Beckeraachen

Kunstwechsel

Bauhaus 4 – Die Bühne

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K U N S T A B C
1973 -77 habe ich unter diesem Titel 173 Texte in der Aachener Volkszeitung publiziert. Den einen oder anderen redigiere ich jetzt, um auf mich und eine andere Epoche der Kunst- und Weltgeschichte zurückzuschauen.
Kunst ABC AVZ 26. 6. 1976
D A S B A U H A U S 4 D I E B Ü H N E
“Einige Leute glauben, dass Film und Rundfunk das Theater vollständig verdrängt haben, aber ist es nicht seine gegenwärtig so begrenzte Form allein, die veraltet ist, und nicht das Theater als solches?“ schrieb Walter Gropius und engagierte 1923 Oskar Schlemmer aus Stuttgart für die Abteilung Bühne, in der Lothar Schreyer das expressionistische Theater eingeführt hatte. Laszlo Moholy-Nagy übernahm gleichzeitig den „Vorkurs“ von Johannes Itten. Schlemmer und Moholy-Nagy konzentrierten ihre Gruppenexperimente auf das Theater. Ihre Ergebnisse, der Entwurf eines neuen Theaters, erschienen 1925 als Band 4 der Bauhaus-Bücher.
Schlemmer hatte 1919 begonnen, an seinem „Triadischen Ballett“ für eine Tänzerin und 2 Tänzer zu arbeiten, 12 Tänzen in 3 Abteilungen, fröhlich gelb die eine, festlich rot die andere und geheimnisvoll schwarz die dritte. Sie sollten 18 verschiedene Kostüme aus starren metallischen und wattierten Stoffteilen tragen. T. Lux Feininger über eine Abendveranstaltung: „Ich verfolgte den „Gestentanz“ und den „Formentanz“ ……Die Bühne, mit tiefschwarzem Hintergrund und Kulissen ausgestattet, enthielt magisch angestrahlte geometrische Gegenstände: einen Würfel, eine weiße Kugel, Stufen; die Schauspieler schritten, schlenderten, schlichen, trabten, stürmten, steppten, drehten sich langsam und majestätisch; mit bunten Handschuhen bekleidete Arme waren in grüßender Geste erhoben; …die kupfernen und goldenen und silbernen Knöpfe…waren zusammen gesteckt, flogen auseinander; die Stille wurde durch Flattern unterbrochen, das mit einem kurzen Sc hlag endete. Ein Crescendo dröhnender Laute gipfelt in einem Krachen, gefolgt von einer unheilverkündenden und bestürzenden Stille….“ Das konventionelle Theater, dem sich Schlemmer widersetzte, natte er „entweder drastisch erotisch oder artistisch outriert“. Er suchte ein abstraktes Theater, das von einem „Maschinisten“ bedient wird: „Alles Mechanisierbare wird mechanisert. Resultat: die Erkenntnis des Unmechanisierbaren.“ Seine Personifierung: „der Tänzermensch“, eine Symbolfigur; die vorgestreckte Hand bildet einen Stern, die verschränkten Arme auf der Brust formen das Zeichen für Unendlichkeit. Die stereometrischen Glieder folgen den Gesetzen der zeitlosen Geometrie.
Schlemmer und Moholy-Naby konnten aus dem Fundus der dadaistischen und futuristischen Theaterexperimente in Moskau, Mailand und Berlin schöpfen und versuchten in kurzer Zeit, mit ihren begeisterten Schülern ein „totales Theater“ zu entwickeln, eine „Aktionskonzentration von Ton, Licht (Farbe), Raum, Form und Bewegung“, die viele Künstler der Folgezeit inspiriert hat.
Abb. Oskar Schlemmer Inszenierung Bauhaus-Bühne Equilibristik. Szene II 1927, Foto 13,0 x 18,0 cm, Erich Consemüller Glasnegativ Pressebild der Stiftung Bauhaus Dessau

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