Beckeraachen

Kunstwechsel

Künstlerfilm

Hinterlasse einen Kommentar

K U N S T   A B C

1973 -77 habe ich unter diesem Titel 173 Texte in der Aachener Volkszeitung publiziert. Den einen oder anderen redigiere ich jetzt, um auf mich und eine andere Epoche der Kunst- und Weltgeschichte zurückzuschauen.

Kunst ABC   AVZ   25.8.1973

F I L M E   VON   K Ü N S T L E R N

Neben Filmproduzenten und Filmkünstlern gibt es bildende Künstler, die Filme produzieren. Diese Filme schildern nicht einen Künstler oder seine Kunstwerke, sondern sind selbst Kunstwerke. Den Autor interessieren die Gesetze der Wahrnehmung, denen seine Kamera folgt: ihr Bild-“Rahmen“, ihre gleichmäßigen Bildfolgen, mechanisch oder elektronisch, das Material des Films selbst aus Zelluloid, als Videoband oder-Disc.

Ein gemaltes oder gezeichnetes Bild lässt einen Augenblick in einer Zeitabfolge erstarren. Ist dieser Augenblick voll Ruhe und Bedeutung, so vergißt der Betrachter die Zeit. Doch seit eh und je und vollends seit dem 19. Jahrhundert haben sich Maler und Bildhauer bemüht, lebhafte Momente aus kurzen Zeitfolgen zu isolieren, Bewegung auf einer bewegungslosen Leinwand, in bewegungslosem Marmor zu erzeugen – als Illusion – bis die Filmkamera erfunden wurde. Filmkünstler und Bildende Künstler arbeiteten zusammen: Luis Bunuel und Salvador Dali –  „Le Chien andalou“. Aber schon die Künstler des Dessauer Bauhauses nutzten in den 20er Jahren die Filmkamera für „Lichtmalereien“ in zeitlichen Folgen. Neben der Filmkunst wuchs der Künstlerfilm zu einer eigenen Gattung.

Nach der antiken Dramaturgie dauert ein Theaterstück so lange wie die Handlung, die es wiedergibt. Andy Warhol nahm sie beim Wort, wenn er schlafende Personen filmte, so lange sie schliefen: 8 Stunden, Unterhaltungen, so lange sie dauerten. Er ließ die 16 mm Beaulieu-Kamera stehen, wechselte die Filmspule, schnitt nicht, nervte die Zuschauer, die ihre Kino- und TV-Gewohnheiten mitbrachten. Er schuf den Underground-Film.

Mittlerweile haben Kunstakademien Filmabteilungern eingerichtet. Filme ergänzen Skizzenbücher, lassen Bewegungsstudien zu, und Filmausschnitte können in Bildern und Skulpturen verarbeitet werden.

Der Künstlerfilm kann eine vergängliche Aktion dokumentieren, die der Künstler und seine Freunde selbst aufnehmen (happenings von Joseph Beuys, Wolf Vostell, Bruce Nauman). Er kann Teil eines Objektes des Künstlers sein, das er deutet (Robert Smithson „Spiral Jetty“). Er kann einen Gestaltungsprozess illustrieren (Nancy Graves, Chuck Close, Jacques Monory). Der Künstlerfilm par excellence ist ein autonomes Kunstwerk (Walter de Maria „Hard Core“, Michael Snow „La Région Centrale“). Er provoziert den Betrachter, er dehnt die Zeit und macht deutlich, wie lange ein Mensch eigentlich vor einem Kunstwerk verharren müsste. Aber zuweilen enthält er Erfindungen, die Filmkünstler gern ausbeuten. Die Videokamera, ihre Bänder und Kassetten drängen ihn heute n den Hintergrund.

Abb. Michael Snow mit der pendelnden Kamera auf einem Plateau in der „Région Centrale“  (Kanada)1971

a

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s