Beckeraachen

Kunstwechsel

Bauhaus 1 – Der Stil

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K U N S T A B C
1973 -77 habe ich unter diesem Titel 173 Texte in der Aachener Volkszeitung publiziert. Den einen oder anderen redigiere ich jetzt, um auf mich und eine andere Epoche der Kunst- und Weltgeschichte zurückzuschauen.
Kunst ABC AVZ 31. 7. 1976
B A U H A U S 1 D E R S T I L
Der historische „Geist von Weimar“ beflügelte nicht nur die Gründung der Weimarer Republik 1919, sondern die des „Staatlichen Bauhauses“ in den Räumen der Großherzoglichen Sächsischen Hochschule der Bildenden Künste und der Kunstgewerbeschule durch den umtriebigen Berliner Architekten Walter Gropius. Keine Kunstakademie der 1. Hälfte des 20. Jahrhunderts hat so viele profilierte Künstler angezogen, ihre pädagogischen Abenteuer, grenzüberschreitenden, synästhetischen Unternehmungen ermöglicht und gefördert, und keine hat so übermütig Klischees in die Welt gesetzt – wie den BAUHAUS-STIL.
Er ist fast ein Schimpfwort, das vor Reißbrettarchitekturen, Mietskasernen, Kartenhäusern aus Betonplatten, Regalwänden, Stapelstühlen, standardisierten, normierten Umweltgestaltungen fällt. Den Enkelkindern der großen Architekten Gropius, Van der Rohe, Le Corbusier und Marcel Breuer fallen weniger ihre Villen, Kirchen und Möbel als die gesellschaftlichen Konsequenzen ihrer Großbauten ins Auge. Aber jene Sonderleistungen der Architekten bestimmen einen Stil, der nur einen kleinen Teil der schöpferischen Arbeit im Bauhaus erfasst und an dem die Lehrer, die Gropius mutig berufen hat, kaum beteiligt sind: Johannes Itten, der den berühmten „Vorkurs“ für die Debutanten entwickelte, Oskar Schlemmer, der Vater des „Triadischen Balletts“, Paul Klee, Wassili Kandinsky, Laszlo Moholy-Nagy und Josef Albers. Die Architekten arbeiteten in einem internationalen Netzwerk mit Niederländern, Franzosen und Amerikanern an großen Siedlungsprojekten. Die „Bauhaus-Maler“ waren daran kaum beteiligt. Ein „Gesamtkunstwerk“, an dem alle schöpferischen Disziplinen beteiligt würden, hat das Bauhaus nicht geschaffen, wenn man die Schule selbst nicht als solches begreift – eine hoch entwickelte Sammelstelle internationaler Informationen aller Künste, ein breit gefächerter Lehrplan mit qualifizierten eigenwilligen Lehrern, ein Beteiligungsangebot an der Herstellung von Gebrauchsgegenständen aller Art ebenso wie an abstrakten Vokabeln bildnerischen Denkens.
Abb. Gruppenfoto Dessau Bauhaus 1923

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