Beckeraachen

Kunstwechsel

De Stijl

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K U N S T A B C
1973 -77 habe ich unter diesem Titel 173 Texte in der Aachener Volkszeitung publiziert. Den einen oder anderen redigiere ich jetzt, um auf mich und eine andere Epoche der Kunst- und Weltgeschichte zurückzuschauen.
Kunst ABC AVZ 12. 1. 1974
D E S T I J L
Der Konstruktivismus hat die europäische Kunst in der 1. Hälfte des 20. Jahrhunderts belebt – zuerst im Jahr der Oktoberrevolution 1917 in Russland und in den Niederlanden. 1917 gab Theo van Doesburg in Leyden die erste Nummer der Zeitschrift „De Stijl“ heraus. Im Manifest heißt es: „Es gibt ein altes und ein neues Zeitbewusstsein. Das alte richtet sich auf das Individuelle, das neue auf das Universelle. Der Kampf des Individuellen gegen das Universelle offenbart sich sowohl im Weltkrieg als in der Kunst unserer Zeit.“ Piet Mondrian, der bekannteste Künstler der Gruppe, schreibt: “Das Leben des heutigen Kulturmenschen kehrt sich langsam vom Natürlichen ab; Es wird schon je länger je mehr ein abstraktes Leben. Wo das Natürliche (Äußere) stets mehr automatisch wird, sehen wir des Lebens Aufmerksamkeit sich stets mehr inneren Werten zuwenden. Der wirklich moderne Künstler fühlt die Abstraktion des Schönheitserlebnisses heraus; er erkennt bewusst, dass das Schönheitserlebnis kosmisch, universell ist.“
Chronologisch beginnt das Oeuvre Mondrians mit Darstellungen eines Baumes. Sich vom Natürlichen (Äußeren) abwenden heißt hier, nach Grundformen des Baumes, einer mathematischen Gleichung suchen (man denke an die Gleichung des Wachstums in der Zahlenfolge des Leonardo Fibonacci von 1202: 1-2-3-5-8-13-21……), dem Goldenen Schnitt Euklids, um jenes kosmische, universelle Schönheitserlebnis zu erreichen. So sind seine Bilder präzise gemalte geometrisch gegliederte Flächen aus Linien und rechten Winkeln in den Primärfarben Rot, Gelb, Blau und den primären Nichtfarben Schwarz, Weiß und Grau. Eine solche Projektion einer neuen, ruhigen Ordnung der Welt mochten damals viele erwarten, und so können wir annehmen, dass das utopische Element in den 1. Ausstellungen dieser Bilder des puritanischen niederländischen Theosophen verstanden wurde, so wie auch das schwarze Quadrat auf weißem Grund von Kasimir Malewitsch zu gleicher Zeit in Moskau die Betrachter erregte.
Die starke Ausstrahlung der De Stijl-Bewegung hat weniger Mondrian als die Gruppe von Malern, Bildhauern und Architekten bewirkt, die ihr angehörte: Bart van der Leck, Theo van Doesburg, Vilmos Huszar/ Georges Vantongerloo/ Jacobus Johannes Pieter Oud, Robert Van t´ Hoff und Wils Ebert, Was bei Mondrian visionär eine utopische Ordnung sichtbar machte, wuchs bei ihnen zu einem zivilisatorischen Programm; von der Bauzeichnung einer Hausfassade zur Gestaltung der Innenräume und der Möbel, zum Vorgarten, zur Straße, zum gegenüber liegenden Haus, zur Siedlung, zur Stadt….. Die Architekten setzten in ihren Plänen Reihensiedlungen fort, wie sie in den Niederlanden seit dem 17. Jahrhundert bekannt waren, und arbeiteten in einem internationalen Netzwerk mit den Kollegen im deutschen Bauhaus zusammen. De Stijl wurde zum Markenzeichen einer Haus- und Siedlungsform.
Abb. Theo van Doesburg Privathaus axionometrisch 1923 Sammlung Het nieuwe Instituut Rotterdam

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