Beckeraachen

Kunstwechsel

Daniel Buren

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K U N S T   A B C

1973 -77 habe ich unter diesem Titel 173 Texte in der Aachener Volkszeitung publiziert. Den einen oder anderen redigiere ich jetzt, um auf mich und eine andere Epoche der Kunst- und Weltgeschichte zurückzuschauen.

Kunst ABC   AVZ   1975

D A N I E L   B U R E N

Seit 1965 arbeitet der französische Künstler(*1938) mit parallelen senkrechten Streifen von 8,7 +- 0,3 cm Breite. In jedem „Stück“ variieren Streifen der gleichen Farbe mit weißen. Die Streifenkompositionen besetzen wechselnde Bildträger und Formate. Sie werden von den Ausstellungsorten bestimmt. Eine Streifenkomposition, die auf eine Litfassäule gesetzt wird, besteht als Plakat aus bedrucktem Papier im Format DIN A 1, eine andere, die in der riesigen Rotunde des New Yorker Guggenheim-Museums aufgehängt wurde, besteht aus bemaltem >Stoff und misst 1 x 20 m. In der Regel bemalt. Bei einer Regatta auf dem Berliner Wannsee sind die Segel der Jollen Werke Burens, die danach im Museum gezeigt werden.

In der Regel bemalt Buren nur die beiden äußeren Streifen mit weißer Acrylfarbe, wenn diese Seite des Bildträgers die Vorderseite eines doppelseitig konzipierten Bildes ist. ist. Alle Stücke sind nur in der Bindung an den Ort, für den sie gemacht sind, gültig und verlieren ihren Wert nach jeder Ausstellung. Sie gehen nicht in den Kunsthandel ein.

Eine solche karge Arbeit durchzusetzen ist nur möglich, wenn eine überzeugende ästhetische Theorie sie begründet. So ist seit 1969 jede Ausstellung Burens von einem Text begleitet. Das umfangreichste Traktat veröffentlichte des Städtische Museum Monchen Gladbach 1971 „Position – Proposition“ Buren wirft darin den Künstlern des 20. Jahrhunderts, voran den Kubisten und Duchamp, vor, 2 von Cézanne in den Vordergrund gerückte Fragen beschönigt, verdrängt und eine revolutionäre Kunstpraxis in den reaktionären Haushalt der bürgerlichen Gesellschaft zurückgeführt zu haben. Cézanne habe den Gegenstand ebenso wie die Perspektive in Frage gestellt. Folgerichtig wären die Malerei und der Bildträger selbst zum Gegenstand der Kunst geworden.  Buren antwortet Cézanne: der Bildträger – Leinwand, Keilrahmen, Rahmen – ist im weiteren Sinn der gesellschaftliche Ort, an dem Kunst als solche erscheint. Ihr Ort ist das Museum, also ist Kunst das, was für das Museum gemacht wird. „Das Museum ist der einzige Gesichtspunkt, unter dem ein Werk betrachtet werden muss.“ Alle Versuche, die Kunst auf die Straße oder gar „auf das Land“ zu bringen, führten als Flucht aus dem Museum in das Museum zurück. Dieser Unfreiheit werde aber nicht sichtbar. In einem Schema macht Buren deutlich, dass die Wirkung des Museums die des Kunstwerkes ebenso überlagert wie das Bild den Bildträger, die Leinwand ihre Rückseite und den Keilrahmen. Allein seine Streifenkompositionen beseitigen diesen Zwang: kein Bild verdeckt den Bildträger, Vorder- und Rückseite sind austauschbar, der gesellschaftliche Ort, der kulturelle Rahmen bestimmen Material und Größe des Werks. In der heutigen Gesellschaft kennt Buren nur das Museum als gültigen Bezugspunkt der Kunst. In einem anderen weit gefassten kulturellen Rahmen könnte es andere geben.

Abb. Daniel Buren Ohne Titel Guggenheim Museum New York 1971

 

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