Beckeraachen

Kunstwechsel

Bauhaus 2 Walter Gropius

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K U N S T A B C
1973 -77 habe ich unter diesem Titel 173 Texte in der Aachener Volkszeitung publiziert. Den einen oder anderen redigiere ich jetzt, um auf mich und eine andere Epoche der Kunst- und Weltgeschichte zurückzuschauen.
Kunst ABC AVZ 19. 6. 1976
B A U H A U S 2 W A L T E R G R O P I U S
1910 verließ der junge Architekt Walter Gropius das Büro seines Lehrers Peter Behrens und gründete ein eigenes in Berlin. Er blieb an den öffentlichen Kontroversen des Deutschen Werkbundes beteiligt, die vor und in der Zeit des 1. Weltkrieges um öffentliches Bauen in der Zeit der Industrialisierung und der wachsenden Großstädte kreisten. Er suchte in der Massenproduktion die individuellen Standards, in die der „Künstler-Architekt“ seine persönliche Handschrift einbringt. Würden alle Häuser aus normierten Teilen zusammengesetzt, so könnte jedes doch sich vom nächsten unterscheiden, alle wären „echt“ „in Übereinstimmung mit ihren Gesetzmäßigkeiten“ und darum „schön“.
1911 hatte Gropius mit seinem Sozius Adolf Mayer in Alfeld an der Leine die FAGUS Schuhleistenfabrik gebaut, einen Pionier unter den Industriebauten des 20. Jahrhunderts – eine schnörkellose verglaste Skelettkonstruktion mit optimalem Tageslicht in den Werkstätten. In der Kölner Werkbundausstellung 1914 erregt er Erstaunen mit Entwürfen eines Bürogebäudes und einer Maschinenhalle. Und 1919 gelingt ihm die Gründung des „Staatlichen Bauhauses“, einer Kunstakademie revolutionären Zuschnittes, zur Zeit und am Ort der 1. Tage der „Weimarer Republik“. Es soll gelingen, „die einzelnen Künste aus ihrer isolierten Vereinsamung zu lösen und wieder in innige Berührung zu bringen unter den Flügeln einer großen Baukunst.“ Tatsächlich beruft er zahlreiche Künstler, die in deutschen Kunstzentren bekannt geworden sind, ordnet ihnen Handwerker zu und gründet Werkstätten, in denen alles vom Teelöffel bis zum Automobil entwickelt werden kann. Residierte die Schule in Vorgängerbauten in Weimar, so konnte sie 1926 in ein von ihm entworfenes neues Haus in Dessau einziehen.
Gropius verließ das Bauhaus 1928 aus politischen Gründen, emigrierte 1934 und lehrte 1937 bis 1952 an der Harvard Universität. Die Kritik am „Bauhaus-Stil“, die bis heute anhält, erfasst mangelhaft die visionäre Kraft, die Menschen wie Gropius am Beginn einer neuen Ära in Europa beflügelte. Das Titelblatt seines Gründungsmanifestes trägt irritierend das Bild einer gotischen Kathedrale – als Bild einer Bauhütte, in der sich Künstler und Handwerker aller Gattungen vereinten, um Häuser großer Glaubensgemeinschaften zu errichten.
Abb. Lyonel Feininger Titelblatt „Kathedrale“ zu Walter Gropius Manifest und Programm des Staatlichen Bauhauses, April 1919

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