Beckeraachen

Kunstwechsel


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Zum HambacherForst

Zum Hambacher Forst

Bildgeschichte

Jana Gunstheimer „Über F.“ Installation 2006

 

Jana Gunstheimer schafft komplexe Installationen aus alltäglichen Gegenständen und Menschen in Ausstellungsräumen, die in den fotografischen Abbildungen wie Film- oder Theaterszenen aussehen. „Über F.“ handelt von einer Person in einer psychischen Krise, die ihr Zimmer nicht verlässt, eine Auseinandersetzung mit sich selbst durchsteht und am Ende kapituliert. Für dieses Ende hat die Künstlerin das Bild eines niedergestürzten Baums und des Wortes KAPITULATION in eine Wandtafel aus schwarzer Pappe geschnitten.

Mich bewegt dieses Bild heute auf besondere Weise. Eine Mahnwache wird den Ministerpräsidenten des Landes Nordrhein-Westfalen noch einmal daran erinnern, dass eine große Zahl von Menschen hier die Erhaltung des Hambacher Forstes wünschen und eine Kapitulation vor der Macht des Industriekonzerns und des Staates nicht zu kapitulieren bereit sind.

 


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Zum Hambacher Forst

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Bildgeschichten

Nils Udo „Blutende Bäume“

Sein erstes „Nest“ baute Nils-Udo 1978 in der Lüneburger Heide, eine große Assemblage aus trockenen Zweigen im Wald, die, mit einem kleinen Menschen ruhend in ihrer Mitte, zu einer Ikone wurde, seit Peter Gabriel das Foto als Plattencover für OVO verwendete. Er hat mich häufig zu Wanderungen mitgenommen, bei denen er bescheidene und dramatische Eingriffe in Landschaften inszenierte und fotografierte, und 1999 haben wir sein Oeuvre in einer großen Ausstellung des Ludwig Forums in Aachen zusammengefasst. Damals hat er mit Kindern im Wäldchen des alten Klinikums leuchtend rote Vogelbeeren gesammelt und in Rindenlücken, Narben, Verletzungen von Bäumen oder um Mulden verteilt, die die Astbündel wie ein Tipi umgaben. Er versuchte, dieses schwankende Gleichgewicht zu halten: die Schönheiten der Natur zu artikulieren und durch Eingriffe, Veränderungen den Naturschauplatz in ein Kunstwerk zu verwandeln.

Immer, wenn ich Verletzungen von Bäumen entdecke (wenn ich beim Einparken gegen sie stoße), schäme ich mich meines Mitgefühls und betrachte die Wunde wie die eines Menschen. Offenbar hat mich der dauerhafte Umgang mit Kunstwerken empfindlich gemacht. Die Rodung eines Waldes erscheint mir horrend. Ich könnte ihn nicht ertragen. Dabei weiß ich, dass seit der Entstehung der Wälder Menschen ihr Holz verwertet haben. Aber ich lebe heute und habe gelernt, dass Wälder zu den Garanten für die Existenz dieses Planeten gehören. Das rechtfertigt meine Sensibilität vor ihren Verletzungen. DER HAMBACHER FORST SOLL NICHT GERODET WERDEN!

 

 


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Zum Hambacher Forst

Zum Hambacher Forst

Aus der Bildgeschichte

Würde der Hambacher Forst gerodet, entstünde eine sehr große Menge gesunden Holzes. Es wird gebraucht. Holz hat alle Zivilisationen der Erde mitbestimmt. Die die Wälder rodeten, wurden geachtet. Die Schweizer Nationalbank, bat den Maler Ferdinand Hodler 1902 um einen Entwurf für den 50-Franken-Schein. Er bot DAS Motiv eines Holzfällers an, zog den Entwurf aber zurück, als er entdeckte, dass das monumentale Bild als Miniatur nicht wirken konnte. So malte er eine überlebensgroße Leinwand 1910 und, als sie in Ausstellungen gepriesen wurde, etliche Repliken. Man versteht, dass in einem waldbedeckten Land wie der Schweiz der Holzfäller als prominenter Vertreter der Forstwirtschaft eine bekannte, geachtete, ja geliebte Figur nationalen Stolzes ist.

Der Baumstamm, gegen den der Mann die Axt schwingt, ist der Energie des Schlages kaum wert, ein unwürdiger Gegner eines solchen Angriffs. Dennoch füllt die Gebärde das große, vom weißen Grund getragene Bild von oben bis unten. Die Chiffre des Holzfällers steht für sich, die Gebärde kennzeichnet seine Kraft und Professionalität, die Bäume am Rand rahmen ihn ein.

Eine gewaltige Entwicklung führt vom Holzfäller zu denen, die heute die Wälder dieser Erde roden. Furchteinflössende gigantische Maschinen werden sich in den Hambacher Forst einfressen, in einem höllischen Krachen werden würdige große Eichen und Buchen aufeinander fallen, Baumhäuser und Vogelnester mit sich reißen….. ein Biotop wird sterben, in dem zahlreiche erhaltenswerte Tiere und Pflanzen ihre Heimat hatten.

Heute kann das würdige Bild eines Holzfällers nicht mehr gemalt werden. Er steht für jene, die der Zerstörung des Erdballs zuarbeiten. Darum ersetzt er die Axt durch lärmende Kreissägen, versteckt sich in Schutzkleidern und bepanzerten Maschinen.

Im Hambacher Forst und weit um ihn herum steht ihm eine große Menge von Menschen gegenüber, die nicht einzusehen bereit ist, dass die Opferung des Waldes für den Erhalt der Energieversorgung dieses Landes nötig ist. Sie sind die GUTEN! DER HAMBACHER FORST DARF NICHT STERBEN!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


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Bildgeschichten

Neil Jenney „Deed and Reward“ (Tat und Belohnung) 1968/69

Sammlung Ludwig

Neil Jenney wehrte sich in New York um 1970 nicht, als man seine Bilder „Bad Paintings“ nannte. Locker, summarisch malte er Szenen, die von Unschuld und Naivität geprägt waren. In diesem Bild fügte er den Titel selbst auf dem schwarzen Rahmen hinzu, als hätte er eine Moritat inszeniert: einen Holzfäller, der mit seiner Axt einen Baum geschlagen hat und vor ihm liegt. Es wird ihm nicht gelingen, den Ast, der in ihm steckt, mit seiner linken Hand aus seiner Brust zu ziehen. Er wird sterben. Aber wenn der Unfall kein Zufall wäre? Wenn der Baum ihm den beblätterten Zweig als Belohnung in die Brust gedrückt hätte? Die Anekdote ist heiter, zynisch, fernab einem Unfall im Forst.

Im Hambacher Forst sind Unfälle passiert, ein gebrochenes Bein, ein gebrochener Arm. In den Scharmützeln zwischen Ordnungskräften und Besetzern sind weitere zu erwarten. Es wird keine Belohnungen geben. Aber alle, die sich für die Erhaltung des Waldes einsetzen, müssen Kampfhandlungen verhindern. Nur die utopische Vision eines friedlichen Waldes, in dem Menschen und Tiere in freier gemeinsamer Selbstbestimmung leben, bietet ein eindringliches Argument für seine Rettung.

 


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ZUum Hambacher Forst

Bildgeschichten

Alan Sonfist „Myself becoming one with a tree“ 1969

 

Mein Freund Alan ist ein Kind der Bronx. Sein Vater zeigte ihm in der Steinwüste die Bäume und die Tiere im Zoo, und Alan wurde einer der ersten „ökologischen“ Künstler. Im Aachener Wald hat er ein verlassenes Höhlensystem von Wühlmäusen mit Gips ausgegossen, wir haben es ausgegraben und als komplexe Skulptur in der Neuen Galerie ausgestellt. In einer Ideologie, die den Menschen als Beherrscher und Nutzer der Natur begreift, ist es unendlich gefährlich, ihr allzu nahe zu kommen, sich selbst als Wesen zu begreifen, das ihren Gesetzen folgt. Alan simulierte einen Tiger, der sich im Gebüsch einer Antilope nähert, um sie zu erbeuten, im Aachener Zoo verbrachte er einen ganzen Tag in einem Affenkäfig und verwirrte die Besucher und die benachbarten Affen gleichermaßen, weil er, nackt wie sie, eine Zeitung las und sich rasierte.

Er malte mit beiden Händen und dickflüssiger Erde und ahmte auf Bildgründen die Kratzspuren von Bären nach, sammelte Blätter von Kastanienbäumen und klebte sie in Assemblagen zusammen. In einem verlassenen Gelände in Downtown Manhattan pflanzte er einheimische Büsche, Bäume und Gräser. Noch heute durchstreifen Kinder und Erwachsene die Wildnis mitten in der Großstadt.

Schon früh hatte er begonnen, Bäume zu umarmen, und alles was er tat, haben Freunde sorgsam fotografiert und ausgestellt. Was würde geschehen, wenn an einem Tag, an dem das Rodungskommando im Hambacher Forst anrückt, um die würdigen Stämme dieser alten Eichen und Buchen zu zerschneiden, hunderte von Hütern des Waldes die Bäume umarmen würden?


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Sandro Botticelli „Ein Traum des Nastagio degli Onesti“ 1483 nach der Erzählung im „Decamerone“ des Giovanni Boccaccio

 

Zwischen den Stämmen der Buchen und Eichen im Hambacher Forst habe ich an den Pinienwald des Sandro Botticelli am Ufer des Ionischen Meeres vor Ravenna gedacht. Er bietet keine angsterregende Wildnis wie der deutsche Wald von Albrecht Altdorfer, sondern Erholung den Spaziergängern wie jenem Nastagio, dessen grausamen Traum Boccaccio beschreibt. Dem gewappneten Ritter Altdorfers entspricht hier ein zornentbrannter, das Schwert schwingender, auf einem Schimmel galoppierender Cavaliere, ihm voran sein Hund, und beide stürzen sich auf eine fast nackte verzweifelte Frau, die vor ihnen händeringend flieht. Nastagio versucht mit einem Strauch. den Hund zurück zu scheuchen. Ein Reh grast im Wald. Eine große Stille umgibt. das Drama, das in 3 anderen Tafeln fortgeführt wird.

Nein, ich habe im Hambacher Forst keinen berittenen Polizisten gesehen, aber durchaus angemessen erschien mir die Geste, mit der die Bataillone ihre Sturmhauben über die Köpfe stülpten und aufgereiht dem Wald nahten; und keine der jungen Frauen dort war unbekleidet und floh verzweifelt vor ihnen. Aber die Allegorie der Aggression des Mächtigen, Geschützten gegen die ungeschützte, entblößte, verzweifelte Frau und die hilflose Gebärde des Zuschauenden, der nach einem Baumast greift, hat mich denn doch so beschäftigt, dass ich mir für die endgültige Entscheidung über das Schicksal des Forstes nur eine friedliche Einigung zwischen Partnern gleicher Entscheidungskraft vorstellen mag.

 


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Zum Hambacher Forst

Albrecht Altdorfer „St. Georg und der Drachen“ 1510

 

Jener bewaffnete Ritter, der allmächtige Polizist, der im undurchdringlichen Wald den Drachen findet und erschlägt, verharrt dort, wo keiner sich hin traut, wo die Natur unbeherrschbare, wuchernde Wildnis ist. Er ist der einzige, der keine Angst vor ihr hat. Albrecht Altdorfers Vorstellung ist 500 Jahre alt. Jetzt ist der Wald gezähmt, den Menschen in der Stadt benachbart, der allmächtige Polizist sorgt für Ordnung im Wald, damit die Menschen aus der Stadt ohne Angst vor Drachen und Unholden den Wald besuchen können. Alle Geschichten aus den Wäldern, von Robin Hood bis Hänsel und Gretel, erzählen von schrecklichen Ängsten, die die Menschen nicht mehr kennen. Und so wären alle Wälder gefährdet, als Hindernisse und Rohstoffe beseitigt zu werden, wenn nicht diese neue, nie da gewesene Angst sich zunehmend ausbreiten würde, dass der Erdball und seine Bewohner sich in einen unbewohnbaren Feuerball verwandelt, wenn der letzte Baum gefällt ist.

Diese Angst schafft sich Bilder. Jeder Baum, jedes noch so kleine Waldstück – wie der Hambacher Forst – ist ein solches Bild, ein Bild der Angst und ein Symbol der Hoffnung.