Beckeraachen

Kunstwechsel

Kubismus

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K U N S T A B C
1973 -77 habe ich unter diesem Titel 173 Texte in der Aachener Volkszeitung publiziert. Den einen oder anderen redigiere ich jetzt, um auf mich und eine andere Epoche der Kunst- und Weltgeschichte zurückzuschauen.
Kunst ABC AVZ 28. 12. 1974
K U B I S M U S
1907 sehen die jungen Künstler in Paris zum 1. Mal eine größere Ausstellung der Bilder von Paul Cézanne und lesen in seinen gerade herausgegebenen „Erinnerungen“: „Alles in der Natur modelliert sich wie Kegel, Kugel und Zylinder, man muss auf Grund dieser einfachen Formen malen lernen, dann wird man alles machen können, was man will.“ Im akademischen Zeichenstudium sind Akte und andere stereometrischen Körper immer schon auf Kegel, Kugel und Zylinder reduziert worden. Aber Cézanne meint auch Landschaften, die die Impressionisten in verdünnten und verdickten Farbflächen aufbauten, sie sollten als gebaute, feste, volumenhafte Einheiten und Vielheiten betrachtet werden, in eckigen Winkeln zusammengesetzt und nicht spiralig mäandernd wie im Jugendstil. Das war ein Programm, mit dem sich die Nachfolger gegen Impressionismus und art nouveau absetzen konnten! Pablo Picasso und Georges Braque begannen sofort, Landschaften, Stillleben und Porträts in kubische Einheiten aufzulösen. Über die „cubes“ schimpfte ihr Kollege Henri Matisse: „cubistes“. Er selbst und seine Freunde hießen „Fauves“ (Die Wilden), und wo sie die Ornamentik des Jugendstils mit leuchtenden Farbkompositionen vereinten, näherten sie sich den Münchenern vom „Blauen Reiter“ Kandinsky und Franz Marc. Picasso und Braque hielten ihre Bilder dagegen zurückhaltend in braun, grau und grün und setzten der ausschweifenden „expressionistischen“ Pinselschrift eine diskrete, rationale Gestaltung entgegen, die eine wissenschaftliche Fragestellung spüren lässt. Die Welt sollte sich in ihren Bildern geordnet spiegeln. Das war revolutionär. Nach 500 Jahren verzichten Künstler auf durchgehenden Linien und Luftperspektive. Modelle werden auf ihre Grundformen hin analysiert (1. Stufe „Analytischer Kubismus“) und „synthetisiert“ (2. Stufe „Synthetischer Kubismus“). Diese Grundformen werden in ein „kristallines“ Bildfeld eingebunden, Teile eines Makrokosmos, den Linien ordnen. Die beiden sind keine Romantiker, sie drängen die kosmische Komponente in ihrer wissenschaftlichen Beweisführung zurück. Sie taucht erst wieder im „Orphismus“ von Robert DelauAnay oder im „Blauen Reiter“ auf. Braque hat den Kubismus sein Leben lang weiterverarbeitet, Picasso hat dem Stil sein Leitbild, die „Demoiselles d` Avignon“ 1907 (so genannt nach dem Bordellviertel Carrer d’Avinyó in Barcelona) erschaffen und greift noch in einem seiner bekanntesten Werke „Guernica“ auf die Erbschaft zurück.
Abb. Pablo Picasso, Frau mit Mandoline, 92 60 cm 1910 Museum Ludwig, Köln

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