Beckeraachen

Kunstwechsel

Die Neuen Wilden 3

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Zu der Ausstellung „Die Erfindung der Neuen Wilden“ im Ludwig Forum für internationale Kunst in Aachen 2018

 

Ralf Winkler, alias A. R. Penck alias Mike Hammer ist unter den „Neuen Wilden“ der Ausstellung in der Neuen Galerie – Sammlung Ludwig in Aachen sich der Wildeste, wenn Wild bedeutet, gegen eine bedrückende Gesellschaftsordnung und ihre ästhetischen Paradigmen zu rebellieren. Seit seiner Jugend in Dresden hat der Verband der bildenden Künstler der DDR ihm den Zugang zu den Hochschulen  und die Mitgliedschaft verweigert, so dass er sich im Untergrund entwickeln musste – als Maler, Bildhauer, Jazz-Musiker, Schriftsteller, und als er im Westen bekannt wurde, sammelten wir seine  Schallplatten, und die Kölner Galerie Werner verkaufte seine großen Bilder, die in Auspuffrohren gerollt über die Grenze kamen. Als wir die offizielle Kunst der DDR der Sammlung Ludwig ausstellten, schrieb er dem 1. Vorsitzenden Willi Sitte einen geharnischten Brief, in dem es heißt: „Willst Du, dass ich den Weg von Biermann, Faust, Kunze, Pannach, Fuchs oder anderen gehe?“ 1980wurde ausgebürgert, und wir begegneten uns in Köln. 1985 feierten wir ihn in der Neuen Galerie mit der Verleihung des Kunstpreises Aachen und stellten die 66 „Standart-Modelle“ von 1973/74, kleine Skulpturen aus Karton, Holz und verschiedenen Materialien im Ballsaal vor einem seiner größten Leinwandbilder aus. Zur Feier gab er mit Markus Lüpertz und Frank Wollny ein kleines Mitternachtskonzert.

In der Ausstellung der Neuen Wilden konnten wir 106 Zeichnungen von 1966 bis 1977 und 5 Bilder zeigen, darunter „Hinter Leo Berrybora dahinter“ von 1975, ein Keulenschlag gegen die Offiziellen der DDR, ein großer „Schattenriss“, Darstellung eine Zeremonie, in der ein Niederkniender von einer Frau gesegnet wird und ein anderer sich vermummt in ein Gespenst verwandelt – ein anonymes Graffito? Eine vorzeitliche Wandmalerei? Mit solchen Assoziationen, die über die europäische Kultur hinausweisen, scheint es mir der Kategorie des Wilden am besten zu entsprechen.

„Die Erfindung der Neuen Wilden“ im Ludwig Forum für internationale Kunst in Aachen.

P.S. Die P.R. Industrie schafft Marken wie 4711, ODOL oder UHU zuerst und dann die Artikel, die Kunstgeschichtsschreibung bezeichnet Stilgruppen fast immer im Nachhinein.

 

 

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