Beckeraachen

Kunstwechsel

Lithografie

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K U N S T   A B C

1973 -77 habe ich unter diesem Titel 173 Texte in der Aachener Volkszeitung publiziert. Den einen oder anderen redigiere ich jetzt, um auf mich und eine andere Epoche der Kunst- und Weltgeschichte zurückzuschauen.

Kunst ABC   AVZ   27.3.1974

L I T H O G R A F I E

Nur im bayerischen Solnhofen gibt es Steinbrüche, die den Abbau eines feinkörnigen Kalkschiefers erlauben, der sich zur Lithografie eignet. Die glatt geschliffenen Platten, die daraus hergestellt werden, sind so porös, dass sie Fett und Wasser aufsaugen. Fett und Wasser. Der Künstler zeichnet auf ihnen mit fetten Tinten oder Kreiden, Stiften oder Pinseln spiegelverkehrt (!) oder – einfacher – er zeichnet auf Papier und klatscht es auf dem Stein ab. Er kann Stoffe und sogar Fotografien abklatschen, er kann den ganzen Stein einfetten und die Zeichnung hineinritzen oder -schaben. Anders als Holz- und Metallplatten setzt der Stein seiner Hand keinen Widerstand entgegen und erlaubt ihr spontane Virtuosität. Steht das Bild auf der Platte, so wird sie mit Salpetersäure geätzt und mit Arabicum gummiert. Wäscht er dann die Platte aus, so ist das Bild in ihr versunken. Er sieht es wieder, wenn er die feuchten Druckfarben aufträgt.

Alois Senefelder hat 1796 diesen Flachdruck erfunden, um Partituren musikalischer Kompositionen, Notenblätter zu vervielfältigen, die von Orchestermitgliedern gebraucht werden. Doch die Maler und Zeichner nahmen das neue Medium schnell auf – weniger die deutschen, die im Widerstand gegen Napoleon das „deutsche“  Medium des Dürerschen Holzschnitts vorzogen, als die französischen Romantiker, die die Leichtigkeit, Skizzenhaftigkeit des Auftrags, die atmosphärischen Bewegungen, die er erlaubte, bewunderten. Sie bot eine Art der „peinture“, die sie in der Malerei anstrebten. Die Lithografie hat sich bis heute diese Tugenden erhalten. In den letzten Jahren haben Künstler wie Jasper Johns und Robert Rauschenberg in dieser Tradition großartige Lithografien hergestellt.

Nur nach sehr vielen Druckvorgängen, bei hohen Auflagen, nutzt sich der Stein ab, wird abgeschliffen und

wiederverwendet. Als die Solnhofer Steinbrüche sich erschöpften und leichtere Druckplatten für große Formate gesucht wurden, zeigte sich, dass sich auch Zinn- und Aluminiumplatten jeder Größe eignen.

Im Gegensatz zu Holzschnitten, Kupferstichen und Radierungen sehen Lithografien häufig wie Zeichnungen aus, wenn der Künstler auf der Platte oder im Abklatsch gezeichnet hat. Sie kommen den Originalen am nächsten. Sammler haben sie deshalb immer hochgeschätzt. Weil heute Bilder ohne Zutun des Künstlers auf die Platten übertragen und gedruckt werden können, ist die „Originallithografie“ als autorisiertes Werk des Künstlers entstanden. Der Sammler ist gut beraten, die Geschichte jedes Blattes zu erforschen.

Abb. Horst Egon Kalinowski Greffe (Propf) Lithografie auf Karton signiert nummeriert 1/XX Auflage 100 + 20 artist´s proofs

 

 

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