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Kunstwechsel

Kunst: Donald Duck

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K U N S T   A B C

1973 -77 habe ich unter diesem Titel 173 Texte in der Aachener Volkszeitung publiziert. Den einen oder anderen redigiere ich jetzt, um auf mich und eine andere Epoche der Kunst- und Weltgeschichte zurückzuschauen.

Kunst ABC   AVZ 15.9.1973

D O N A L D   D U C K

Viele haben es im TV gehört: Andy Warhol auf die Frage, mit welcher berühmten Persönlichkeit er tauschen möchte, antwortete: Donald Duck. Er hätte sagen können: Mickey Mouse, doch ihr mangelt die männlich heroische Pose, oder Charlie Brown, doch er ist zu sehr „kluges Kind“. Es war nicht zu erwarten, dass er Salvador Dali, Albert Einstein oder Billy Graham nennen würde. Man traut dem skurrilen Künstler Donald Duck zu.

Aber wer ist Donald Duck? Eine Ente aus der Bilderfabrik Walt Disneys, den Warhol mit einigen anderen für einen der einflussreichsten Künstler des 20. Jahrhunderts hält.  Er hat tausende Zeichnungen, einige Wunderländer, Dutzende von Filmen und ein Kunstinstitut in Kalifornien hinterlassen – und erreicht, dass der Comic Strip, der sich seit 1900 vor allem in amerikanischen Zeitungen ausbreitete, weltweit DIE Bilderschrift unseres Jahrhunderts geworden ist.

Comic Strips lesen im Amerika vorwiegend Erwachsene, in Europa haben lange die Kinder sie besetzt. Sie sind letzte Erzeugnisse jener langen Reihe von Bildergeschichten, die im alten Ägypten begann und lange zu denen sprach, die nicht lesen konnten. Heute treffen sie jene, die nicht lesen mögen.

Die Buchdruckkunst, die seit der Mitte des 15. Jahrhunderts breiten Bevölkerungskreisen „Bildung“ zugänglich machte, tritt heute hinter Film, Fernsehen, Illustrierte und andere Medien zurück. Sie verdrängen die verbale Information. Texte sind nicht „live“ wie ein Foto oder Film, erscheinen weniger glaubwürdig, authentisch, verraten einen Autor. (Freilich sind zahlreiche Manipulationen von Bilddaten bekannt.)

Wer den größten Teil seiner Informationen über Bilder erhält, wird wie seine Vorväter einen Sinn für ihre Wertigkeit entwickeln. Der Comic, der ohne kommentierende Texte in Unterschriften oder Sprechblasen nicht auskommt, ist die Vorform einer reinen Bilderschrift, die der Texte nicht mehr bedarf. Er ist heute nicht nur in Boulevardzeitungen, sondern als mindere Literatur der Intelligentsia und als Medium von Protestlern unentbehrlich. Es gelingt ihm, gleichsam archetypische Figuren zu erzeugen, in denen sich die Wunschvorstellungen vieler Menschen konkretisieren, ohne dass es verbaler Kommentare bedarf. Wenn Andy Warhol Donald Duck sein möchte, so wünscht er nicht nur, dessen Bekanntheitsgrad in der westlichen Bevölkerung zu erreichen, sondern auch, als Figur DES Künstlers so akzeptiert zu werden wie Donald,  der uns in einer Art chaplinesker Clownerie die Leiden und Triumphe des bürgerlichen Familienvaters so vorführt, dass wir uns den Bauch vor Lachen halten, ohne Krämpfe zu spüren.

Aber vielleicht ist die Äußerung Warhols ironisch gemeint.

Abb. Andy Warhol Donald Duck Farbstiftzeichnung auf Karton

 

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