Beckeraachen

Kunstwechsel

Hans Haake

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K U N S T   A B C

1973 -77 habe ich unter diesem Titel 173 Texte in der Aachener Volkszeitung publiziert. Den einen oder anderen redigiere ich jetzt, um auf mich und eine andere Epoche der Kunst- und Weltgeschichte zurückzuschauen.

Kunst ABC   AVZ   1975

H A N S   H A A K E

Wenn wir die Arbeit eines Künstlers nicht psychologisch als eine Form des Lernens, der Weltvereinnahme und der Selbstentäußerung definieren, so achten wir ihre Ergebnisse als ein Kulturgut einer Gesellschaft, und sie bestimmt und verwaltet ihre Wirkungsgeschichte. Die kreative Arbeit tritt hinter das vom Künstler befreite Kunstwerk zurück. Und erst diese Befreiung ermöglicht seine Wirkungsgeschichte. Sie interessierte Hans Haake. Der deutsche, in New York lebende Künstler beschäftigte sich bis 1969 mit den Gesetzen physikalischer und biologischer Systeme. Er untersuchte Zustandsformen des Wassers, Bewegungsmuster von Ameisenvölkern, nahm in der Ausstellung Prospekt der Düsseldorfer Kunsthalle 1969 15 Tage lang um die Uhr die dpa-Meldungen auf und zeigte sie zum Abschluss in 15 durchsichtigen Rollenbehältern. Seit 1969 konzentrierte er sich auf die Wirkungsgeschichte von Kunst selbst und erregte weniger mit Übersichten als mit Fallstudien Aufsehen und Skandale. Ein Spargel-Sillleben von Edouard Manet diente ihm dazu zu schildern, wie die Werke der Impressionisten Spekulationsobjekte des florierenden Kunstmarktes und reicher Sponsoren waren und bis heute sind. 1968 hatte die Stadt Köln das Stillleben von Manet für 1,36 Mio DM erworben und stellte es dem Wallraf-Richartz-Museum als Dauerleihgabe zur Verfügung. 1974 schlug Haake für die Ausstellung „Projekt“ in der Kölner Kunsthalle einen Beitrag vor: „In einem ca. 6×8 m großen Ausstellungsraum ….steht auf einer Atelier-Staffelei Manets „Spargel-Bündel“ von 1880 aus der Sammlung des Museums. Tafeln an den Wänden geben über die soziale und ökonomische Stellung der Personen Auskunft, in deren Besitz sich das Stillleben im Lauf der Jahre befand, und welche Preise für das Bild gezahlt worden sind.“ Die Direktion der Kölner Museen lehnte den Vorschlag Haakes ab und verweigerte ihm die Teilnahme an der Ausstellung. Sein französischer Kollege Daniel Buren überklebte darauf am Eröffnungstag seine eigene Arbeit mit Drucken von Haakes Konzept. Die Leitung der Kunsthalle ließ diese Überklebungen unkenntlich machen und zerstörte, so Buren, seine Arbeit. Die Kölner Galerie von Paul Maenz zeigte darauf die Dokumente Haakes und verkaufte sie an einen Privatsammler. Sie erschien mit Besprechungen in mehreren Fachzeitschriften. Haake hatte eine Diskussion über Manets Spargelstilleben und seinen Ankaufspreis entzündet. Den Titel der Projektausstellung „Kunst bleibt Kunst“ änderte Haake in „Kunst bleibt Politik“.

Abb. Spargelbündel  Édouard Manet, 1880  46 × 55 cm  Öl auf Leinwand

Wallraf-Richartz-Museum & Fondation Corboud, Köln

 

 

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