen. Modelliert der Künstler einen Druckstock, so sind alle Drucke Originale und ihr Wert nimmt nur ab mit der Anzahl, die er druckt. Der modellierte Druckstock ist altertümlich; Maschinen ersetzen ihn. Der Künstler füttert sie mit Daten, die Maschine stellt die Zeichnung, das gemalte Bild, die Skulptur her – einmal: ein Original, tausendfach: ein Multiple.
Laszlo Moholy-Nagy hat um 1930 telefonisch Daten weitergegeben, nach denen ein Techniker eine Farbzeichnung hergestellt hat – eine abstrakte geometrische Komposition. Er ging nicht davon aus, dass viele Menschen sich dafür interessierten; das Blatt wurde kein Multiple. Aber es war ein industriell hergestellter Gegenstand, den ein Künstler entwarf, ohne ihm Zeichen seiner subjektiven Handschrift mitzugeben. In den Gruppenstilen des Konstruktivismus und der Op Art sind etliche solche 2- oder3-dimensionalen Multiples entstanden. Und der Souvenirmarkt hat eine Fülle von Kunst-Nippes produziert,
Es kann genügen, dass ein Künstler gestattet, Gegenstände herzustellen, die so aussehen, als wären sie von ihm. Das bekannteste Beispiel der 60er Jahre ist ein Papierkorb aus Plexiglas, den man bei der Edition M. A. T. erwarb und mit beliebigen Büroabfällen füllte. Erst dann war der französische Künstler Arman bereit, ihn zu autorisieren. Denn mit solchen mit alten Milchkannen oder zerbrochenen Celli oder anderem Kulturabfall gefüllten Behältern war er bekannt geworden. Die Konzeptkunst und viele neue Techniken der Vervielfältigung haben dazu beigetragen, den Wert von eigenhändig hergestellten unwiederholbaren Kunstobjekten zu vermindern – oder aber als Raritäten unermesslich zu steigern.
Abb. Arman, Poubelle, Mülleimer, Edition MAT, 1964

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