Beckeraachen

Kunstwechsel

Robert Motherwell

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K U N S T A B C
1973 -77 habe ich unter diesem Titel 173 Texte in der Aachener Volkszeitung publiziert. Den einen oder anderen redigiere ich jetzt, um auf mich und eine andere Epoche der Kunst- und Weltgeschichte zurückzuschauen.
Kunst ABC AVZ 1976
R O B E R T M O T H E R W E L L
Er hat den Begriff „New Yorker Schule“ für eine Künstlergruppe geprägt, die während des 2. Weltkrieges die Erbschaft des europäischen Surrealismus aufnehmen konnten, die französische und deutsche Emigranten nach Amerika brachten. Motherwell vermittelte mit großer Leidenschaft als Künstler und als Literat, der einen hohen Grad von Selbstreflexion und Kritik formulieren konnte. Er reflektierte die europäische Kunstgeschichte von Eugène Delacroix ebenso wie die Literatur von Stephane Mallarmé bis James Joyce und relativierte die Vorstellung der „Maltiere“, die die New Yorker Schule, vor allem Jackson Pollock, zu charakterisieren drohte. Motherwell hatte sich mit der Psychoanalyse und dem „Psychischen Automatismus“ der Pariser Surrealisten beschäftigt und verkehrte seit 1941 in New York mit Max Ernst, Yves Tanguy, Roberto Matta, André Masson und Andre Breton. Wie Pollock und Baziotes übt er „automatische“ Gedichte, lernt den bahnbrechenden Musiker John Cage kennen und filtert diese Erfahrungen zwischen Zufall und psychischer Determination in der sein Werk dominierenden Reihe der „Elegien für die Spanische Republik“, die er 1948 beginnt. In der New Yorker Schule erreicht er damit eine unverwechselbare Handschrift.
Motherwell hat viele Texte geschrieben und Vorträge gehalten, um zu beweisen, dass die abstrakte Kunst nicht inhaltlos ist. Er sah die Schwierigkeit, in einer „Gelehrtenmalerei“ den literarischen Hintergrund in eine ausdrucksvolle, vitale „symbolische“ Figuration zu läutern. Die „Elegien“ basieren auf einem Text des spanischen Dichter Garcia Lorcas. Um eine politische Stellungnahme zur Zerstörung der spanischen Republik zu formulieren, bediente er sich der Gedichte eines unpolitischen Autors, der Opfer dieser Zerstörung geworden ist.
In diesen Klageliedern werden in Bildern der Stierkampfarena, den Trophäen der Hoden und Hörner Todesvorstellungen sichtbar, die Motherwell in eine archaische Bildersprache von Symbolen, das große Ei zwischen mächtigen Balken, in Schwarz und Weiss übertragen kann.
In spontanen Farbflecken und -spritzern, Verreibungen und Verwischungen droht das beherrschende Oval von den dunklen Balken zerquetscht und gesprengt zu werden. Das Pathos der großen Bilder ist Ausdruck mächtiger Energien. Jenseits dieser Reihe hat Motherwell ein reiches Lebenswerk geschaffen, in dem die Kunstgeschichte von Altamira bis zum Kubismus sich spiegelt. Und es lohnt sich, seine Schriften zu lesen, in denen er der New Yorker Schule, die sich im 2. Weltkrieg im Kontakt mit den Emigranten entwickelte, ein geistesgeschichtliches Fundament gibt.
Abb. Elegy to the Spanish Republic No. 70 1961 Metropolitan Museum New York

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