Beckeraachen

Kunstwechsel

Bauhaus 3 Die Maler

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K U N S T A B C
1973 -77 habe ich unter diesem Titel 173 Texte in der Aachener Volkszeitung publiziert. Den einen oder anderen redigiere ich jetzt, um auf mich und eine andere Epoche der Kunst- und Weltgeschichte zurückzuschauen.
Kunst ABC AVZ 24. 7. 1976
B A U H A U S 3 D I E M A L E R
Walter Gropius, der Gründungsdirektor des Bauhauses, berief 1919 ein Lehrerkollegium aus Malern (nur er und sein Sozius August Meyer waren Architekten). „Kunst und Technik – eine Einheit“ sein Schlachtruf mochte ihnen nicht viel bedeuten, aber Gropius zeigte ein feines Gespür für die Wahlverwandtschaft ihrer Arbeit mit der Baukunst und ihre pädagogischen Neigungen. In dieser Phase der Wiederaufrichtung nach der Katastrophe des Krieges waren die anarchischen Formzertrümmerer, Expressionisten, Futuristen und Dadaisten nicht gefragt, die von Lenin verdrängten russischen Konstruktivisten wie El Lissitzki und Kandinsky kamen nach Deutschland, Gropius engagierte Kandinsky 1922, das Bauhaus bot denen, die Erfahrungen zu ordnen und auszuwerten suchten, einen experimentellen Ort der Freiheit.
Die ersten Maler, die sich hier trafen, waren sozusagen „Metaphysiker“: Paul Klees Lehrschema „Wege des Naturstudiums“ enthielt neben dem „optisch-physikalischen Weg der Wirklichkeitsaufnahme“ die „nicht optischen Wege kosmischer Gemeinsamkeit und gemeinsamer irdischer Verwurzelung“, „metaphysische Wege“. Die Schüler nannten ihn „den lieben Gott“. Kandinsky trat dagegen kühl als wissenschaftlicher Dogmatiker auf, und der Schweizer Johannes Itten, der der Mazdaznan-Tempel-Gemeinschaft angehörte, entwickelte im Vorkurs eine Farbenlehre, die weltweit bekannt geworden ist. Die Schule zog schnell viele Schüler aus aller Welt an, und sie bildeten mit ihren Lehrern eine Gemeinschaft, die sich gegen den Druck einer feindlichen Außenwelt in Weimar und in Dessau stärker noch zusammenschloss.
Die Zahl der „Anti-Metaphysiker“ wuchs mit Herbert Bayer, Josef Albers und dem Ungarn Laszlo Moholy-Nagy. Albers vollendete mit seinem „induktiven Unterrichtsverfahren“, das auf Material- und Raumstudien aufbaut, die Bewegungs- und Farblehren Ittens. Moholy-Nagy baute das „Totaltheater“ Oskar Schlemmers mit „lichtkinetischen“ Mitteln aus und bereitete mit seinen Studien über Schallplatten, Fotos, Filme und Typografie Materialien für die Kommunikationsforscher der 60er Jahre vor.
Die Maler Kandinsky und Klee, der Russe und der Schweizer, haben ihre Kulturen in das Bauhaus hineingetragen und in ihren Begegnungen genützt. Sie hatten sich 1911 in der Zeit des „Blauen Reiters“ in München kennen gelernt und konnten jetzt ihre Erfahrungen auswerten und bekannt machen: Klee im „Pädagogischen Skizzenbuch“, Kandinsky in „Punkt und Linie zur Fläche“. Über die Formalien der Gestaltungslehre hinaus, die Kandinsky synästhetisch erweiterte, versuchten sie, eine „Physiognomik“ aller inner- und außermenschlicher Erscheinungen zu erarbeiten, ein künstlerisches System von Chiffren, das erlauben würde, sie in Kürzeln festzuhalten – eine Kalligrafie der Wesenheiten.
Abb. Wassili Kandinsky Werbemittel Bauhaus 1923

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