Beckeraachen

Kunstwechsel

Siebdruck Serigrafie

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K U N S T   A B C

1973 -77 habe ich unter diesem Titel 173 Texte in der Aachener Volkszeitung publiziert. Den einen oder anderen redigiere ich jetzt, um auf mich und eine andere Epoche der Kunst- und Weltgeschichte zurückzuschauen.

Kunst ABC   AVZ   14.3.1974

S E R I G R A F I E   S I E B D R U C K

In dieser grafischen Technik wird kein Druck ausgeübt und sie kann, anders als andere Druckverfahren, nicht nur auf Papier, sondern ebenso auf Glas, Metall, Folien angewendet werden. Sie wird als „Durchreibeverfahren“ in vielen Kulturen seit Jahrhunderten genutzt. Auf einem Sieb aus, Seide, Haar, Perlon oder Metall deckt der Fachmann mit Leim oder Lack die Teile ab, die im Bild leer sein werden, und reibt dann eine oder mehrere Farben durchj das Sieb auf die Unterlage. Das können auch Kinder und Laien. Die neuzeitliche Industrie hat von ihren Vorgängern im Textildruck die festen Schablonen übernommen, mit denen große Auflagen erreicht werden. Wer Druckgrafiken liebt, missachtet den Siebdruck, weil er die Feinheiten von Zeichnungen nicht wiedergeben kann. Künstler haben Holzschnitt, Kupferstich, Radierung, Aquatinta, Lithografie und andere Techniken entwickelt, um ihre Bilder zu reproduzieren oder Bildbotschaften zu verbreiten – so auch den Siebdruck. Wo Handschriftlichkeit zurückstand hinter geometrischen abstrakten Formen und klaren Farbkontrasten, wo sie lapidare Aussagen suchten, wie die Werbung sie kannte, kurzum im Amerika der 40er Jahre, blühte der Siebdruck auf. Seit den 60er Jahren brachten ihn Andy Warhol und andere Künstler der pop art dort und in Europa an die Spitze der Angebote des Grafikhandels.

Holzschnitt- und Kupferplatten ebenso wie Litho-Steine werden stumpf, sie lassen beschränkte Auflagen zu: dagegen erlauben Siebdruckverfahren unbeschränkte Auflagen. Eine Limitierung ist also nicht notwendig, erhöht nur den Wert der Blätter, wenn sie nicht nur signiert, sondern auch nummeriert sind. Das Papier eines Siebdrucks ist meistens glatt, es hat die Farben des Drucks nicht aufgesogen, sondern sie liegen in einer flachen Schicht darauf – eher kalt und auf Fernwirkung bedacht. Grafiksammler bemängeln: „Der schmutzige Daumen fehlt!“  Ein Siebdruck-Künstler wird versuchen, solchen Vorurteilen entgegenzuwirken. Gerd Winner bemüht sich erfolgreich, einen handschriftlichen und malerischen Reichtum zu erhalten. Er zeichnet mit Fettstiften auf den Sieben, bestreicht sie mit Leim und wäscht die Linien mit Terpentin aus. Der Siebdruck wird unter seinen Händen ein Original. Aber die meisten beschäftigen einen Siebdrucker, der ihre Vorlage verarbeitet. Sie kann ein Foto sein, ihre Daten können sogar telefonisch vermittelt werden. Ihre Signatur bestätigt nur: das Blatt entspricht meiner Vorstellung: eine Serigrafie; anders bei Winner: dieses Blatt habe ich geschaffen – eine Originalserigrafie. Im Feld der Kunst- und Ausstellungsplakate erhält sich die Serigrafie gegenüber der Offsetlithografie einen exklusiven Charakter. Sie hat ihre eigenen Sammler. Ihre Werkstätten dienen gleichzeitig der Werbeindustrie und schaffen zahlreiche Drucksachen und Spielobjekte, die am Rand der Kunst eigene Räume erobert haben. Die Fülle der reproduzierten Kunst hat 1968 (!) in Köln den Namen erhalten: ars multiplicata.

Abb. Gerd Winner Thomas Moore Street London 1972 Siebdruck auf Leinwand 190×255 cm

 

 

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