Beckeraachen

Kunstwechsel

Mohrenwäsche

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M O H R E NW Ä S C H E
Als Kunsthistoriker kenne ich etliche schwarze Afrikaner, die in Europa lebten, ich stand staunend vor dem Heiligen Mauritius, einem gewappneten römischen Legionär im Magdeburger Dom, von Shakespeare weiß ich alles über Othello, den venezianischen Admiral, und, um mehr über Puschkin zu erfahren, habe ich gelernt, dass sein afrikanischer Großvater ein russischer Generalgouverneur war. Ich habe Bilder gesehen, in denen feine Damen der reichen adligen und bürgerlichen Gesellschaft seit dem Beginn der Neuzeit in Venedig und anderswo sich mit schwarzen Gesellschafterinnen und Dienerinnen umgaben, um ihre helle Schönheit vor dem dunklen Charme ihrer Begleiterinnen hervorzuheben. Aber jetzt stand ich im Heinsberger Museum vor einem Bild von Carl Joseph Begas, das „Mohrenwäsche“ heißt. Das Wort steht für das lügnerische Reinwaschen von großen oder kleinen Verbrechen durch eine korrupte Justiz. Aber im Biedermeier, in der Frühzeit der Kolonisierung Afrikas, gab es offensichtlich eine humorige rassistische Vorstellung, dass die schwarze Hautfarbe unrein, schmutzig ist und abgewaschen werden könnte. Begas gibt dem Thema eine kokette Variante: die blonde nackte Schönheit ist ein heiteres Mädchen, das einen Schwamm in eine bronzene Schale getaucht hat und beginnt, einer schokoladenbraunen höfisch bekleideten Frau (seiner Amme?) das Gesicht zu waschen. Sie lagern auf einer Ottomane unter einer großen Draperie, ein Perserteppich führt den Blick in ein palastartiges Interieur.
Mich hat die Prüderie der Berliner Studenten erschreckt, die ein Gedicht nicht an der Hauswand ihrer Hochschule dulden wollten, das von der Bewunderung von Blumen und Frauen durch einen Mann handelt. Und mich hat erschreckt, dass ich das Wort Neger nicht benutzen sollte. Gebrannt durch die Epoche, in der ich jetzt lebe, in der Sexismus und Rassismus bekämpft werden, habe ich im Begas-Haus vor diesem Bild gestutzt Es irritiert, weil die „Mohrenwäsche“ einerseits ohne offensichtlichen Hintersinn auf die liebenswürdige Handlung zwischen gebadetem Mädchen und Amme reduziert und andererseits in ein bombastisches Palastinterieur verpackt ist, als wäre das Töchterchen des Malers eine Prinzessin am Hofe des Sardanapal. 20 Jahre später malte Edouard Manet die „Olympia“, in der die nackte weiße Kokotte provokant auf dem Diwan lagert, und die schwarze Dienerin aus dem Hintergrund den Blumenstrauß eines Verehrers präsentiert – und erregte einen Skandal. Begas musste seine „Mohrenwäsche“ mindestens 6x kopieren, und Theodor Fontane erwähnt das Bild in seinem Roman „L`Adultera“. Die Berliner Gesellschaft war entzückt.
Abb. Carl Joseph Begas d.Ä. Die Mohrenwäsche 1841 66 x 86 cm Heinsberg, Begas-Haus
http://www.begas-haus.de – Das Museum ist modernisiert überraschend gut in die Altstadt eingefügt, als kulturhistorisches Museum ausgezeichnet präsentiert, und um sein Café müssen es die Aachener beneiden.

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