Beckeraachen

Kunstwechsel


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Zum Hambacher Forst

Zum Hambacher Forst

Bildgeschichten

Neil Jenney „Deed and Reward“ (Tat und Belohnung) 1968/69

Sammlung Ludwig

Neil Jenney wehrte sich in New York um 1970 nicht, als man seine Bilder „Bad Paintings“ nannte. Locker, summarisch malte er Szenen, die von Unschuld und Naivität geprägt waren. In diesem Bild fügte er den Titel selbst auf dem schwarzen Rahmen hinzu, als hätte er eine Moritat inszeniert: einen Holzfäller, der mit seiner Axt einen Baum geschlagen hat und vor ihm liegt. Es wird ihm nicht gelingen, den Ast, der in ihm steckt, mit seiner linken Hand aus seiner Brust zu ziehen. Er wird sterben. Aber wenn der Unfall kein Zufall wäre? Wenn der Baum ihm den beblätterten Zweig als Belohnung in die Brust gedrückt hätte? Die Anekdote ist heiter, zynisch, fernab einem Unfall im Forst.

Im Hambacher Forst sind Unfälle passiert, ein gebrochenes Bein, ein gebrochener Arm. In den Scharmützeln zwischen Ordnungskräften und Besetzern sind weitere zu erwarten. Es wird keine Belohnungen geben. Aber alle, die sich für die Erhaltung des Waldes einsetzen, müssen Kampfhandlungen verhindern. Nur die utopische Vision eines friedlichen Waldes, in dem Menschen und Tiere in freier gemeinsamer Selbstbestimmung leben, bietet ein eindringliches Argument für seine Rettung.

 


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Zum Hambacher Forst

ZUum Hambacher Forst

Bildgeschichten

Alan Sonfist „Myself becoming one with a tree“ 1969

 

Mein Freund Alan ist ein Kind der Bronx. Sein Vater zeigte ihm in der Steinwüste die Bäume und die Tiere im Zoo, und Alan wurde einer der ersten „ökologischen“ Künstler. Im Aachener Wald hat er ein verlassenes Höhlensystem von Wühlmäusen mit Gips ausgegossen, wir haben es ausgegraben und als komplexe Skulptur in der Neuen Galerie ausgestellt. In einer Ideologie, die den Menschen als Beherrscher und Nutzer der Natur begreift, ist es unendlich gefährlich, ihr allzu nahe zu kommen, sich selbst als Wesen zu begreifen, das ihren Gesetzen folgt. Alan simulierte einen Tiger, der sich im Gebüsch einer Antilope nähert, um sie zu erbeuten, im Aachener Zoo verbrachte er einen ganzen Tag in einem Affenkäfig und verwirrte die Besucher und die benachbarten Affen gleichermaßen, weil er, nackt wie sie, eine Zeitung las und sich rasierte.

Er malte mit beiden Händen und dickflüssiger Erde und ahmte auf Bildgründen die Kratzspuren von Bären nach, sammelte Blätter von Kastanienbäumen und klebte sie in Assemblagen zusammen. In einem verlassenen Gelände in Downtown Manhattan pflanzte er einheimische Büsche, Bäume und Gräser. Noch heute durchstreifen Kinder und Erwachsene die Wildnis mitten in der Großstadt.

Schon früh hatte er begonnen, Bäume zu umarmen, und alles was er tat, haben Freunde sorgsam fotografiert und ausgestellt. Was würde geschehen, wenn an einem Tag, an dem das Rodungskommando im Hambacher Forst anrückt, um die würdigen Stämme dieser alten Eichen und Buchen zu zerschneiden, hunderte von Hütern des Waldes die Bäume umarmen würden?


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Zum Hambacher Forst

Zum Hambacher Forst

Sandro Botticelli „Ein Traum des Nastagio degli Onesti“ 1483 nach der Erzählung im „Decamerone“ des Giovanni Boccaccio

 

Zwischen den Stämmen der Buchen und Eichen im Hambacher Forst habe ich an den Pinienwald des Sandro Botticelli am Ufer des Ionischen Meeres vor Ravenna gedacht. Er bietet keine angsterregende Wildnis wie der deutsche Wald von Albrecht Altdorfer, sondern Erholung den Spaziergängern wie jenem Nastagio, dessen grausamen Traum Boccaccio beschreibt. Dem gewappneten Ritter Altdorfers entspricht hier ein zornentbrannter, das Schwert schwingender, auf einem Schimmel galoppierender Cavaliere, ihm voran sein Hund, und beide stürzen sich auf eine fast nackte verzweifelte Frau, die vor ihnen händeringend flieht. Nastagio versucht mit einem Strauch. den Hund zurück zu scheuchen. Ein Reh grast im Wald. Eine große Stille umgibt. das Drama, das in 3 anderen Tafeln fortgeführt wird.

Nein, ich habe im Hambacher Forst keinen berittenen Polizisten gesehen, aber durchaus angemessen erschien mir die Geste, mit der die Bataillone ihre Sturmhauben über die Köpfe stülpten und aufgereiht dem Wald nahten; und keine der jungen Frauen dort war unbekleidet und floh verzweifelt vor ihnen. Aber die Allegorie der Aggression des Mächtigen, Geschützten gegen die ungeschützte, entblößte, verzweifelte Frau und die hilflose Gebärde des Zuschauenden, der nach einem Baumast greift, hat mich denn doch so beschäftigt, dass ich mir für die endgültige Entscheidung über das Schicksal des Forstes nur eine friedliche Einigung zwischen Partnern gleicher Entscheidungskraft vorstellen mag.

 


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Zum Hambacher Forst

Zum Hambacher Forst

Albrecht Altdorfer „St. Georg und der Drachen“ 1510

 

Jener bewaffnete Ritter, der allmächtige Polizist, der im undurchdringlichen Wald den Drachen findet und erschlägt, verharrt dort, wo keiner sich hin traut, wo die Natur unbeherrschbare, wuchernde Wildnis ist. Er ist der einzige, der keine Angst vor ihr hat. Albrecht Altdorfers Vorstellung ist 500 Jahre alt. Jetzt ist der Wald gezähmt, den Menschen in der Stadt benachbart, der allmächtige Polizist sorgt für Ordnung im Wald, damit die Menschen aus der Stadt ohne Angst vor Drachen und Unholden den Wald besuchen können. Alle Geschichten aus den Wäldern, von Robin Hood bis Hänsel und Gretel, erzählen von schrecklichen Ängsten, die die Menschen nicht mehr kennen. Und so wären alle Wälder gefährdet, als Hindernisse und Rohstoffe beseitigt zu werden, wenn nicht diese neue, nie da gewesene Angst sich zunehmend ausbreiten würde, dass der Erdball und seine Bewohner sich in einen unbewohnbaren Feuerball verwandelt, wenn der letzte Baum gefällt ist.

Diese Angst schafft sich Bilder. Jeder Baum, jedes noch so kleine Waldstück – wie der Hambacher Forst – ist ein solches Bild, ein Bild der Angst und ein Symbol der Hoffnung.


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Ende

2013 – 2016 iKUNSTWECHSEL
Eine Produzentengalerie in leerstehenden Ladenlokalen in Aachen

2013 Dahmengraben: Karl von Monschau – Klaus Herzog – Wilhelmstraße: „AHHA Aachens heiße Quellen und die Künstler“
2014 6 rumänische Künstler(Radu Dobre Sima) – „Bulgur“ Karl von Monschau – „Pollen – Samen – Blätter“ Mohammed Ahmed, Alan Sonfist, Mahmut Telfah – „Großraum“ Ralf Wierzbowski, Bernd Radtke
2015 Eugenie Degenaar – Wolfgang von Contzen, Arthur Jaworski – „Helden“ Brele Scholz, Ralf Wierzbowski – „Bezlan“ Mohammed Ahmed – „Das Schiff“, Flüchtlingskinder mit Eva Sous – „Kobane“, kurdische Fotografen – Performance, Installation Elana Katz – „Stadtlabor“ Junge Freunde des Ludwig Forums – „Quer“ Künstlerinnengruppe Dreieck – Installation Gerhard Benz
2016 Detlef Kellermann – Karl von Monschau „Carte Blanche“ „Paarweise“ – Reflex Ausstellung Plan 2 –
Karin Odendahl, bildende Künstlerin & Arndt Lorenz, Videograph: Videos, Fotos und Bilder auf Papier und Plexiglas –
in den Aachen Arkaden:
Heike Tödt „Böse Kinder“ Malerei
K U L T – U R – G U T
Eine Ausstellung der Künstlerinnengruppe
Dreieck – Driehoek – Triangle
in St. Elisabeth – Hotel Total
Daniel Rothbart „Unergründliche Theologien“
Eine Installation
Im Stadtbad: „Wasser im Stadtbad“
„Der Rhein“ Fotos von Wolfgang von Contzen
„Schwimmer“ Gemälde von Sigroid von Lintig
„Everything flows – nothing stands still“ Videos von Daniel Rothbart