Beckeraachen

Kunstwechsel

Paul Klee

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K U N S T A B C
1973 -77 habe ich unter diesem Titel 173 Texte in der Aachener Volkszeitung publiziert. Den einen oder anderen redigiere ich jetzt, um auf mich und eine andere Epoche der Kunst- und Weltgeschichte zurückzuschauen.
Kunst ABC AVZ 1976
P a u l k l e e
Der Maler hat etwa 9000 Werke hinterlassen, Gemälde und Zeichnungen in kleinen Formaten und kompliziertesten Mischtechniken. „Mitteilungen aus dem Seelisch-Zuständlichen“ nannte er sie und meinte durchaus nicht die Produkte der „écriture automatique“ der Pariser Surrealisten, die das Unbewusste suchten. Der von Freud und Jung angeregten wissenschaftlichen Fragestellung stellte Klee die Haltung des „Sehers“ und Dichters entgegen, der, den deutschen Romantikern um1800 folgend, eine „Zwischenwelt“ entdeckt: „Zwischenwelt nenn, da ich sie zwischen den unseren Sinnen wahrnehmbaren Welten spüre und innerlich so aufnehmen kann, dass ich sie in Entsprechungen nach außen projizieren kann. Dorthin mögen die Kinder, die Verrückten, die Primitiven noch oder wieder zu blicken.,“ „So wie ein Kind uns im Spiel nachahmt, ahmen wir im Spiel die Kräfte nach, die die Welt erschufen du erschaffen.“ Seine eigenen Kinderzeichnungen hat Klee an den Anfang seines Werkverzeichnisses gestellt. Dieses Werk ist eine ununterbrochene Folge von bilnerischen Untersuchungen, die sich kreuzen, nebeneinander herlaufen; eine gehäufte Sammlung bildnerischer Gedanken – so gut wie keine Hauptwerke und Vorzeichnungen zu ihnen – ein Tagebuch, eine Autobiografie. Der „Seher“ ist mit seiner „Seele“ beschäftigt, seinen Träumen, seiner Einsamkeit; Störungen in seinem Leben erschüttern ihn spontan und nachhaltig; während einer Reise nach Tunis mit Macke und Moillet entdeckt er buchstäblich von einem Tag auf den anderen die Farbe und wird zum Maler, in Ägypten 1928 führt ihn das Studium der Hieroglyphen zur Entwicklung einer eigenen kraftvollen Zeichensprache (A. R. Penck regt uns heute an, diese Zeichen mit neuen Augen zu betrachten); dass die nationalsozialistische Landesregierung ihn als Professor der Düsseldorfer Akademie 1933 entlässt, hat ihn, wie Arbeiten nach seinem Abschied zeigen, zutiefst erschüttert. Seine überhöhte Sensibilität und Mitteilsamkeit machen ihn zu einem Seismographen und seine Werke in ihrem unakademischen, demütig naiven und bei aller Kindlichkeit und zitierter Schizophrenie feinen, ja raffinierten Stil zu Protokollen seiner Zeit.
1920 war er an das junge Weimarer Bauhaus berufen worden und systematisierte seine Bilderfindungen in Versuchen von Farb- und Formtheorien. In Zeichnungen und Landschaften dieser Zeit erscheinen Pfeile als Träger kosmischer Energien, oder er parzelliert Farbfelder in einer „Totalisation der farbigen Elemente“. Er war zu sehr Träumer, um einen lehrbare Farbtheorie zu entwickeln, zu sehr mit sich selbst beschäftigt, ein Einzelgänger, der seiner Kunst liebenswerte Wirkungen zuschrieb: „den Menschen sei sie eine Villegiatur
( = Sommerfrische), einmal den Gesichtspunkt zu wechseln und sich in eine Welt versetzt zu sehen, die ablenkend nur Annehmlichkeiten bietet und aus der er neu gestärkt zum Alltag zurückkehren kann.“
Abb. Haupt- und Nebenwege 1929 Museum Ludwig Köln

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