Beckeraachen

Kunstwechsel

Francis Bacon

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K U N S T A B C
1973 -77 habe ich unter diesem Titel 173 Texte in der Aachener Volkszeitung publiziert. Den einen oder anderen redigiere ich jetzt, um auf mich und eine andere Epoche der Kunst- und Weltgeschichte zurückzuschauen.
Kunst ABC AVZ 1975
F R A N C I S B A C O N
Der “ekstatische” Expressionismus, der sich in Europa und USA nach dem 2. Weltkrieg entwickelte (Wols, Fautrier, Dubuffet, COBRA, De Kooning) schwankte zwischen Abstraktion und Gegenständlichkeit. Der Engländer Bacon ist der einzige, der gegen die Abstraktion die Bildinhalte in den Vordergrund seiner Bilder rückt. Er nannte das „eine Art Seiltanz zwischen figurativer Malerei und Abstraktion“ und sucht nach einem Bild, „das direkt aus der Abstraktion hervorgeht, in Wirklichkeit aber nichts mit ihr zu tun hat“. Die Quellen seiner Bilder sind Fotografien, die eine Kamera aus der „Schlüssellochperspektive“ aufnimmt. Aber nicht das Objekt interessiert ihn, sondern sein Wert als Ausdruckssymbol eines starken, überwältigenden Gefühls. „Ich hoffe, eines Tages das beste Gemälde eines menschlichen Schreies zu machen.“ Im Schrei sind Angst, Verzweiflung des Menschen, der allein, gefangen oder bedrängt ist. Die Einzelpersonen oder Paare, die Bacon malt, befinden sich meistens in kahlen, von einer Glühbirne beleuchteten Zellen, an einen Stuhl „gefesselt“ (wie der Papst in einer Serie von Werken), auf einem Bett oder Operationstisch. Er malt diese Figuren mit Pinselstrichen wie Peitschenhieben, als ob sie sich zuckend bewegten, in Tönen von Blau, Violett, Purpur und Rot, Fleischfarben, als ob wir durch die Haut der Modelle in ihr Innerstes blickten. Wir sind aber nicht Schlächter dieser „Schlachthausatmosphäre“, sondern betroffene, erschütterte Schlüssellochgucker vor obszönen Ringkämpfen, blicken in Gesichter, die keinen Blick mehr für die Welt haben, weil sie pausenlos geohrfeigt wurden, auf Verdammte, Aussätzige, eine Insel der Leprakranken. Der Psychologe nennt sie Bilder eines Paranoikers, wird aber bewundernd zugeben, dass sie die nihilistische Philosophie des Existentialismus heute bewegend kommentieren. Bacon hat die extremsten Bilder von Angst und Einsamkeit gemalt, die die Kunstgeschichte kennt.
Abb. 3 Studien für eine Kreuzigung 1962 Guggenheim Museum New York

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