Beckeraachen

Kunstwechsel

Feminismus in der Kunst

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K U N S T   A B C

1973 -77 habe ich unter diesem Titel 173 Texte in der Aachener Volkszeitung publiziert. Den einen oder anderen werde ich hier wiedergeben. Ich versuche, die alten Maschinen-Manuskripte zu konvertieren.

Kunst ABC AVZ 25.10 1975

F E M I N I S T I S C H E    K U N S T

Natürlich sind die Autoren feministischer Kunst nicht notwendigerweise Frauen. Ebenso sind weibliche Künstler nicht notwendiger Weise Autoren feministischer Kunst. Feministische Kunst unterscheidet sich von femininer Kunst dadurch, dass sie nicht weiblich ist, sondern vom Weiblichen handelt. Alle Worte, die ich hier verwende, sind abgenutzt, in ihren Bedeutungen umstritten, vierschrötig. Was beispielsweise weiblich ist, muss mühsam für unsere Gesellschaft neu definiert werden. Der feministische Künstler untersucht die Rollenbilder von Frauen in der hohen undniedrigen Kunst von Vergangenheit und Gegenwart, in Andachtsbildern wie in Fotografien der Massenmedien. Konkret hat die Amerikanerin Hermine Freed sich mit Hilfe elektronischer Bildmanipulation in einem Videoband mit Frauengestalten in berühmten Gemälden der europäischen Kunstgeschichte – im wörtlichen Sinn – identifiziert. Sie wird zur Madonna Raffaels und versucht, ihre Rolle als solche zu verstehen. Ulrike Rosenbach untersucht den Mythos der Amazonen und seine Verbildlichung bis in den kommerziellen Trivialfilm. Diese Bilduntersuchungen gehen von der These aus, dass die Rollen, die so als Bilder sichtbar werden, nicht selbst geschaffene, den Bedürfnissen angepasste, sondern auferlegte, biologische und geistige Voraussetzungen vergewaltigende sind.  Feminismus hat also eine kämpferische Komponente, die sich nicht nur gegenm die bedrückende Männergesellschaft, sondern ebenso gegen jene Frauen richtet, die ablehnen, ihre Kraft in den Dienst der weiblichen Emanzipation zu stellen.

In der Kunstgeschichte >Europas spielen Frauen als Modelle wie als Anregerinnen (Musen) eine immense Rolle, weibliche Künsatler mehren sich erst seit den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts. Die bürgerliche Emanzipation der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts umfasste zwar auch die Emanzipation von Künstlerinnen: Angelica Kaufmann und Elisabeth Vigée-Lebrun schufen erste Künstlerinnen-Selbstbildnisse, doch Rosa Bonheur, Paula Modersohn-Becker und Käthe Kollwitz haben sich nur unter größten Schwierigkeiten und Opfern durchsetzen können. Opfer bedeutet hier teilweise Selbstaufgabe, Übernahme von männlichen Rollenfunktionen und folglich: Kompromittierung von Bildaussagen.

Die Sprachmittel der bildenden Kunst hat eine männliche Gesellschaft über Jahrhunderte entwickelt. Malen und Hauen sind kulturgeschichtlich festgelegte männliche Arbeiten wie Knüpfen, Nähen, Stricken, Häkeln und Färben weibliche. Um diesen Erziehungszwängen zu entgehen, bedurfte der feministische Künstler eines neuen Mediums. Es fällt auf, dass nicht nur eine große Zahl, sondern etliche der bedeutendsten feministischen Künstler Video-Künstler sind. Sie sind nicht Filmkünstler. Weder im kommerziellen noch im experimentelle Filmspielen Frauen oder gar feministische Künstler eine besondere Rolle. Pauschal unterschiedet den Filmkünstler vom Videokünstler, dass er sich mit andern, dieser sich allein mit sich selbst beschäftigt. Der Videokünstler nimmt sich selber auf, vorführend spiegelt er sich im Monitor. Feministische Kunst ist darum häufig Aufführungskunst mit Bezügen zum Tanz, zu Gesang und Musik, Körpersprache, die ein erkämpftes Selbstgefühl neu zu artikulieren gestattet. Es liegt nahe anzunehmen, dass das elektronische Medium der Videosprache deshalb zum wichtigen Sprachmittel des feministischen Künstlers geworden ist, weil es den kulturgeschichtlich sanktionierten Umgang mit dem Spiegel einschließt.

Abb. Ulrike Rosenbach Medusa 1977 Palazzo Strozzi Florenz

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