Beckeraachen

Kunstwechsel

Orphismus

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K U N S T A B C
1973 -77 habe ich unter diesem Titel 173 Texte in der Aachener Volkszeitung publiziert. Den einen oder anderen redigiere ich jetzt, um auf mich und eine andere Epoche der Kunst- und Weltgeschichte zurückzuschauen.
Kunst ABC AVZ 16.5. 1975
O R P H I S M U S
Der französische Kubismus um 1910 entwickelte eine Variante, die sich dem italienischen Futurismus näherte und die Münchener des „Blauen Reiters“ faszinierte. Der Dichter Guillaume Apollinaire nannte ihre Vertreter, an den antiken Sänger Orpheus denkend, die „orphischen Kubisten“: Robert und Sonja Delaunay, Jacques Villon und seinen Bruder Raymond Duchamp-Villon, Albert Gleizes und Fernand Léger. Delaunays Palette ist besetzt von freundlichen, hellen Farben wie den von Cézanne und den späten Impressionisten. Wie sie beruft er sich auf den Farbtheoretiker Michel Eugène Chevreul, seinen 72-teiligen Farbkreis und die Definition des Simultankontrastes, die erlaubt, die Grundfarben ungemischt so nebeneinander zu stellen, dass sie sich erst im Auge des Betrachters mischen – Farbklänge, -akkorde herzustellen: rot-grün gesteigert zu rot-orange zu blau-grün; kalte und warme, harte und weiche Farben in Kreissegmenten so zusammenzusetzen, daß sie sich im Auge des Betrachters drehen…… Delaunay ist diesen Empfehlungen in seinen berühmtesten Bildern gefolgt. Er stritt mit den Futuristen, die die Erfindungen der Chronofotografie für ihre Darstellungen von Bewegung, Simultaneität und Geschwindigkeit nutzten. Und beide, die Orphisten und die Futuristen. kritisierten die weltflüchtigen, idyllischen Motive der Kubisten. Delaunay zog die Großstadt Paris, ihren rauschenden Verkehr, den Eiffelturm, Flugzeuge und Fußballspieler als Motive großer Bilder vor. 1912 stellte er in der Berliner Galerie Der Sturm aus und lernte Kandinsky, Macke, Klee und Marc kennen. Die philosophielastigen Deutschen und Russen begeisterten sich für die leuchtenden. lebendigen Bilder des Pariser Praktikers und nutzten ihre Farbklänge für einen Kosmos aus Licht und Farbe, in dem sie die Bindung an Gegenstände verlassen könnten. Sie liebten seine Musikalität, die ihn wünschen ließ, ein Bild so aufbauen zu können wie Johann Sebastian Bach eine Fuge komponierte. Kandinsky hat diese Analogien von Musik und Farben in seinen Texten definiert. Das Ehepaar Delaunay hat den Orphismus sein Leben lang vertreten und ihm viele Bilder und Werke angewandter Kunst gewidmet.
Abb. RobertDelaunay Schweinekarussell 1922 Paris Centre Pompidou

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